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Am 26. Juni erblickte man die Insel Zhree Kings nahe der Nordspitze Neusee-
lands. Tags vorher war der bis dahin aus südwestlicher Richtung wehende
Wind nach SSE umgelaufen und im Laufe der nächstfolgenden Tage veränderte
er dann seine Richtung nach Ost. Nachdem man 30° S-Br am 3. Juli in
175° O-Lg geschnitten hatte, wurde der Wind wiederum SW. Dieser ging
dann in 22,8° S-Br und 170,4° W-Lg am 6. Juli ohne vorhergegangene Wind-
stille in den SE-Passat über. Am 10. Juli kamen die Samoa-Inseln in Sicht,
und am 11. Juli wurde die Rhede von Apita nach 110tägiger Reise erreicht,
In Apia fand man, dass das Schiff durch die überstandenen Stürme derartig
gelitten hatte, dass es nicht mehr für seetüchtig erklärt werden konnte, und
es wurde beschlossen, es fortan nur noch als Hulk im Hafen von Apia zu
verwenden.
15. Reise der Bremer Bark „Joe Rauers“, Kapt. E. Krause.
Von Cardiff aus trat im Juli 1877 die Bremer Bark „Joe Rauers“ eine
Reise nach Singapore an, und stand am 14. Juli in 49° N-Br und 6,4° W-Lg.
Mit den zur Zeit herrschenden heftigen nordwestlichen Winden gelangte das
Schiff ziemlich schnell nach Süden, worauf in 43° N-Br der Wind nordöstlich
wurde. Man kreuzte 40° N-Br in 13,8° W-Lg am 19. Juli, und 30° N-Br in
19,3° W-Lg am 25. Juli. Die nördliche Grenze des Passates wurde am 25, Juli
in 30,6° N-Br erreicht, und verlief dann die Reise durch das Passatgebiet,
wenn auch nicht besonders schnell, so doch ohne weitere Störung. Als man
am 5, August nach 11,4° N-Br und 26,3° W-Lg gelangt war, hörte der östliche
Wind zu wehen auf und es folgte unmittelbar ohne vorangegangene Windstillen
der südwestliche Monsun, Es blieb jetzt keine andere Wahl, als über B. B.-Bug nach
SE zu liegen, und gelangte so das Schiff mit dem zwar nicht sehr beständigen,
aber doch mit ziemlich gleichmässiger Stärke wehenden SW-Winde am 13. August
nach 17,5° W-Lg in 4,8° N-Br. Hier wurde gewendet, worauf der Wind sehr
bald mehr raumte und die Linie am 17. August in 23,5° W-Lg geschnitten
werden konnte, Von 50° N-Br ab hatte die Reise eine Dauer von 35 Tagen.
So lange der westliche Wind wehte, wurde auch gewöhnlich eine östliche Strö-
mung gefunden, dagegen traf man in der Nähe des Aequators die westliche
Aequatorialströmung an,
Im südlichen Atlantischen Ocean traf man Anfangs den SE-Passat von
einer sehr südlichen Richtung an, südlich von 10° S-Br wurde der Wind aber
raumer und in 19,2° S-Br endete er am 26. August gänzlich. Man schnitt
10° S-Br in 30,6° W-Lg am 22. August, 20° S-Br in 29° W-Lg am 27. August,
und 30° S-Br in 18,5° W-Lg am 2. September. Südlich von der Passatzone
wurde zunächst nordöstlicher Wind angetroffen, welchen Kapt. Krause in der
Weise auszunutzen strebte, dass er gleich einen ziemlich östlichen Kurs steuern
liess. Als man 30° S-Br passirt hatte, setzte beständiger Westwind ein, der
einmal in 35° S-Br zum heftigen Sturm zunahm, sonst aber nur in mässiger
Stärke wehte. Am 8. September wurde der Meridian von Greenwich in
37,6° S-Br erreicht, so dass die Strecke vom Aequator bis hierher in 21 Tagen
zurückgelegt wurde,
Auf südöstlichem Kurse wurde dann weiter gesegelt, bis man als südlichste
Breite 44° in 38° O-Lg anlief, dann wurde recht Ost hingehalten. Auf dieser
Route wehten vorherrschend die Winde aus dem nordwestlichen Quadranten,
jedoch öfter auch aus nordöstlicher Richtung, wobei aber doch immer ein im
Ganzen befriedigender Fortgang erzielt wurde. Nur ein einziger heftiger Sturm
war zu überstehen, aber auch dieser war nur von kurzer Dauer. Am 1. Oktober
kreuzte man 80° ÖO-Lg in 40,6° S-Br. Beim Aufsteuern nach Norden traf man
zwischen 28° und 26,5° S-Br in 98° O-Lg für längere Zeit Mallung an, die
erst am 13. Oktober durch den SE-Passat verdrängt wurde. Sobald man den
Passat vollkommen erfasst hatte, wurde auch der Fortgang der Reise wieder
ein besserer, so dass sich das Schiff am 21. Oktober vor dem Eingange zur
Sunda-Strasse in Sicht von Java Head befand. Die Reisedauer von 50° N-Br
ab betrug gerade 100 Tage.
Beim Passiren der Sunda-Strasse hatte man gegen einen starken west-
lichen Strom anzukämpfen, der aber dicht unter der Küste Javas schwächer