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Der Kommandant S. M. S. „Elisabeth“, Kapt. z. S. v. Wickede, hatte
im März 1877 auf der Reise von Singapore nach Manila auch die Insel Labuan
besucht (s. „Ann. d. Hydr. ete.“, 1877, pag. 344). Den von ihm über die
Insel und den Ort Labuan gemachten Bemerkungen entnehmen wir zur Ergänzung
des eben Mitgetheilten Nachstehendes.
Die Insel Labuan ist fruchtbar aber unkultivirt; es leben auf ihr mehr
Chinesen als Malaien. Die ersteren besitzen mehrere sich gut rentirende
Stärkemehl-Fabriken. Der kleine, sich in zwei Häuserreihen am Hafen hin-
ziehende Ort ist ausschliesslich von Chinesen bewohnt, während die Malaien in
nehreren, auf dem Wasser gebauten, unreinlichen, gruppenweise angeordneten
Hütten an der Südseite des Hafens hausen. Das Kohlenbergwerk liegt auf der
NO-Seite der Insel. Das Lager ist mächtig und die Beschaffenheit der Kohle
gut, der Betrieb zur Zeit aber noch nicht rationell genug.
A. Reise von Labuan bis Manila.
„Nachdem am 23. März d. J. der starke Qualm sich etwas verzogen
hatte, verliess S. M. Kbt. „Albatross“ Morgens unter Dampf durch die Nord-
passage den Hafen von Labuan, Die in den englischen Segelanweisungen
yegebenen Direktiven sind in jeder Weise ausreichend, und bieten die für die
Navigirung empfohlenen Landobjekte jeden gewünschten Anhalt. Zu berück-
sichtigen dürfte nur die in derselben durch Mbbe und Fluth beeinflusste
Strömung sein, deren Einfluss sich durch Lothen leicht feststellen lässt. Um
nach dem Verlassen der Durchfahrt sicher und ohne zu grossen Zeitverlust
durch die vor derselben liegenden, zahlreichen Riffe und Bänke zu gelangen,
ist es jedoch absolut erforderlich, noch in derselben einen möglichst genauen
Abgangspunkt festzustellen, event. die Abfahrtszeit von Labuan so zu wählen,
dass man in den ersten Nachmittagsstunden die Durchfahrt bereits verlassen
hat. Man hat die Sonne dann im Rücken und kann vom Vortopp aus die Riffe
wahrnehmen.
Die Fahrt wurde am 24. und 25. März gegen sehr frischen NE und
hohen Seegang fortgesetzt, wobei die am Nachmittage des 24. März beobachtete
Länge eine stärkere nordwestliche Stromversetzung ergab, welche ich, da bisher
bedeutendere Strömungen nicht wahrgenommen wurden, dem durch die Balabac-
Strasse setzenden Strom zuschreiben musste. Der Kurs wurde dem entsprechend
verändert, und kam damit am Vormittag des 25, März Balabac und die Küste
von Palawan in Sicht, längs welcher dann die in der Karte empfohlenen Kurs-
linie gedampft wurde, wobei die Küste bis zum 26. März Mittags in Sicht blicb.
Am folgenden Tage (27. März) Nachmittags kam der auf Mindoro liegende
za 2745m hohe Berg Halcon in Sicht, und wurde auch bald darauf Lubang
gesichtet. Die nordwestlich derselben gelegene kleine Insel Cabra kam erst
gegen Sonnenuntergang in Sicht. Nach der Karte hält man dieselbe für eine
höhere Insel und kann, wenn man dasselbe bei Tage nicht mehr sieht, leicht
in den Irthum verfallen, die NW-Spitze von Lubang für Cabra selbst zu halten
and demgemäss den Kurs auf Corregidor abzusetzen. Es empfiehlt sich daher,
wenn man dieses Land in einer dunkelen Nacht passiren muss, sich hierüber genau
zu informiren. „Albatross“ passirte in einer solchen die Insel Cabra in etwa
5 Sm Abstand, und war es trotzdem unmöglich, auch nur das Geringsto von
Cabra zu sehen, während das hohe Land von Lubang sichtbar blieb. In der-
3elben Nacht (vom 27. zum 28. März) kam das auf dem in der Einfahrt von
Manila gelegenen Corregidor errichtete Leuchtfeuer in Sicht, welches am
nächsten Morgen um 8* passirt wurde, und ankerte „Albatross darauf um
11% 30° a. m. den 28. März auf 7m Wasser auf der Rhede von Manila.
Manila. Als Ausrüstungshafen dürfte sich Manila nicht empfehlen; es
sind zwar sämmtliche Artikel, Proviant sowohl als Material und Inventar, in
genügender Auswahl vorhanden, die Preise stellten sich jedoch doppelt so hoch
als in Hongkong. Der Grund hierfür dürfte u. A, in dem Eingangszoll von
LO pCt. des Werthes zu suchen sein, welcher auf alle eingeführten Waaren
gelegt wird.
Die Reise von Manila nach Hongkong (vom 1. bis 5. April) war vom
schönsten Wetter begünstigt, mit leichten östlichen und nordöstlichen Winden.
Ann. d. Hydr., 18789. Heft VII (Inli}.