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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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Am 16. Februar schnitt der „Papa“ den Parallel von 30° N-Br in 41,0° 
W-Lg. Auf dem ferneren Theil der Reise, welcher westwärts der Azoren nach 
Norden führte, erlebte man an mehreren Tagen heftige Stürme aus südlicher 
und westlicher Richtung, welche Kapt. Bannau in einem Falle sogar nöthigten, 
das Schiff beizudrehen. Die Luftdruckabnahme bei diesen Stürmen war nicht 
bedeutend, der geringste angegebene Stand war 757,3 mm. 
Am 1. März erreichte die Bark den englischen Kanal und am 5. März, 
nach einer Reise, deren ganze Dauer 110 Tage betrug, langte dieselbe auf der 
Elbe an. 
3. Reise des Bremer Schiffes „Humboldt“, Kapt. 6. Cornelius. 
Kapt. Cornelius trat mit dem von ihm geführten Schiffe „Humboldt“ 
im Anfange des November 1877 von der Weser aus eine Reise nach New- York 
an. Am 4. November, an welchem Tage mit der Führung des meteorologischen 
Journals begonnen wurde, befand sich das Schiff in der Nähe des Borkum- 
Feuerschiffes, gegen stürmische südwestliche Winde nach Westen aufkreuzend, 
Bin schneller Fortgang der Reise war unter diesen Umständen nicht möglich, 
and es bedurfte einer langen mühevollen Zeit von 27 Tagen, um gegen die fast 
unausgesetzt wehenden Weststürme durch Nordsee und Kanal zu gelangen. Es 
war schon der 1. December herangekommen, als das Schiff erst in 48,1° N-Br und 
8° W-Lg stand und Kapt. Cornelius sich hier entschloss, um jeden Preis nach 
Süden abzuhalten und die Route durch den Passat einzuschlagen, eine Wahl, 
die, wie der Erfolg zeigte, er keine Ursache hatte zu bereuen. 
Man schnitt 40° N-Br in 15,0° W-Lg am 5. December und 30° N-Br in 
24,6° W-Lg am 10. December; schon in 31° N-Br und 23° W-Lg, in Anbetracht 
der Jahreszeit sehr weit nördlich, erhielt man anscheinend den Passat, welcher, 
Frisch und anfänglich ganz ungestört wehend, das leicht geladene, in diesem 
Zustande für die Passatfahrt gut geeignete Schiff schnell nach Westen brachte. 
Am 15. December wurde der Meridian von 40° W-Lg in 283,6° N-Br, am 
21. December der von 60° W-Lg in 23° N-Br erreicht. Am 19. December, in 
21,5° N-Br und 49° W-Lg erlitt der ganz flau gewordene Passat eine Unter- 
brechung; der Wind lief hier rechtdrehend durch alle Striche des Kompasses, 
begleitet von regnerischem Wetter und einer Luftdruckabnahme, die etwa 2mm 
betrug. Lange hielt indessen diese Unterbrechung nicht an, schon bald wehte 
wieder ausserordentlich frischer Passat. In 26,5° N-Br und 68° W-Lg verliess 
man am 24, December das Passatgebiet; am 26. December wurde in 72° W-Lg 
der Parallel von 30° N-Br wieder geschnitten, Das Schiff war 16 Tage südlich 
von letzterer Breite gewesen, und hatte in dieser Zeit 48° Länge, also täglich 
3° zurückgelegt. Gewiss ein sehr befriedigendes Resultat. 
Ehe der „Humboldt“ den Bestimmungshafen erreichen und den letzten, 
freilich noch sehr schwierigen Theil der Reise zurücklegen konnte, mussten 
noch zwei schwere Stürme ausgehalten werden. Der eine ereignete sich am 
letzten Tage des Jahres, als das Schiff sich in etwa 37° N-Br und 73° W-Lg 
befand; der Wind in diesem Sturme wehte aus der Richtung NE bis NW und 
erreichte die Stärke 11; der geringste beobachtete Luftdruck war 744,0mm. 
Es war dieses derselbe Sturm, welcher an der Küste von Nord-Carolina den 
Untergang des Dampfers „Metropolis“, bei dem 150 Menschen ihr Leben ver- 
loren, verursachte. Am 3. Januar 1878, einen Tag bevor der „Humboldt“ nach 
einer Reise von 61 Tagen in der Bucht von New-York ankerte, machte er 
dann noch den zweiten NW-Sturm durch, der jedoch nur von kurzer Dauer war. 
Es war dies einer jener harten Winterstürme der amerikanischen Küste, welche 
besonders durch die von ihnen herbeigeführte Kälte dem Seemanne so überaus 
beschwerlich werden. Das Quecksilber sank in diesem Falle auf 4° C unter 
den Gefrierpunkt. 
Kapt. Cornelius macht am Schlusse seiner Reise die Bemerkung, dass 
andere Bremer Schiffe, welche mit ihm zugleich von der Weser nach New- York 
segelten und die Route nördlich um Schottland einschlugen, die Reise bedeutend 
rascher zurücklegten, als der „Humboldt“. Er führt die „ Virginia“ mit 38 Tagen, 
den „St. Bernhard“ mit 45 Tagen und die „Magdalene“ mit 52 Tagen Reise- 
dauer an. Diese Bemerkung liefert einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, 
ob zur Winterzeit der Wex von der Nordsee durch den Kanal oder nördlich
	        
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