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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXVI Jahrg, (1918), Heft V/VI. 
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Die: Entwicklung der wissenschaftlichen Nautik im Beginn des Zeitalters 
der Entdeckungen nach neuern Anschauungen. 
Von Prof. Dr. Herzmum Wagner in Göttingen. 
(Fortsetzung.) 
III.’ Abraham Zacuto und sein Almanach perpetauum. 
13. Abraham Zaeunto. Hier scheint es erforderlich, einen bibliographischen 
Exkurs über den solange unbeachtet gebliebenen jüdischen Astronomen und sein 
Hauptwerk einzuschieben, da auch von J. Bensaude, der sich sehr eingehend. 
mit ihm beschäftigt, noch nicht alle Punkte klargestellt sind. 
Was diesen angesehenen Astronomen betrifft, so ist es allerdings seltsam, 
daß er und sein Werk fast allen.deutschen Historikern des Zeitalters der Entdeckung 
öder der möttelalterlichen Astronomie unbekannt geblieben ist. Weder der viel- 
belesene Humboldt erwähnt ihn je, noch. Peschel oder Ruge, auch nicht 
S. Günther in seinen zahlreichen Schriften zur Geschichte der mathematischen 
Geographie oder der Erdkunde überhaupt.‘ Ebensowenig kannte ihn der Nautiker 
E. Gelecich. Sein Name findet sich allerdings in einigen der bedeutenderen Werke 
zur Geschichte der Astronomie; so führt z. B. J. Fr. Weidler (Hist.. astronomiae 
Vitembergae 1741, Cap. XIII. 21, S. 270) einiges aus dem Almanach perpetuum 
an. Er figuriert aber nicht in Poggendorffs Biographisch-literarischem Hand- 
wörterbuch (weder im Hauptwerk, Band II, 1863, noch in den neuen Bänden III, 
1898 und IV, 1904). In Houzeaus schätzenswertem ‚,Vade-Mecum de l’astro- 
nomie‘“ (Bruxelles 1882, S. 97) wird nur auf Abrah. Ben Samuel Zacuth, Tractatus 
de stellarum motu et ordine verwiesen, der Almanach aber nicht erwähnt?); 
Rud. Wolf£ spricht von ihm kurz, aber erst in seinem letzten Werk, dem Handbuch 
der Astronomie (II, 1892, S. 149), erzählend, daß auf dem Geschwader Magellans 
ein auf „Abraham F, R. Schemuel Zakut, Tabulae motuum coelestium, Venetiäs 1496 
in 4°“ gegründeter Kalender benutzt sein solle; gesehen hat Wolf jedenfalls das 
Werk nicht. | | ; 
Nachdem wir heute über die Bedeutung Zacutos gerade für die uns beschäfti- 
gende Entwicklungsperiode der portugiesischen Nautik. ausreichend unterrichtet 
sind, können wir auch den Ursachen der Unbekanntschaft mit ihm von seiten der 
neueren Geschichtsforscher des Zeitalters der Entdeckungen. mehr auf den Grund 
gehen. ' Hierbei spielt sicher der Umstand eine Rolle, daß sein Name auch von der 
Mehrzahl der zeitgenössischen Historiker ignoriert worden ist. Bensaude (Histoire, 
S. 35) macht es plausibel, daß. dieses mit seinem Judentum im Zusammenhang 
stehen dürfte. Noch am Ende des 15.. Jahrhunderts griff die Inquisition und religiöse 
Intoleranz auch in Portugal Platz, wo Zacuto für ein halbes Jahrzehnt vor der 
Judenverfolgung in Spanien ein Asyl gefunden hatte. Nur der in Indien, weit ab von 
der Heimat, schreibende Correa würdigt Zacuto eingehend®), - . 
Über die wichtigsten Daten des Lebenslaufes von Zacuto sind wir durch 
Historiker des Judentums unterrichtet. Wir verweisen auf Steinschneiders 
Artikel in der Bibliotheca mathematica?) und auf M(eyer) Kayserlings Schrift: 
„Columbus und der Anteil der Juden an den spanischen und portugiesischen Ent- 
20) Daß Houzeau diesen Tractatus mit dem Almanach perpetuum im Zusammenhang bringe; 
wie B, Cohn 1917 behauptet (vgl. u. S. 105), ist irrig; weder im Vade-Mecum noch in der Bibliographie 
gEner, de Vastronomie par Houzeau et Lancaster. I part, Bruxelles 1887, p. 485 ist davon die Rede: 
5.1 2) Treffend schrieb A. Schück schon 1896: „Correa, der in bezug auf Israeliten viel weniger 
Rücksicht zu nehmen brauchte als Barros u, A., schreibt Zacut manches zu, was Barros von der 
Junta sagt, zu der M. Behaim gehörte“. („Der Jacobstab“ im Jahresber. d. Geogr. Gesellsch, in 
Mn cjng 0 ‚ München 1896, 129.) 
Besonders Jahrg. 1897, 105; 1901, 198. 
Ann. d. Hydr. usw. 1918, Heft Y/YI.
	        
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