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Erklärung der in den Witterungs-Berichten und Witterungs-
Aussichten der Seewarte angewandten Ausdrücke.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
In den fast 2!/2 Jahren, die verflossen sind, seitdem die Seewarte die
tägliche Berichterstattung über die Witterung übernommen, hat sich das Be-
dürfniss nach einer genauen Festlegung und Krklärung der in den Wetter-
berichten gebrauchten Ausdrücke immer mehr herausgestellt; namentlich erscheint
dieses Bedürfniss dringend für die täglichen Wetterprognosen, welche die See-
warte seit dem September 1876 veröffentlicht und zu deren praktischen Ver-
worthung die richtige Auffassung der in denselben gebrauchten Ausdrücke
durchaus nothwendig ist. Bei der verhältnissmässigen Neuheit der praktischen
Witterungskunde ist es sehr erklärlich, dass das Publikum in vielen Fällen den
Sinn der Prognosen und die bei denselben in Anwendung gebrachte Ausdrucks-
weise nicht vollständig oder überhaupt nicht richtig auffasst; eine absolut foste
Terminologie, welche nach allen Richtungen hin klar und bestimmt definirt
werden könnte, lässt sich heute kaum noch aufstellen. Eine nicht unwesentliche
Schwierigkeit bei der Wahl der Ausdrücke besteht auch in der Nothwendigkeit, eine
gewisse Unsicherheit des Ausdrucks, welche sogar als Zweideutigkeit aufgefasst
werden könnte, zu vermeiden unter gleichzeitiger Gewährung der der Sachlage
nach nothwendigen Weite für den Ausdruck, und ohne durch allzu specificirte
und eng umschriebene Ausdrucksweisen das Publikum über das Maass der
Sicherheit, welches die Prognose besitzt, irre zu führen oder durch deren
häufiges Nichteintreffen den Werth der letzteren zu vernichten. Ein Versuch
mit Rücksicht darauf etwas Fruchtbringendes zu schaffen, lässt sich nur dann
mit Aussicht auf Erfolg unternehmen, wenn sich die aufgestellte Terminologie
aus der Praxis heraus gestaltet hat; nur durch die Uebung in der Witterungs-
prognose vermag man das Bestehen des Bedürfnisses zu erkennen und die
richtigen Wege zu finden, um demselben zu entsprechen. In dieser Ueber-
zeugung musste die Seewarte bisher davon Abstand nehmen, das Resultat ihrer
dahin gehenden Bestrebungen dem grossen Publikum darzulegen, und muss auch
jetzt der erste Versuch einer Definirung der zur Anwendung gebrachten Aus-
drücke damit eingeleitet werden, dass hervorgehoben wird, wie sich die auf-
gestellte Terminologie durch fernere Erfahrungen stets weiter ausbilden, klären
und sicherer gestalten wird.
Die Witterungsprognosen der Seewarte erstrecken sich gegenwärtig
vorzugsweise auf die einzelnen, die Witterung bildenden Faktoren oder Elemente,
Es werden Druckvertheilung, Windrichtung und Windstärke, Temperatur, Be-
wölkung und Niederschläge in Bezug auf ihre Gestaltung, beziehungsweise Ver-
änderung, mit einem gewissen Grade von Wahrscheinlichkeit vorher bestimmt,
und zwar ist dieser Grad von Wahrscheinlichkeit heute schon so beträchtlich,
dass daraus für die einzelnen Zweige des praktischen Berufslebens erheblicher
Nutzen gezogen werden kann. So lässt sich beispielsweise mit Beziehung auf
die Temperatur ein Procentsatz von 80 zutreffenden Prognosen erzielen, für
Windrichtung und -Stärke ein solcher von etwa 85. Allein es ist einleuchtend,
dass für das Zusammen-Eintreten der zutreffenden Einzel-Prognosen die Wahr-
scheinlichkeit bereits merklich geringer ist; umsomehr ist es bei der unklaren
Auffassung der Prognosen für die einzelnen Elemente ein häufiger Fall, dass
auch bei wirklichem Eintreffen der Mehrzahl von diesen letzteren der Gesammt-
charakter der Witterung von demjenigen, welchen das Publikum aus der Wetter-
prognose der Seewarte abzuleiten geneigt ist, verschieden ist.
Ein anderer Gesichtspunkt, welcher bei dem Studium der im Nach-
folgenden gegebenen Erklärung der Ausdrücke für Witterungszustände nicht aus
dem Auge verloren werden darf, ist der, dass die betreffende Terminologie in
erster Linie für die Witterungsprognosen der Seewarte bestimmt ist; diese aber
haben sich möglichst allgemein zu halten und über das ganze Gebiet des
Deutschen Reichs zu erstrecken, weshalb die zu erwartende Gestaltung der
Witterung nur in grossen Zügen gegeben werden kann, ohne auf eine Lokal-
Prognose, welche einer weiteren Entwickelung der praktischen Witterungskunde
vorbehalten bleiben muss, einzugehen. Dadurch aber muss, wie leicht einzu-
sehen ist, einigen Ausdrücken, welche für die Prognose dieser Art bestimmt
3zind, ein entsprechend allgemein gehaltener Charakter verliehen werden.