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Zusätze und Berichtigungen zu der Beschreibung der Insel Viti
Levu, Fiji-Inseln.
Der Commodore A. H. Hoskins zu Sydney hat in der „New South Wales
Government Gazette“ vom 5, December 1877 nachstehende Zusammenstellung
aus den Berichten des Kapitäns von I. Br. M. Vermessungsfahrzeug „Alacrity“
über die Insel Vitt Levu‘), Fiji-Gruppe, 1876/77, veröffentlicht. Die hier vor-
kommenden Peilungen sind missweisend; die Missweisung betrug 10° Ost im
Jahre 1877.
1. Die Nandi-Bucht (Tomba Ko Nandı). Diese grosse an der Westseite
der Insel Vite Levw befindliche Bucht hat in der Richtung Nord—$Süd eine
Ausdehnung von ungefähr 5 Sm und dabei eine Tiefe von ungefähr 4 Sm. In
diese Bucht ergiessen sich die 3 kleinen Flüsse Vunda, Na Soso und Nandı,
in welche jedoch nur Boote und kleine Fahrzeuge einlaufen können, Die Bucht
ist von Inseln und Riffen umgeben, zwischen welchen sich mehrere Fahrwasser
befinden, die jedoch nur bei Tage zu benutzen sind, Das südlichste dieser
Fahrwasser, die Navula- Passage, liegt ungefähr 16 Sm in SzW von der Süd-
spitze der Bucht, ist ungefähr '/2 Sm breit und frei von Untiefen. Da in diesem
Fahrwasser der herrschende SE-Passat eine sehr östliche Richtung hat und
zwischen dem Fahrwasser und dem Ankerplatz in der Bucht die Winde sehr
veränderlich sind, so ist die Benutzung desselben für Segelschiffe sehr be-
schwerlich,
Das zwischen den Inseln Perry und Palmer, ungefähr 18 Sm westlich
der Nandi-Bucht befindliche Fahrwasser wurde von der „Alacrity“ von Ost
nach West benutzt; dasselbe ist an der schmalsten Stelle ungefähr 2 Sm breit
und kann bei Tage sicher benutzt werden.
Das ungefähr 4 Sm in NW von der Navula- Passage befindliche Fahrwasser
Malolo-Passage soll gleichfalls gut zu befahren sein und wahrscheinlich sind
noch andere Fahrwasser im NW von den Hudson-Inseln vorhanden.
Ankerplatz. Die Wassertiefen in der Nandi-Bucht sind nur mässig, das
Wasser flacht von 20m, welche sich in dem nordwestlichen Theil der Bucht
vorfinden, bis auf 4,6 und 5,5m, welche Tiefen 1 Sm vom Ufer entfernt in dem
südöstlichen Theil gefunden worden sind, ab; der Grund besteht im Allgemeinen
aus Schlamm. Bei der im südlichen Theil der Bucht befindlichen Mündung
des Nandi- Flusses liegen einige niedrige Inseln und Korallenstellen, welche
für ein grosses Segelschiff bei Annäherung an die Küste leicht gefährlich werden
können,
Der am meisten geschützte, aber nur Schr beschränkte Ankerplatz be-
findet sich zwischen der Insel Jakuilaw und der Küste im südwestlichen Theil
der Bucht, nahe bei der Mündung des Nandi-Flusses; die Wassertiefe beträgt
daselbst ungefähr 7,3m Schlammgrund, und man peilt von dem Ankerplatz das
östliche Ende der Insel Jakuilau in Nord, das Südende der niedrigen und san-
digen kleinen Insel Malen in NEzE'/4E und den Kornspeicher an der Mündung
des Nandi-Flusses in Ost, Dieser Ankerplatz befindet sich ungefähr 1'/2 Kblg
von der SE-Spitze der Insel Jakuilau entfernt.
Da der Ankergrund in der ganzen Nandz-Bucht gut haltbar ist, so kann
bei den gewöhnlichen Vorsichtsmaassregeln jedes gut ausgerüstete Schiff sicher
jeden Sturm abreiten; da aber der SE-Passat zuweilen durch NW-Winde unter-
brochen wird und diese eine sehr hohe See verursachen, so ist das durch
Boote zu bewerkstelligende Laden und Löschen, sowie das Landen oft sehr
gefährlich.
Sturmfluth. Im Jahre 1869 stieg das Wasser in der Nandi-Bucht bei einer
ungewöhnlich heftig auftretenden Cyklone 3m über die gewöhnliche Hochwasser-
yrenze, überschwemmte mehrere 100m weit das zwischen den Nandi- und Vunda-
Mündungen befindliche flache Land und richtete daselbst beträchtlichen Schaden
an. Im Jahre 1871 war abermals eine Sturmfluth, bei welcher zwei ungefähr
'/s Sm von der Küste in dem südwestlichen Theil der Bucht zu Anker liegende
Schoner, „Nanova“ und „Clyde“, durch eine Cyklone zu Grunde gingen. Die
1) S. „Annal. d, Hydr.“ 1875 pag. 241—247, 1876 pag. 448 u. 455, sowie Findlay’s
‚South Pacific Directory“ 1877, pag. 659 ff,