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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

3Q1 
Ueber die Gelbfieber- Erkrankungen auf dem Deutschen Handels- 
schiffen in Rio de Janeiro. 
Seit Beginn dieses Jahres ist in Rio de Janeiro eine Gelbfieber-Epidemie 
ausgebrochen, welche an Ausdehnung die berüchtigte Epidemie des Jahres 1876 
noch zu überbieten droht; vom December v. J. bis Februar d. J. stieg die 
monatliche Zahl der Todesfälle von 54 auf 326. Regenmangel und ungewöhnlich 
grosse Hitze — im Januar und Februar d. J. überschritt das Thermometer an 
18 Tagen 32°C — werden als begünstigende Umstände für die Verbreitung 
der Seuche bezeichnet. Die ersten Sterbefälle zeigten sich auch diesmal in 
derselben berüchtigten Stadtgegend, wie früher; die Bemannungen der im Hafen 
liegenden fremden Schiffe hatten, wie gewöhnlich, ausserordentlich unter der 
Epidemie zu leiden. 
Insbesondere war die Sterblichkeit auf den deutschen Schiffen grösser, 
als auf denen anderer Nationen; denn während die totale Sterblichkeit nur 
17% betrug, berechnete sie sich hinsichtlich der deutschen Nationalität auf 
23°; nur hinsichtlich der englischen Seeleute stieg sie noch etwas höher, — 
nämlich auf über 24%. 
Was im Speciellen die Betheiligung der deutschen Handelsflotte betrifft, 
so starben von einer Mannschaft von 2068 Personen auf 73 Schiffen 38, — davon 
29 Deutsche (26 im Marinchospital Santa Izabel und 3 in anderen Hospitälern) 
und 9 Fremde. Dies entspricht einem Procentsatz von 1,85 in etwas mehr als 
3 Monaten oder 6,75 in einem Jahre. Um aber die Höhe der Sterblichkeit 
auf den deutschen Schiffen in ihrer ungewöhnlichen Ausdehnung zu begreifen, 
muss hervorgehoben werden, dass unter den 73 Schiffen 26 Dampfer mit 
1700 Mann Besatzung sich befanden, die immer nur auf sehr kurze Zeit im 
Hafen und dann nur in dessen günstigster Gegend ankerten. Von diesen 
1700 Mann ist nur ein Einziger gestorben, der wegen einer Verwundung in das 
Hospital aufgenommen und dort vom Gelbfieber ergriffen wurde, 
Somit starben auf 47 Segelschiffen mit 368 Mann Besatzung in 99 Tagen 
38 Individuen, d. h, 10,3% o, oder auf das Jahr berechnet 38°%o, 
Ganz ausnahmsweise gross war die Sterblichkeit unter den Schiffsoffizieren, 
von denen nicht weniger als 7 Kapitäne und 5 Steuerleute dem Gelbfieber 
erlagen. 
5 Von zwei Schiffen, der Brigg ,, Wanderer“ (Heimathshafen Leer) und der 
Bark „Direktor Barrow“ (Heimathshafen Stralsund) starben kurz nach dem Tode 
der Kapitäne die hierauf neu ernannten Schiffsführer gleichfalls. 
Die früher verbreitete Meinung, dass manche Schiffsladungen, besonders 
Kohlen und Salz, die Entwickelung der Kraukheit begünstigten, andere, wie 
getrocknetes Fleisch, davor schützten, bestätigte sich diesmal nicht; im Gegen- 
theil wurden alle Ladungen mehr oder weniger ergriffen. 
Die Gründe anzugeben, welche die schweren Verluste der Deutschen 
Flagge verursacht haben, ist nicht leicht. 
Die Aerzte des Marinehospitals klagten vielfach über verspätete KEin- 
lieferung der Kranken durch die deutschen Kapitäne; von der Sanitätsbehörde 
ist jetzt hierauf eine Strafe von 100 Milreis gesetzt worden. 
Andererseits wird angeführt, dass die meisten deutschen Schiffe, und 
vorzüglich die von den westlichen Häfen der Nordsee stammenden, hinsichtlich 
der Logis für Mannschaft und Officiere durchaus nicht für tropische Klimate 
gebaut scien; oft befänden sich die Schlafstellen für Mannschaften wie für 
Offiziere kaum 0,63m oder 24 Zoll unter dem glühenden Deck, so dass ein Auf- 
enthalt darin selbst während der Nacht nicht möglich sei und die Leute sich 
aur zu häufig dem gefährdenden Thau und der Nachtluft aussetzten. 
Vielfach wurde bemerkt, dass auf den Schiffen, wenigstens auf dem für 
die Mannschaft reservirten Theile des Verdecks, trotz des  Sonnenbrandes 
Sonnensegel nicht angebracht wurden. Hierzu tritt noch bei Mangel an 
Waschungen die der Hitze nicht entsprechende Schiffskost, der oft überreichliche 
Genuss von Getränken und die für das Klima meist ungeeignete Kleidung der 
Matrosen (schweres Winterzeug mit dicken Flanellhemden und Tuchhosen ete.), 
wodurch unmässige Transpiration erzengt wird.
	        
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