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Osten zu segeln. Hier tral die Bark aber keine ganz günstigen Windverhält-
nisse; au verschiedenen Tagen wehten Ostwinde, ausserdem wuren die West-
winde, welche zeitweilig zum Sturmec zunahmep, zu anderen Zeiton wieder
unerwünscht flau. So war der 10. September herangekommen, ehe man die
Insel Amsterdam erblicken und der 11. September, bevor man den Meridian
von 80° O-Lg in 36° S-Br erreichen konnte. 28 Tage waren erforderlich ge-
wesen, um vom Meridian von Greenw. nach jener Länge zu segeln.
Jetzt nördlicher steuernd, der Zone des SE-Passats entgegen, wurde der
„Ferdinand Brumm“ zwar anfangs noch von südwestlichen Winden begünstigt;
nördlich von 32° S-Br hörten dieselben jedoch zu wehen auf, östlichen, aber
vorherrschend unbeständigen und leichten Winden Platz machend. In 25° S-Br
und 104,5° O-Lg fand man am 28. September ungestümes Wetter, mit Böen
von Stärke 8, begleitet von äusserst heftigen clektrischen Entladungen. Man
beobachtete zur selben Zeit eine Luftdruckabnahme von etwa 1,5mm, auch wird
über hohe unregelmässig laufende See berichtet.
Nachdem die Witterung besser geworden war, herrschte am nächsten
Tage noch Stile und leichter Zug, bis sich in 24,3° S-Br und 104,7° O-Ly
endlich der SE-Passat einstellte, der das Schiff am 5. Oktober zum südlichen
Eingange der Sunda - Strasse führte. Es hatte dio Reise vom Kanal ab bis
Java Head cine Dauer von 115 Tagen.
Die Java-Sce durchsegelte man mit ganz leichten Winden aus südsüdwest-
licher und südöstlicher Richtung; am 10. Oktober wurde durch die Bunka-Strasse
zesteuert und am 12, Oktober in 105,3° O-Lg der Acquator überschritten.
Strömungen waren bis so weit, seitdem die Sunda - Strasse verlassen worden
war, kaum gefunden.
Im Gegensatz zum „Marco Polo“, welcher Ende September, also etwa
vier Wochen früher, durch diesen Theil der China-See nach Norden steuerte
und damals keine Spur von südwestlichem Monsun mehr antraf, wurde der
„Ferdinand Brumm“ bis nach 8° N-Br hin noch von zwar leichten, aber doch
beständigen südwestlichen Winden begünstigt, hatte dafür aber auch, was anf
der Reise des „Marco Polo“ nicht der Fall war, gegen starken südlichen Strom
zu kämpfen; an einem Tage wurde das Schiff 48 Sm nach Süd hin versetzt.
Inu 8,4° N-Br und 109,6° O-Lg erhielt man am 21. Oktober den NE-Monsuu,
und da derselbe recht frisch einsetzte, auch das Aufhören der südlichen Strö-
mung nun sicherlich nicht zu erwarten war, entschloss sich Kapt. Voss, naclı
SO zu steuern, um die sogenannte Palawan- Passage aufzusuchen. Aber auch
dort traf die Bark nur ungünstige Windverhältnisse; in der Nähe des Landes
war der Wind vorherrschend so leicht, dass mit demselben wenig zu gewinnen
war. Am 2. November wurde die Insel Palawan gesohen, an 7. November
kreuzte man 10° N-Br in 117,7° O-Lg; noch immer war der Wind anhaltend flau,
die beobachtete Strömung zwar nicht bedeutend, aber in der Richtung immer
entgegen setzend. Am 19. November hatte sich der „Ferdinand Brumm*“ nach
17,6° N-Br in 120,4° O-Lg aufgearbeitet, als iln hier die volle Kraft des am
Kap Bojeador, der NW-Spitze Luzon’s, vorbeiwchenden NE-Monsuns traf. Er
wehte anfänglich sturmartig, so dass nur die Untermarssegel geführt werden
konnten; doch liess die Stärke des Windes, so bald man weiter von Land ab-
kam, allmählich nach, auch wurde die Richtung östlicher. Es konnten bald
mehr Sogel geführt, auch ein nördlicherer Kurs cingehalten werden, und am
25. November gelangte der „Ferdinand Brumm“ zu einem sicheren Ankerplatz
auf der Rhede von Hongkong, 59 Tage, nachdem die Sunda-Strasse verlassen,
and 168 Tage, nachdem Lizard passirt war.