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welcher man DS — DN macht, so ist S der Punkt des Dygogramms, welcher
© = 180°, oder dem magnetischen Süd-Kurs entspricht. Der Punkt Q, wo NS
Jen Kreis zum zweiten Mal schneidet, ist dor Pol des Dygogrammes. Lässt
man nun NS in diesem Punkte sich so drehen, dass der Halbirungspunkt D die
Peripherie des Kreises entlang gleitet, so beschreiben die Endpunkte N und S
der geraden Linie die verlangte Kurve,
Zieht man durch Q die Linie K’W senkrecht zu NS, so sind E‘ und W die
den magnetischen Kursen Ost und West entsprechenden Punkte des Dygogrammes.
Um die mit den übrıgen magnetischen Kursen korrespondirenden Punkte zu er-
halten, beschreibe man mit beliebigem Radius einen Kreis (mit Bleistift, um
ihn dann wieder auszuwischen) um Q und theilc jeden der durch die geraden
Linien SN und E‘W erhaltenen rechten Winkel in 8 gleiche Theile. Die Schnitt-
punkte dieser 32 Strahlen mit den (nöthigenfalls verlängerten) Radien und der
Kurve entsprechen den magnetischen Kursen, welche in N beginnen und durch
E‘ und S herumgehen, Es ist also NNO der Punkt Rı, ONO der Punkt Re
u. s. w.. Zicht man nun von O aus nach diesem Punkte die geraden Linien
OR2, ORs ..., So sind die Winkel, welche dieselben mit OP bilden, gleich
der Deviation für die betreffenden magnetischen Kurse, und die geraden Linien
ORz, ORs, ORa . .., auf der Skala gemessen, drücken die relative Richtkraft
für die Kurse Rı, Rs, Rs... aus. Zur Erleichterung der Bestimmung der die
Deviation ausdrückenden Winkel R:OP, R:OP u. s. w. kann man mit dem Radius
OP einen Kreisbogen von etwa 60° zichen und diesen in Grade theilen.
(Schluss folgt im nächsten Heft.)
Aus den Reiseberichten S. M. S. „Medusa‘“, Korv.-Kapt. Hollmann.)
Reise von Havana nach Norfolk. Segeln im Golfstrom.
S. M. S. „Medusa“ war am 14. Mai d. J. von Colon (Aspinwall) aus in
Havana angekommen und setzte von dort am 16, Mai ihre Reise nach Norfolk
fort, wo sie am 31. Mai eintraf. Ueber diese Reise von Havana nach Norfolk
berichtet dor Kommandant S. M. 8. „Medusa“, Korv.-Kapt. Hollmann, wie folgt:
„Nachdem 8. M. S. „Medusa“ den Hafen von Havana am Morgen des
16. Mai verlassen hatte, wurde mit östlichem Winde innerhalb der Grenzen des
eigentlichen Golfstromes nach Osten aufgekreuzt, Am Abend wurde Pan de
Matanzas als Ausgangspunkt für das Kinlaufen in die Florida - Strasse gepeilt.
Es war beabsichtigt, bei klarem Wetter und günstigem Winde die Mitto des Fahr-
wassers zu halten und von dem stärksten Lauf des Golfstromes Nutzen zu ziehen,
da mit den gut regulirten Chronometern eine zuverlässige Besteckführung auch
ohne das Anlaufen der Feuer gesichert schien. Die thatsächlichen Verhältnisse
entsprachen den gehegten Erwartungen; bereits am 19. Mai Mittags war das Schiff
unter Mitwirkung eines schr starken Stromes durch leichte Ost- bis ostnordöst-
liche Winde bis querab von Kap Canaveral gebracht, so dass die eigentliche
Florida-Strasse in 48 Stunden durchsegelt wurde,
Bemerkenswerth waren die Wetter-Erscheinungen, welche am Eingang der
Strasse beobachtet wurden. In der Nacht vom 16. bis 17. Mai hatten wir
einen schweren Gewittersturm, der so schnell hereinbrach, dass nur noch Zeit
blieb, alle Segel zu bergen. Im Laufe des Abends hatte sich ein schweres
massiges Gewitter-Gewölk im Osten aufgethürmt und war langsam hinter dem
Nordost steuernden Schiff herumgezogen, ohne jedoch merklich höher zu steigen,
oder sich besonders gefahrdrohend zu nähern. Nachdem es so bis in NW von
uns sich gewendet hatte, begann es gleich nach 12 Uhr Nachts rasch höher zu
steigen, während der Wind plötzlich in sehr schneller Drehung von ESE durch
Süd und West nach NW herumging, schnell von 3 bis 9 an der Stärke zu-
aehmend. Inzwischen waren die Segel gegeit und auch festgomacht, so dass die
eigentliche aus NNE gleich daranf einsetzende Gewitterbö keinen Schaden mehr
anrichten konnte. Die Gewalt dieser Bö war momentan über alles Erwarten
\ S. „Ann, d. Hydr. ete.“ 1877, pag. 608 und 612: 1878, nae. 12. 13. 95. 908.