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und 24,3° W-Lg das Gobiet des NE-Passats verliess und in das des Stillen-
yürtels eintrat. Auch traf die „Anna“ es ziemlich günstig, denn Wiundstille
"and man fast gar nicht, dagegen schon leichten südwestlichen Monsun. Als
mit diesem die Bark, über B. B.-Bug liegend, nach 21° W-Lg in 5,6° N-Br
yesegelt war und dort der Wind sich bis Süd gedreht hatte, liess Kapt.
Wittneben wenden. Bald nachher raumte der Wind auf, wurde frischer
und am 24. Juni passirte die „Anna“ in 25° W-Lg die Linie, nach einer Reise
die von Lundy-Island ab eine Dauer von 33 Tagen hatte. Der frisch wehende
Passat ermöglichte auf südlicher Breite anfänglich einen sehr raschen Fortgang
nach Süden; leider war er nicht von langer Dauer, denn nachdem 10° S-Br in
30° W-Lg am 27. Juni überschritten und das Schiff nach 19° S-Br in 31,9° W-Lg
zekommen war, fand jener Wind am 30. Juni sein Ende. Mallung, die einige
Tage anhielt, trat an seine Stelle und später nördlicher, nach und nach auf-
frischender Wind. Am 8, Juli kreuzte die „Anna“ den Parallel von 30° S-Br
in 27° W-Lg und gelangte später, meistens von frischen westlichen Winden
begünstigt, am 18. August in 38,8° S-Br zum Meridian von Greenwich. Die
Reisedauer von der Linie bis hierher betrug 25 Tage,
Am 20. Juli überschritt die „Anna“ in 7° O-Lg 40° S-Br, worauf
Kapt. Wittneben derart weiter steuern liess, dass noch immer etwas Süd
mit angeholt wurde; als jedoch am 28, Juli 43° S-Br in 29,2° O-Lg erreicht
war, richtete er, sich zwischen 42°—43° S-Br haltend, den Kurs recht nach Osten.
Zu verschiedenen Malen wurden in diesen Breiten auch heftige Weststürme
angetroffen, die eine ausserordentlich hohe See erzeugten. Am 28. Juli nahm
lie tiefgeladene Bark in einem dieser Stürme mehrere Brechseen über, die
Steuer- und Segelkompass wegspülten, wie auch das Steuerrad zertrümmerten,
Der geringste Luftdruck, der an diesem Tage beobachtet wurde, war 740,7 mm.
An mehreren anderen Tagen hatte man wieder zu leichte, meist östliche Winde
ınd waren daher die Windverhältnisse im Ganzen dem Ablaufen der Länge
nicht so günstig, wie man gehofft hatte. Am 8. August erreichte die „Anna“
den Meridian von 80° O-Lg in 40,4° S-Br. Ian 39,5° S-Br und 85° O-Lg
beobachtete man am 14. August einen ungewöhnlich hohen Barometerstand,
obgleich zur Zeit nördliche Winde mit häufig fallendem Staubregen wehten;
derselbe betrug 780,1mm. Bei diesem hohen Barometerstande setzte ein nord-
westlicher Wind ein, der sehr frisch und beständig für längere Zeit wehte und
mit dessen Hülfe eine beträchtliche Distanz abgelaufen wurde. Es wurde
30° S-Br in 102,8° O-Lg am 18. August gekreuzt; nördlich von letzterer Breite
drehte der noch immer in bedeutender Stärke wehende Wind sich nach Westen
und Süden und ging am 21. August in 22,9° S-Br und 105,2° O-Lg in den
SE-Passat über, ohne dass vorher Stille oder Mallung angetroffen wurde. Der
Passatwind führte dann in wenig Tagen am 26. August das Schiff zur Sunda-
Strasse. Nachdem diese, sowie die Banka- und Rhio-Strasse mit Wind, der
mit Stärke 4 beständig aus südöstlicher Richtung wehte, durchsegelt waren,
ankerte die „Anna“ am 3. September auf der Rhede von Singapore. Die
Gesammtdauer der Reise von Lundy-Island ab betrug nur 104 Tage.
in Singapore erhielt die Bark Ladung für Liverpool und trat am
19. Oktober die Reise dahin an. Leichte südöstliche Winde und Stille waren
dem Fortgange derselben anfänglich ungünstig, doch gelangte das Schiff, gegen
liese ankreuzend, durch die Karimata- und Sunda-Strasse. Am 5. November
stand das Schiff südwestlich von letzterer in 6,4° S-Br und 105,5° O-Lg und
trat von hier ab, von ziemlich frischem SE-Passat geführt, seinen Lauf nach
Westen, über den Indischen Ocean hin, an. 90° O-Lg wurde am 11. November
in 13° S-Br gekreuzt, westlich von dieser Länge wurde der SE-Passat ganz
flau, längere Zeit hindurch herrschte ein ganz leiser unbeständiger Zug. Zwar
wurde weiter nach Westen hin an mehreren Tagen noch ein frischer Ostwind
angetroffen, aber regelmässig in Richtung und Stärke wurde er nicht wieder.
In 22° S-Br und 67,5 O-Lg herrschte eine, mehrere Tage anhaltende Windstille,
auf welche wieder umlaufender, vorherrschend aus östlicher Richtung wehender
Wind folgte. Am 4. December kreuzte das Schiff 60° O-Lg in 25,8° S-Br,
und am 11. December gelangte es zum Parallel von 30° S-Br in 44,7° O-Lg;
die Reise von der Sunda-Strasse ab hatte bis hierher eine Dauer von
36 Tagen,
Ann, d. Hydr., 1878, Heft YII (Juli).