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Directory“, 1877, pag. 252 über die Navigirung der Mündung des Guayaquil-
Flusses gemachten Angaben Nachstohendes.
„Der Guayaquil-Fluss, welcher an seiner Mündung ca. 17 Sm breit und
auf beiden Seiten mit Bänken, Ablagerungen des Ebbestromes, besetzt ist,
kann mit Schiffen von der Grösse der ‚Zlisabeth‘“ bis zur Stadt Guayaquil
ohne alle Gefahr befahren werden, wenn man die gewöhnlichen, bei der Tluss-
schifffahrt nothwendigen Vorsichtsmaassregeln beobachtet.
Die Entfernung von der Mündung des Flusses bei der Insel Santa Clara
bis zu dem Orte Puna, auf der Insel gleichen Namens, beträgt 43 Sm. In der
Mitte des Flusses erstreckt sich die Mala-Bank, welche zu beiden Seiten ein
freies Fahrwasser lässt, Das östliche ist breiter und tiefer und den orts-
unkundigen Schiffsführern jedenfalls als das sicherere zu empfehlen.!)
In Puna ist eine Lootsenstation, welche unter dem Befehl des Hafen-
Kapitäns von Guayaquil steht. Dagegen ist zu Arena Point (wo die Regierung
von Ecuador einen Lootsen unterhalten soll) kein Lootse zu erhalten und nur
eine Station für die Wärter des dortigen Leuchtthurms,?)
Von Puna bis zur Stadt Gwuayaquil sind 35 Sm; ohne Hülfe eines Lootsen
ist aber die Fahrt auf dem Flusse für grosse Schiffe nicht zu empfehlen, da in
dem Fahrwasser mehrere Veränderungen stattgefunden haben, So soll z. B.
die in den Karten Tit. XII, No. 5 (B. A. K. No. 586, 1860, korr. 1864) ver-
zeichnete Bank zwischen Punta Albatros und Insel Mondragon jetzt südlicher
liegen; bei 3,5m mittlerer Fluthhöhe fanden wir auf diesen Kursen strom-
aufwärts und stromabwärts niemals unter 7m, mithin muss die auf dieser Stelle
in den Karten mit 3,2m (1%4 Faden) markirte Stelle etwas tiefer geworden sein,
Ferner existirt die Bank, welche etwas nördlich von Magote, etwa %/4 Sm vom
Ufer, im Fahrwasser sich erstreckte, nicht mehr, S. M. S. „Elisabeth“ fand auf
dieser Bank bei %/4 Fluth 12m Wasser, ebenso sollen auch die von uns nicht
gefundenen, südlich davon gelegenen flachen Stellen auf der Westseite des
Flusses nicht mehr existiren.
Nach der Behauptung des Hafen-Kapitäns verschieben sich diese Bänke,
möglich wäre es aber, dass die Anker der Bojen nicht zweckentsprechend sind,
Der Grund besteht mit zwei Ausnahmen aus weichen Ablagerungen von
Schlamm, welchen der Fluss in grossen Massen herunterbringt.
S. M. S. „Elisabeth“ kam, nachdem sie die Nacht zum 7. Mai vor
Puna geankert hatte, mit einer Fluth nach Gwuayaqwil, bedurfte aber, da das
Hochwasser bedeutend später nach Guayaquil, als nach Puna kommt, zwei
Gezeiten zum Stromabwärtsfahren.
Die Stromgeschwindigkeit wurde zwischen 4—5 Sm zur Zeit der halben
Ebbe gemessen. Das Wasser des Guayaquil ist zur Zeit der tiefsten Ebbe
frisch, aber stark mit organischen Substanzen und aufgelösten Erdtheilen ver-
setzt, welche demselben eine dunkelgelbliche Färbung geben; dasselbe wird nur
von der ärmsten Klasse der Bevölkerung als Trinkwasser benutzt. Der ganze
Unrath der Stadt wird direkt in den Fluss geworfen und kommt theilweise mit
mit jeder Fluth wieder zurück. Das eigentliche Trinkwasser wird zur Ebbezeit
oberhalb der Stadt geschöpft.
Die Stadt zählt ca. 25 000 Einwohner, worunter etwa 200 Fremde, und
unter diesen ca 20—25 Deutsche. Letztere gehören meistens dem gebildeten
Handwerksstande an. Deutsche Handelshäuser existiren nur drei.
Die Stadt ist vollständig aus Holz und ziemlich regelmässig gebaut,
macht aber einen äusserst unsauberen Eindruck. Die Häuser haben meistens
ausser dem Erdgeschoss nur noch ein Stockwerk, Glasfenster findet man fast
nirgends.
Guayaquil hat, als der einzigen Hafen Zeuaclor’s, einen ziemlich regen
Verkehr im Handel. Importirt werden Industrie- und Manufaktur- Produkte,
welche Europa und Amerika erzeugt. Ausser den sogenannten „Panama-
Strohhüten“, deren Hauptfabrikationsort Guayaquil und die Umgegend ist, und
eine besonders gute und kostbare Art von geflochtenen Hängematten, existirt
kein Industriezweig von irgend welcher Bedeutung daselbst. Exportirt werden
‘) Vgl. Findlay a. a, O., pag. 252.
") Vel, Findlay a. a. O., Fussnote zu nag, 251.