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Von Honolulu trat die Bark am 14. Januar 1878 die Heimreise nach
Bremen an. Am Tage der Abreise herrschte westlicher Wind. Als das Schiff
jedoch südlich von Hawaii: und frei vom Einflusse der hohen Berge dieser
Insel kam, erhielt es frischen Passat, der nun in kurzer Zeit die Bark südwärts
führte. Als dieser Wind am 22. Januar endete, stand sie schon nicht mehr
weit von der Linie, in 1° N-Br und 153,4° W-Lg. Am folgenden Tage
passirte sie dieselbe in 153,3° W-Lg; es waren nur 9 Tage verflossen, seitdem
man den Hafen verlassen hatte, mithin war die Reise bis hierher eine gute
zu nennen.
In der Erwartung, auf südlicher Breite bald den regelmässigen SE-Passat
anzutreffen, wurde Kapt. Wolters sehr getäuscht. Fortgesetzt wehten die sehr
unbeständigen westlichen Winde, mit denen man schon den Aequator passirte.
Erst nachdem das Schiff am 31. Januar nach 9° S-Br in 151,4° W-Lg gelangt
war, fand es dort den eigentlichen SE-Passat vor. Auch jetzt noch war der-
selbe wenig befriedigend, besonders weil er meist aus sehr südlicher Richtung
wehte. Am 7. Februar kreuzte die Bark 20° S-Br in 158° W-Lg; an dem-
selben Tage sah man auch die zur Cooks-Gruppe gehörenden Inseln Mitiero
und Atix. Bis 32° S-Br in 161,5° W-Lg (am 12. Januar) erstreckte sich das
Gebiet des SE-Passats. Nachdem alsdann für einige Zeit Mallung und Stille ge-
herrscht hatte, stellte sich südlich von 36° S-Br frischer Westwind ein, mit
welchem das Schiff nach 40° S-Br in 155° W-Lg am 18. Februar, nach
50° S-Br in 134,6° W-Lg am 24. Februar gelangte. Am letzteren Tage hatte
man einen sehr schweren Weststurm zu überstehen; während desselben nahm
der Luftdruck in 12 Stunden um 26mm ab; die Windrichtung veränderte sich
von WNW nach SWzS. In diesem Sturm verlor das Schiff durch Brechseen
sein Rettungsboot, Verschanzungen und verschiedene andere Dinge.
Nachdem dann 100° W-Lg am 2. März in 55° S-Br gekreuzt war,
gelangte die Bark am 10. März zum Meridian des Kap Horn; sie hatte bis
dahin eine Reise von 55 Tagen.
Im Südatlantischen Ocean hatte der „R. C. Wylie“ 50° S-Br in 47,8° W-Lg
am 15. März, 40° S-Br in 38° W-Lg am 26. März und 30° S-Br in 28,8° W-Lg
am 28, März. Am 20. März wehte ein ausserordentlich schwerer Sturm, der
aus NE begann und später nach NW und SW umlief; der niedrigste Luftdruck,
welchen man während seiner Dauer ablas, war 735,1mm. Die durch diesen
Sturm verursachte See war aussergewöhnlich hoch und wild und unregelmässig;
so dass durch das schwere Arbeiten des Schiffes das Bugspriet desselben einen
argen Bruch erhielt.
Sehr schwer fiel es dem „ER. C. Wylie“, in das Gebiet des SE-Passats
zu gelangen; zwischen 34°—19,5° S-Br fand man fast nur ganz leichte, aus nordnord-
östlicher bis nordnordwestlicher Richtung wehende Winde. Erst in 19° S-Br
und 21° W-Lg lief am 8. April der Wind nordöstlich und dann allmählich
durch Ost nach SE. Am 13. April kreuzte das Schiff 10° S-Br in 25,5° W-Lg
und erreichte den Aequator am 17. April in 29,4° W-Lg, 39 Tage nachdem
die Länge des Kap Horn passirt worden war.
Der SE-Passat endete in 3° N-Br und 29,5° W-Lg; es folgte hierauf
Stille und Mallung, welche 3 Tage hindurch anhielt, bis man in 6° N-Br und
31° W-Lg den NE-Passat fand. Dieser wehte zwar von Anfang an aus einer
sehr östlichen Richtung, aber seine Stärke liess viel zu wünschen übrig.
Der „R. C. Wylie“ gelangte nach 10° N-Br in 33,5° W-Lg am 25. April,
nach 20° N-Br in 34,7° W-Lg am 30. April und nach 30° N-Br in 36° W-Lg
am 5, Mai. Schon südlich von der letztgenannten Breite in 29,6° S-Br wurde
das Gebiet des Passats verlassen. Mallung und Stille, welche zwei Tage hin-
durch anhielt, folgte, worauf dann nördlicher Wind einsetzte, Kapt. Wolters
segelte durch den zwischen Terceira und San Miguel liegenden Kanal und
passirte denselben am 12. Mai. Von hier ab begünstigten die Winde die
Fahrt so sehr, dass man schon 6 Tage später, am 18. Mai, den Kanal
erreichte. Die ganze Reise von den hawait'schen Inseln ab hatte eine Dauer
von 125 Tagen,