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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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Jass eine beliebige zwischen o und w, gelegene Geschwindigkeit zu verschie- 
denen Zeiten in Tiefen auftritt, die sich verhalten wie die Quadratwurzeln aus 
den Zeiten. Ich habe die Formel benutzt um zu berechnen, nach wie langer 
Zeit ein Punkt in der Tiefe von 100m die halbe Geschwindigkeit der Ober- 
fläche, also %/e wo, erlangt. Der Reibungskoefficient des Meerwassers wurde 
nach 0. E. Meyer’s Bestimmungen zu 0,0144 angenommen, wobei Centimeter 
und Sekunde die zu Grunde liegenden Einheiten sind. Es ergab sich, dass 
239 Jahre nöthig sind, damit die Wassertheilchen in 100m Tiefe die halbe Ge- 
schwindigkeit der Oberfläche annehmen. Fragt man, nach wieviel Zeit ein 
Zehntel der Oberflächengeschwindigkeit so tief eingedrungen ist, so ergeben sich 
41 Jahre. Nach dem zuvor ausgesprochenen Satze werden in 10m Tiefe die- 
selben Geschwindigkeiten schon nach 2,39 bez. 0,41 Jahren erreicht, Bei 
einer zäheren Flüssigkeit würden die Zahlen kleiner ausfallen, 
Diese Zahlen sind sehr geeignet, einen Begriff von der Langsamkeit zu 
geben, womit sich Bewegungsänderungen in die Tiefe fortpflanzen, denn die 
für die Fortpflanzung einer bestimmten Oberflächenbewegung berechneten Zahlen 
gelten ebenso für das Eindringen einer Goeschwindigkeitsänderung von der 
Oberfläche her, deren Einfluss sich zu der früher vorhandenen Bewegung einfach 
addirt. Eine stationäre, linear mit der Tiefe an Geschwindigkeit abnehmende 
Strömung wird deshalb durch vorübergehend auf ihre Oberfläche einwirkende 
Geschwindigkeitsänderungen, wie z. B. durch Gegenwinde oder Stürme, mit 
Ausnahme der oberflächlichsten Schichten nur äusserst wenig alterirt werden. 
Es wird vielmehr an jedem tiefer gelegenen Punkte derselben eine mittlere, mit 
der Zeit nur sehr wenig veränderliche Geschwindigkeit herrschen, die durch 
die mittlere Geschwindigkeit an der Oberfläche bestimmt ist. Diese letztere 
Geschwindigkeit hat die Richtung der vorherrschenden Winde und nimmt mit 
ihrer Stärke ab und zu nach einem nicht näher festzustellenden Gesetze. 
Ist die Geschwindigkeit der Oberfläche mit der Zeit periodisch ver- 
änderlich, wie dies alle von Jahreszeiten und Tagesstunden abhängigen Winde 
sind, so wird, nachdem dieser periodische Zustand eine unendlich lange Zeit 
hindurch geherrscht hat, die Geschwindigkeit in jeder Tiefe eine periodische 
Funktion der Zeit von gleicher Periode, aber mit nach abwärts schnell ab- 
nehmender Amplitude der Veränderlichkeit und verzögertem Eintritt der Maxima 
und Minima. In einer Tiefe von 10m wird die Amplitude der jährlichen Os- 
cillation schon auf weniger als !/ss verringert; in 100m Tiefe wird sie ganz 
unmerklich; dort wird die Geschwindigkeit die dem stationären Zustand ent- 
sprechende, wenn der Oberfläche die mittlere jährliche Geschwindigkeit er- 
theilt wird, Wenn die Tiefen in arithmetischer Reihe abnehmen, so nehmen 
die Amplituden der Oseillation in geometrischer ab, der Art, dass in vier Tiefen 
%1, X2, As, Za, die in der Beziehung stehen: 
Da— 03 — Wa—C1, 
die Amplituden Dı, De, Ds, Da im Verhältniss stehn: 
Da: Ds = Da: Di. 
Je ein Maximum und das darauf folgende Minimum der jährlichen Osecillation 
finden sich gleichzeitig in einem Tiefenabstand von 11,9 m, 
Um eine Vorstellung von der Zeit zu geben, welche eine zur Zeit t= 0 
beginnende, konstant bleibende Oberflächengeschwindigkeit gebraucht, um den 
Zustand im Innern eines 4000 m tiefen, vorher ruhenden Oceans dem stationären 
entgegen zu führen, dienen folgende Zahlen. Nach 10000 Jahren herrscht in 
der halben Tiefe, also in x — 2000 m, erst die Geschwindigkeit 0,037 w,. Da 
nach der früher angegebenen Formel im stationären Zustand hier die Geschwin- 
digkeit 0,5 w, herrschen muss, so sieht man, wie weit nach 10000 Jahren. der 
Ocean noch vom stationären Zustand entfernt ist. Nach 100000 Jahren ist in 
der genannten Tiefe die Geschwindigkeit schon — 0,461 w,, also dem definitiven 
Werthe schon sehr nahe. Nach 200000 Jahren weicht sie nur noch in der 
dritten Decimalstelle um zwei Einheiten davon ab. ; 
Unter den mitgetheilten Resultaten sind namentlich zwei hervorzuheben, 
die den bisher vorherrschenden Anschauungen mehr oder weniger widersprechen. 
Erstens, dass die von einer unyeränderlichen Oberflächengyeschwindigkeit her-
	        
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