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Maasse geltend machte, die Reise hier in ziemlich befriedigender Weise ge-
fördert werden. Am 18. Februar, dem 58. Tage der Reise, gelangte die Bark
in 16,2° O-Lg wieder nördlich von der Breite der Kapstadt und erreichte schon
am nächsten Tage in 31,2° S-Br und 11° O-Lg die südliche Grenze des
SE-Passats.
In Folge des ziemlich westlichen Kurses, welchen Kapt. Vorsatz ver-
folgte, sichtete man weder St. Helena noch Ascension; es wurde 20° S-Br in
6° W-Lg am 27. Februar, 10° S-Br in 16,8° W-Lg am 5. März gekreuzt, und
am 11. März gelangte man in 24,8° W-Lg zum Aequator. Es waren 22 Tage
verflossen, seitdem man den Meridian des Kap der guten Hoffnung passirt hatte.
In der Näho der Livie beobachtete man die Acquaßorialströmung in ziemlicher
Stärke; an zwei Tagen wurde die Schnelligkeit derselben mit je 35 Sm ge-
messen.
Ohne dass beim Uebergange vom Gebiete des SE- in das des NE-Passats
das Schiff durch Windstillen oder Mallung in seinem Fortgange aufgehalten
worden wäre, stellte sich in 3,4° N-Br und 26° W-Lg der NE-Wind ein; von
Jer SE-Richtung sprang der Wind plötzlich um nach NE. Auch dieser wehte
in erwünschter Stärke und führte den „F. H. Drews“ nach 10° N-Br in 32,5°
W-Lg am 16. März und nach 20° N-Br in 37,5° W-Lg am 20. März. In
26° N-Br und 37° W-Lg lag am 23. März die Polargrenze des Passats; der
Wind änderte sich hier nach SE und lief später durch Süd nach SW. Aber
auch in diesem letzteren Viertel hielt cr nicht lange Stand, vielmehr fand man
nördlich von 30° N-Br noch wieder längere Zeit hindurch östliche Winde vor-
herrschend. Da indessen die Windrichtung häufig südlich von Ost lag, auch
die Stärke nur mässig war, so war sie der Weiterreise doch nicht allzu
hinderlich.
Am 30. März erblickte man die Inseln Fayal und Graciosa, fand aber auch
4ördlich von ihnen noch immer nicht die erwünschten westlichen Winde. Für
yanz kurze Zeit herrschte wohl einmal leichter Westwind, immer aber gewann
der Ostwind wieder die Oberhand. Erst am 13. April, als man sich bereits
auf den Ausseugründen vor dem Kanal befand, kam frischer südwestlicher
Wind durch, mit welchem am folgenden Tage nach einer Reise, deren Dauer
113 Tage betrug, die Rhede von Falmouth erreicht wurde.
i0. Reise der Bremer Bark „Elena“, Kapt. Johs. Steenken.
Am 13. December 1877 befand sich das nach New-York bestimmte
Bremer Schiff „Elena“ in Sicht der Insel Fair /sland; es hatte die Elbe-Mün-
dung an 9. December verlassen und der Kapitän, weil die gleich zu Anfang
angetroffenen Winde nicht günstig waren, um mit ihnen den Kanal erreichen
zu können, die Route nördlich um Schottland cingeschlagen. Auf dieser traf
das Schiff es aber nicht sehr günstig. Fast ununterbrochen wehten westliche
Stürme, und von Ostwinden, die man, auf Kapt. Neumann’s (s. „Ann. d. Hydr.“
1877, S. 534) Verheissung bauend, in den hohen Breiten zu dieser Jahreszeit
anzutreffen erwartete, fand man verhältnissmässig nur sehr wenig. Südwest-
liche Stürme trieben das Schiff in die hohe Breite von 61,3° N-Br in 5,7° W-Lg,
also bis in die Nähe der Faröe-Inseln; auch ganz über den Atlantischen Ocean
hinüber hielt die „Elena“ sich stets schr nördlich. Man kreuzte am 30. De-
cember den Meridian von 20° West in 56,9° N-Br und am 8. Januar 1878 den
von 40° W-Lg in 51,5° N-Br; in der Nähe von letzterer Länge wurde die
Bark wieder eine geraume Zeit durch harte NW-Stürme festgehalten. Am
16. Januar befand sich die „Elena“ in 48,3° N-Br und 49,2° W-Lg, nahe der
nördlichen Spitze der Neufundland-Bänke; am 22. Januar in 44,3° N-Br und
34,1° W-Lg südwestlich von denselben.
Der noch übrige Theil der Reise, welcher längs der nördlichen Grenze
des Golfstromes ausgeführt wurde, verlief dann in ziemlich befriedigender Weise;
die Stürme waren hier seltener und die Windverhältnisse im Ganzen günstiger.
Nur von der Kälte hatte die Mannschaft empfindlich zu leiden. Tagelang stand
das Thermometer unter dem Gefrierpunkt, einmal sank es sogar bis auf —6°C.
Am 3. Februar glückte es endlich, nach einer schr mühevollen Reise von
% Tagen, die Bucht von New- York zu erreichen,