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Man überschritt den Meridian von 20° W-Lx am 4. December in 59° N-Br
and den von 40° W-Lg am 27. December in 52° N-Br. Am 2. Januar 1878
erreichte das Schiff in 45,5° N-Br den östlichen Rand der Neufundlands-Bänke,
wo 73m Wassertiefe gelothet wurde. Am 5. Januar befand sich die „Charlotte“
westlich von den Bänken; Kapt. Gutsmuths versuchte, den letzten Theil der
Reise in dem kalten Küstenstrome zurückzulegen; dies war aber öfters nicht
durchzuführen. Zu wiederholten Malen drängten nordwestliche Stürme das
Schiff in die warmen Gewässer des Golfes und in die dort herrschende Gegen-
strömung; im Verlaufe von zwei Stunden beobachtete man bei solcher Gelegen-
heit einmal eine Veränderung in der Temperatur des Meeres von 9° C. "Am
11. Januar, in 40,1° N-Br und 67,6° W-Lg, überstand die „Charlotte“ einen
überaus schweren Sturm aus südöstlicher Richtung, durch welchen verschiedene
neue Segel zerrissen wurden; am 19. Januar gelang es endlich, die Küste von
Long-Island zu erblicken, dort einen New-Yorker Lootsen zu erhalten und am
20. Januar im Hudson-Flusse zu ankern, nach einer überaus beschwerliehen
Reise von 66 Tagen. Kapt. Gutsmuths macht am Schlusse des Journals die
Bemerkung, dass er, wenn nur irgend möglich, im Winter nicht wieder die
nördliche Route, immer dagegen, wenn erreichbar, die Passatroute wählen
würde; denn, hätte auf dieser letzten Reise sein Schiff sich nicht in Ballast
und in so tadellosem Zustande befunden, so wäre oft sicher Schlimmes zu
befürchten gewesen.
Von New -York aus trat das Schiff am 18. März die Rückreise nach
Bristol an. Nur während der ersten Woche wurden auf dieser die erwarteten
Westwinde angetroffen; als mit ihnen am 24. März 50° W-Lg in 41° N-Br
erreicht war, lief der Wind durch Süd um nach Ost und wehte aus dieser
Richtung für eine lange Zeit. Zunächst war der Wind 6 Tage hindurch süd-
östlich, wobei das Schiff doch noch ziemlich zufriedenstellenden Fortgang nach
Osten machen konnte. Als man aber am 1, April 34° W-Lg in 46,5° N-Br
gekreuzt hatte, drehte der Wind sich nach Ost und NE und hinderte fortan
für längere Zeit jegliches Fortkommen. Erst am 12, April kam wieder west-
licher Wind durch; unter den 24 bis dahin auf See zugebrachten Tagen waren
nicht weniger als 16, an welchen Ostwind geherrscht hatte. Von nun an jedoch
war der Verlauf der Reise ein befriedigender, und am 18. April, nach 30tägiger
Reise, gelangte das Schiff zum Bestimmuneshafen.
2. Reise der Elsflether Bark „von Werder“, Kapt. J. Aschhoff.
Diese auf einer Reise von Hamburg nach Valparaiso begriffene Bark
befand sich am 15. April 1877 in 49,2° N-Br und 8,6° W-Lg und steuerte von
dort mit sehr veränderlichen Winden, über deren ungünstige Richtung jedoch
im Ganzen nicht zu klagen war, nach SW. Am 22, April schnitt man 40° N-Br
in 12° W-Lg, am 25. April gelangte man in den Gesichtskreis der Insel Madeira,
und nachdem am 27. April auch noch Tenerifa erblickt worden war, wurde am
folgenden Tage in 29° N-Br und 16,7° W-Lg die polare Grenze des NE-Passats
überschritten, Um westlich von der Kanarischen Inselgruppe nach Süden segeln
zu können, musste zunächst ein Westkurs gesteuert werden, Nördlich von
20° N-Br wehte der Passatwind in geringer Stärke, ebenso war er in seiner
Richtung unbeständig; südlich von jenem Parallel, der am 5. Mai in 26,2° W-Lg
überschritten wurde, frischte er jedoch auf und hielt so an, bis er in 5,9° N-Br
und 26,3° W-Lg am 10. Mai gänzlich endete. Im Stillengürtel wurde der
„von Werder“ durch Windstille und Mallung 4 Tage aufgehalten; darauf er-
reichte man am 14. Mai in 2,6° N-Br und 27,5° W-Lg die nördliche Grenze
des SE-Passats und passirte mit diesem Winde am 16. Mai in 30,5° W-Lg den
Aequator. Die Reisedauer vom Kanale betrug bis hieher 30 Tage. Im Stillen-
gürtel hatte man ganz schwache östliche Strömung beobachtet, die Aequatorial-
Strömung in der Nähe der Linie besass dagegen eine mittlere stündliche Schnellig-
keit von 1 Sm.
Im Südatlantischen Ocean war die Richtung des Passats raum genug,
um trotz des westlichen Schnittpunktes mit Leichtigkeit die brasilianische Küste
freisegeln zu können; die Bark gelangte nach 10° S-Br in 33,2° W-Lg am
20. Mai, nach 20° S-Br in 37,2° W-Lg am 26, Mai und nach 30° S-Pr in
43.5° W-Le am 2. Jun.