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auf dieser Route angetroffenen Windverhältnisse waren nur mässig günstige.
Im Allgemeinen waren westliche Winde die bei weiten. vorherrschenden, jedoch
traf man auch mehrere Tage anhaltende Ustwinde und eben so häufig sehr
leichten Wind. Anhaltend stürmisches Wetter wurde gar nicht gefunden, im
Gegentheil hätten im Ganzen die Winde mit etwas grösserer Stärke wchen
können, um besseren Fortgang zu erzielen, Am 17. Juli gelangte die „Alsen“ in
85° O-Lg wieder nördlich von 40° S-Br, nachdem schon am 16. Juli in 41,5° S-Br
der Meridian von 80° O-Lg passirt worden war. Um vom Meridian von Green-
wich aus letztere Länge zu erreichen, hatte man also 21 Tage gebraucht.
Von nordwestlichen Winden, die nördlich von 40° S-Br anhaltend wehten,
wurde die „Alsen“ am 23. Juli nach 30° S-Br in 102° O-Lg geführt; dieser
Wind änderte sich erst, als man nördlich von 25° S-Br gekommen war; dort
frischte er wieder auf und lief in kurzer Zeit durch West nach Süd, später
sogar nach SE um. Es war damit das Gebiet des Passats erreicht.
Im Verlaufe weniger Tage führte derselbe das Schiff ans Ziel; am
31. Juli wurde Java Head erblickt, am 1. August die Sunda- Strasse passirt
und am 2. August auf der Rhede von Anjer geankert. Die Reise von Rio de
Janeiro ab hatte bis hierher eine Dauer von 53 Tagen,
Von Anjer segelte die Bark, Batavia und Samarang vorher anlaufend,
nach einem Platze Namens Panarockan; dort wurde das Schiff mit Zucker be-
laden und verliess, nachdem man Batavia und Anjer abermals angelaufen hatte,
am 30. Oktober die Rhede des letzteren Platzes, um die Rückreise nach Zuropa
anzutreten. Am 1. November befand sich die Bark frei von der Sunda-Strasse
im Iodischen Ocean, woselbst man sofort frischen SE)-Passat antraf, Nur öst-
lich von 82° Ost, welche Länge am 8. November in 17,3° S-Br gekreuzt wurde,
wehte der Passat in befriedigender Stärke; westlich von jenem Meridian
herrschten schr flaue, wenig beständige Winde vor. Auf der ganzen, zwischen
82° O-Lg und 68° O-Lg in 20° S-Br liegenden Strecke traf man keine Spur
von Passat, Die Fahrt wurde später abermals durch südöstlichen Wind be-
günstigt. Dieser Wind konnte aber nicht wohl mehr als Passat angesehen
werden. Wahrscheinlich würde Kapt. Gromsch günstigere Windverhältnisse
auf einer Route angetroffen haben, die sehon von Maury empfohlen und von
verschiedenen Kapitänen mit nachweisbarem Nutzen befolgt wurde. Dieselbe
führt in verhältnissmässig niederer Breite über den Indischen Ocean und schneidet
50° O-Lg in etwa 20° S-Br. Am 7. December kreuzte die „Alsen“, zur Zeit
von südöstlichem Winde begünstigt, 30° S-Br in 36,5° O-Lg; bald nachher
endete der günstige Wind, und jetzt folgte eine lange Zeit, während welcher
nur westliche Winde wehten. Dreimal hatte man einen schweren Sturm aus
dieser Richtung zu überstehen, jedesmal aber war derselbe nicht von langer
Dauer, und immer war er von einem verhältnissmässig hohen Luftdruck begleitet.
Die Versetzung durch die Agulhas-Strömung war nur an einem Tage bedeutend,
und zwar betrug dieselbe damals 55 Sm nach der Richtung SWzW; an den
auderen Tagen war dieselbe nur gering. Am 25. December wurde Kap Agulhas
erblickt, am 1. Januar 1878 erreichte man schliesslich in 11,9° O-Lg den Parallel
von 30° S-Br wieder, 25 Tage, nachdem man dieselbe Breite im Indischen
Ocean überschritten hatte.
Mit leichten südwestlichen Winden wurde jetzt nördlich gesteuert und
in dem Maasse, wie man in dieser Richtung weiter vorrückte, ging der Wind
auch nach und nach durch Süd nach SE in den Passat, dessen südliche Grenze
in 26,8° S-Br und 8° O-Lg zu liegen schien, über. In mässiger Stärke wehend,
führte dieser die Bark am 10. Januar in den Gesichtskreis der Insel St. Helena
und am 21. Januar zum Aequator, welcher in 23,9° W-Lg passirt wurde. In
20 Tagen hatte man also die Strecke des Südatlantischen Ocean von 30° S-Br
bis zur Linie durchsegelt.
Auf der nördlichen Halbkugel angelangt, verlor man den SE-Passat am
23. Januar in 2,3° N-Br und 25° W-Lg; es folgte eine kurze Zeit, während
deren leiser veränderlicher Zug und Windstille herrschte, bis man schon am
folgenden Tage in 2,7° N-Br und 25,5° W-Lg wieder in die Zone des NE-
Passats übertrat.
Hier wurde mit der Führung des meteorologischen Journals aufechört.