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Am 8. Juni erblickte man die Küste der Insel Mindoro, längs welcher
zegen schr leichte südliche Winde, die oft von Windstillen unterbrochen waren,
nach der Strasse von Mindoro und durch dieselbe gearbeitet wurde. Das
Weiterkommen war hier ausserordentlich schwierig; am 16. Juni befand sich
die „Amerika“ nahe bei der Insel Panay und am 21. Juni hatte man endlich
die SW-Spitze der Insel Negros erreicht, von wo aus vor dem jetzt frisch aus
züdwestlicher Richtung wehenden Winde nach dem Bestimmungsorte abgehalten
werden konnte; am 22, Juni nach 27tägiger Reise wurde derselbe schliesslich
orreicht. Kapt. von Holdt erwähnt noch, dass der dortige Lootse erst an
Bord kam, als das Schiff schon den Ankerplatz vor der Stadt erreicht hatte.
Nachdem die „Amerika“ hier mit 1000 Tonnen Zucker und 600 Tonnen
Manilahanf beladen war, wurde am 23, Juli die Rückreise nach Liverpool ange-
treten. Es war jetzt die Jahreszeit des vollen SW-Monsuns, zu welcher die
von Cebu ausgehenden Schiffe, wenigstens alle grösseren, keine andere Route
sinschlagen können, als die nordwärts zur Strasse von St. Bernhardino führende.
Auf dem Wege dahin wurden die Strömungen zwischen den verschiedenen
Inseln der Philippinen-Gruppe als sehr unregelmässig laufend beobachtet und
musste man, um das Schiff sicher zu führen, sorgfältig auf dieselben Acht geben.
Am 26. Juli passirte das Schiff die Bernhardino-Strasse und segelte dann mit
leichtem südwestlichem Winde in den Stillen Ocean ein.
Am 1. August hatte man in 7° N-Br und 130° O-Lg einen Sturm aus
züdwestlicher Richtung zu überstehen, welcher in Böen von Stärke 9 seine
grösste Heftigkeit erreichte. Auf der ganzen zwischen 7° bis 1° N-Br liegenden
Strecke traf man einen sehr starken nach Osten laufenden Strom an, welcher
während fünf auf einander folgender Tage nicht weniger als den Gesammtbetrag
von 190 Sm erreichte. Die Folge davon war, dass die „Amerika“ unerwünscht
weit nach Osten vertrieben wurde und man am 9, August die in 134° O-Lg
gelegenen St. Davids-Inseln sichtete. Ein auf denselben lebender, im Dienste
eines Hamburger Handlungshauses stehender Europäer kam von den Inseln an
Bord des Schiffes, um sich etwas Proviant einzutauschen,
In 1° N-Br schien die Grenze der Aequatorialgegenströmung zu liegen,
im Gegensatze zu ihr wurde südlich von jener Breite ein starker nach NW
laufender Strom angetroffen, der an mehreren Tagen eine Schnelligkeit von
140 Sm erreichte. Häufig wurden hier starke Stromkabbelungen beobachtet,
auch trieben im Wasser viele Schildkröten, Baumstämme und Anderes. Das
Schiff arbeitete sich zunächst jetzt wieder nach Westen hin, bis es in 129,5°
O0-Lg am 19. August die Linie schneiden konnte. Erst südlich derselben fand
man in 2° S-Br den südöstlichen, zu dieser Jahreszeit in der Molukken-See
herrschenden Monsun; durch ihn wurde der Fortgang nach Süden ziemlich leicht
gemacht, so dass die „Amerika“ am 28, August die Ombay-Passage erreichen
konnte. Schon am folgenden Tage, also 37 "Tage nachdem der Abgangshafen
verlassen worden war, befand man sich frei von den Sunda-Inseln und trat in
den Indischen Ocean ein.
Frischen SE-Passat, den man hier zu finden hoffte, traf man anfänglich
noch nicht an; die östlichen Winde wehten nur in mässiger Stärke. Erst westlich
von 93° O-Lg frischte der Wind auf und ermöglichte dadurch eine raschere Fahrt;
am 18, September kreuzte man in 19,5° S-Br den Meridian von 80° O-Lg und
am 26. September in 23,8° S-Br den von 60° O-Lg. Hier an letzterem Orte
schien zur Zeit auch die Grenze des SE-Passates zu liegen; der Wind wurde
nördlich und beschrieb dann im Laufe der nächsten Wochen mehrere Um-
drehungen durch alle Striche der Rose, wie sie den, an die Passatregionen
grenzenden polaren Gebieten der veränderlichen Winde eigenthümlich zu sein
scheinen. Das Schiff machte dabei ziemlich befriedigend Fortgang nach Westen,
denn die Winde wehten nicht übermässig stark und hielten sich in den umn-
günstigen Kompass-Strichen nicht allzulange auf,
Am 10, Oktober stand die „Amerika“ in 32,8° S-Br und 30,9° O-Lg etwa
in 60 Sm Entfernung von der südöstlichen Spitze Afrika’s; hier wurden am
folgenden Tage in 28,5° O-Lg die ersten günstigen Versetzungen durch die
Agulhas-Strömung bemerkt; in zwei Etmalen betrugen dieselben nach der Rich-
tung SWzZW 140 Sm.