90Rß
Schon in 15,3° S-Br und 34° W-Lg verlor man am 22. Mai den regel-
mässigen Passat, der Wind beschrieb am nächsten Tage eine Drehung durch
alle Striche der Rose und war späterhin, obgleich er noch einmal für längere
Zeit aus südöstlicher Richtung wehte, unbeständig. In 28° S-Br erreichte der
„von Werder“ das Gebiet der vorherrschenden Westwinde, gegen welche an-
kreuzend versucht wurde, nach SW Fortgang zu machen. Es wurden auf dieser
Strecke zwar oft stürmische Winde angetroffen, doch hatte man keine schweren
Stürme zu überstehen, und nachdem 40° S-Br in 51,7° W-Lg am 12. Juni und
50° S-Br in 63° W-Lg gekreuzt worden war, erblickte man am 22, Juni die
Ostspitze der Staten-Insel.
Die jetzt zunächst zurückzulegende schwierige Strecke der Gesammtreise
wurde unter günstigen Umständen begonnen; mit nordwestlichem Winde umsegelte
ınan Staten-Island, und schon am 24, Juzi wurde das Kap Horn erblickt. Bald
pachher aber lief der Wind sehr zur ungelegenen Zeit nach SW um, denn man
konnte mit demselben über St. B.-Bug noch nicht oberhalb des Landes frei
segeln, und, da das Wetter auch stürmisch wurde, konnte der „von Werder“
nicht halten, was schon gewonnen war; Strom und Abtrift setzten ihn zurück,
und am 2. Juli stand die Bark wieder in 64,5° W-Lg, wo sie sich schon am
23. Juni befunden hatte. Am 3. Juli jedoch trat, nachdem es vorher fast wind-
still gewesen war, östlicher Wind ein; derselbe kam ganz leicht durch, frischte
allmählich auf und führte dann das Schiff rasch nach Westen. Am 10. Juli
gelangte man wieder zum Parallel von 50° S-Br in 85° W-Lg, es waren 20 Tage
verflossen, seitdem man dieselbe Breite im Atlantischen Ocean geschnitten hatte.
Um-von 50° S-Br nach 40° S-Br zu kommen, gebrauchte der „von Werder“
7 Tage, eine für diese Jahreszeit ungewöhnlich lange Zeit, während welcher
man gegen anhaltende nordwestliche Winde zu kämpfen hatte. Am 20, Juli
crreichte das Schiff glücklich die Rhede von Valparaiso nach einer Reise, deren
yanze Dauer 104 Tage betrug.
Am 17. August trat das Schiff eine Reise nach Apia an. Mit südlichen
Winden wurde zunächst ein sehr nördlicher Kurs eingeschlagen, um möglichst
bald in das Gebiet des SE-Passats zu gelangen, welches auch bereits am
23. August in 28,2° S-Br und 78° W-Lg erreicht wurde. Da der Wind von
Anfang an ziemlich frisch wehte, liess Kapt. Aschhoff, der im vollen, be-
ständigen Passat zu sein glaubte, einen sehr westlichen Kurs steuern, gelangte
damit aber in kurzer Zeit nach einem Mceerestheil, in welchem der Passat für
längere Zeit gestört war und an Stelle desselben Mallung und Stille herrschte.
Die unter hawalil’scher Flagge segelnde Bark „£. C. Wylie“ befand sich zur
selben Zeit in der Nähe und wurde auch sie durch diese unerwünschte Unter-
brechung aufgehalten, kam aber rascher als der „von Werder“ von derselben
frei, weil sie gleich entschiedener nördlich steuerte. „von Werder“ gebrauchte
in 23°—19° S-Br 7 Tage, um frei davon zu kommen, „KR. C. Wylie“ in
16°—14° S-Br 2 Tage, um dasselbe Ziel zu erreichen,
Nahe dem Parallel von 13° S-Br lief der „von Werder“ nach Westen,
kreuzte 120° W-Lg am 13, September in 12,8° S-Br und 140° W-Lgy am
21. September. Westlich von 148° W-Lg machte sich der störende Einfluss der
Paumotu-Inselgruppe bemerkbar; der Wind flaute dort ab und wurde unregel-
mässig in seiner Richtung; desgleichen änderte sich auch das bis dahin so
beständige Wetter, auch wurden an verschiedenen Tagen gewitterartige Erschoi-
nungen beobachtet. Am 3. Oktober erblickte man die östliche Insel der Samoa-
Gruppe und erreichte am 4. Oktober den Bestimmungshafen nach 48tägiger
Reise, von Valparaiso ab,
Von Apia segelte der „von Werder“ in 4 Tagen nach dem in der Fijt-
Gruppe gelegenen Hafen Loma Loma und von diesem in 1lOtägiger Reise nach
der Insel Tongatabu.
In letzterem Platze erhielt die Bark ihre volle Ladung, worauf sie dann
am 18. December den Hafen verliess, um die Heimreise anzutreten. Kaum hatte
das Schiff die offene See erreicht, als es von einem orkanartigen Sturme aus
südöstlicher Richtung überfallen wurde; während es anhaltend regnete, sank der
Luftdruck bis auf 753,9mm. Der Sturm endete ganz plötzlich; es trat nachher
Windstille ein, und späterhin herrschte für längere Zeit Mallung, KEigentlicher
Passat wurde nach dem Verlassen des Hafens gar nicht wieder angetroffen. Das