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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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2. Reise der Stettiner Bark „Amalie“, Kapt. F. Bööck. 
Die von Hamburg nach New-York bestimmte Stettiner Bark „Amalie“ 
passirte am 17. März 1875 Lizard, begünstigt von frischem Ostwind. Das 
Schiff schlug im Atlantischen Ocean die direkte Route nach dem Bestimmungs- 
hafen ein; auf derselben wurde es von den dort angetroffenen Winden sehr 
begünstigt. Wenn dieselben auch nicht beständig aus östlicher Richtung wehten, 
30 erlaubten sie doch, weil sie sich sehr oft nach Norden und Süden drehten, 
meist immer guten Fortgang nach Westen. Schon 12 Tage nachdem der Kanal 
verlassen worden war, kreuzte man 40° W-Lg in 45,9° N-Br und 4 Tage später 
am 1. April wurde die südliche Spitze der Bänke von Neufundland erreicht. 
An dem letzteren Tage kam die Bark, am südöstlichen Rande der Bänke in 
efwa 43,5° N-Br und 49° W-Lg, in die Nähe mehrerer Eisfelder und Eisberge; 
unter letzteren befand sich nach Kapt. Bööck’s Schätzung einer, dessen 
Höhe 70m betrug. Die Temperatur des Meeres sank, als man dem Kise nahe 
kam, von 10°C. auf den Gefrierpunkt. 
Westlich der Bänke, wo das Schiff durch anhaltenden nordöstlichen Wind 
noch entschiedener begünstigt wurde, hielt sich Kapt. Bööck stets ausserhalb 
des nördlichen Randes des Golfstromes und erreichte am 10. April den Hafen 
von New-York nach ciner Reise, deren Dauer vom Kanale ab nur 24 Tage 
betrug. 
Von New- York segelte „Amalie“ nach Richmond, nahm dort Ladung ein, 
welche nach Rio de Janeiro zu bringen war, und begann die Reise nach letzterem 
Platze am 7. Mai 1875. Von den, in diesem zunächst zu durchsegelnden Theile 
des Atlantischen Oceans im Sommer vorherrschend wehenden südwestlichen 
Winden begünstigt, war der Verlauf der Reise Anfangs ein recht befriedigender, 
Als man jedoch östlich von 60° W-Lg gelangte, wurde der Wind flau, hielt 
sich für längere Zeit im südöstlichen Quadranten und drängte das Schiff bis 
nach 38,5° N-Br, welche Breite es in 48,8° W-Lg am 19. Mai erreichte. Von 
diesem Zeitpunkte an traf man günstigere, vorzugsweise südwestliche Winde an, 
mit denen 30° N-Br in 37,0° W-Lg am 27. Mai gekreuzt werden konnte. Am 
30. Mai fand man in 27,7° N-Br und 35,8° W-Lg den NE-Passat, durch den 
dann voll und beim Winde steuernd nach Südost gehalten wurde. Am 8, Juni 
stand die „Amalie“ in 10° N-Br und 29° W-Lg; die Witterung war von diesem 
Zeitpunkte an regnerisch und böig, die Annäherung an den Stillengürtel an- 
deutend; der Wind wehte aber stetig aus ostnordöstlicher Richtung. In 2° N-Br 
und 28,9° W-Lyg erhielt man am 12. Juni Südwind, den Vorläufer des SE-Passats; 
mit diesem Winde wäre es, da das Schiff, in Anbetracht seiner Segeltüchtigkeit 
und der Jahreszeit, in dieser Breite reichlich weit westlich stand, am ge- 
rathensten gewesen, eine Zeitlang nach Osten überzustehen. Kapt. Bööck 
konnte freilich nicht voraussehen, wie es ihm ergehen würde, und handelte er 
nach bestem Ermessen, als er über St. B.-Bug beim Winde segelte, wobei dann 
am 16. Juni in 31,2° W-Lg der Aequator erreicht wurde, in dessen Nähe, wie 
im Monat Juni so häufig, der Passat ziemlich raum war. 
Sobald die „Amalie“ indessen weiter südwärts gelangte, lief der Wind 
sehr südlich, und bald schon versuchte Kapt. Bööck durch zeitweiliges Segeln 
über B. B.-Bug zu verhüten, zu weit nach Westen hin zu gerathen. Am 22. Juni 
orblickte man die Küste von Brasilien in der Nähe des Kap Roque und lief 
bis auf eine Entfernung von etwa 7Sm an dieselbe hinan. Der Wind war 
fortgesetzt so schral, dass man gezwungen war zu wenden, und nun folgte eine 
unangenehme Zeit. Am gerathensten würde es jetzt wahrscheinlich gewesen 
sein, in der Nähe des Landes zu versuchen nach Süden zu kreuzen. Kapitän 
Bööck zog indessen vor, längere Zeit hindurch nach Osten überzuliegen, so 
dass die „Amalie“ am 1. Juli wieder in 2,7° S-Br und 31,5° W-Lg stand, wo 
yewendet und südwärts gesegelt wurde. Am 11. Juli war der Mittagsort 
5,9° S-Br und 30,8° W-Lg, es waren somit bereits 25 Tage verflossen, seitdem 
man den Aequator überschritten hatte, Jetzt endlich gelang es, genügend weit 
von der Küste entfernt zu bleiben; man schnitt 10° S-Br in 33,4° W-Lg am 
14. Juli, 20° S-Br in 38,6° W-Lg am 25. Juli. und erreichte am 29, Juli die 
Bucht von Rio de Janeiro, nach einer Reise, deren Dauer nicht weniger als 
83 Tage betrug.
	        
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