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Kapt. von Holdt dann Kurs nach der Sunda-Strasse steuern. Als man am
12. März in 102,7° O-Lg nördlich vom Parallel von 10° S-Br gelangte, hatte
dort zur Zeit auch der SE-Passat seine nördliche Grenze und an den nächsten
beiden Tagen herrschte Mallung und Windstille von regnerischem, böigem Wetter
begleitet; es fand hier der Uebergang aus dem Gobiete des SE-Passats in die
Zone des NW-Monsuns statt. In 8,8° S-Br erreichte man die letztere und fand
dort gleich ziemlich frischen Wind.
Am 15. März kamen die hohen Berge von Sumatra in Sicht und am
selben Tage erblickte man auch schon Java Head; am 17. März ankerte das
Schiff auf der Rhede von Anjer nach einer Reise, die von Cardiff ab eine Dauer
von 115 Tagen katte.
Am 18. März wurde wieder Anker gelichtet und die Reise nach Hongkong
fortgesetzt; es wurde der Kurs auf die Gaspar-Strasse gerichtet. In der Java-
See, wo man einen beständigen leichten südöstlichen Strom beobachtete, wurden
sehr leichte, unbeständige, oft von leichten Böen oder Windstillen unter-
brochene Winde gefunden. Es musste sehr oft geankert werden, um durch die
Strömung das nicht wieder zu verlieren, was mühevoll aufgekreuzt war, Und
so jede, auch die geringste Gelegenheit benutzend, war es möglich, nach
9 Tagen von Anjer die Gaspar-Strasse zu passiren.
Unter den gegebenen, nicht günstigen Umständen, war dies eine ganz
zufriedenstellende Leistung; von hier ab traf man aber die Gelegenheit noch
ungünstiger, so dass an verschiedenen Tagen mehrere Male geankert werden
musste, um nicht ganz zurückzutreiben. Noch immer herrschte der ganz leichte
nordwestliche Luftzug, nur selten wehte während einiger Stunden in einer Bö, die
von SE überkam, günstiger Wind. Dazu war die Richtung der Strömung fort-
gesetzt südöstlich, oft mit einer stündlichen Stärke von 1—1'% Sm; erst als
man den Aequator überschritten hatte, wurde derselbe schwächer und änderte
seine Richtung zu einer südwestlichen.
Am 12. April, als die „Amerika“ sich in 1,3° N-Br und 107,9° O-Lg befand,
erhielt das Schiff zuerst: den NE-Monsun, mit dem der Strom wieder stärker
wurde und eine noch westlichere Richtung annahm. Kapt. von Holdt bemühte
sich so viel er konnte, sich gegen denselben zu halten, um nicht zu weit nach
Westen hin zu vertreiben. Das hielt oft schwer, bis am 17. April 4° N-Br in
107,2° O-Lg erreicht war, wo alle Umstände günstiger wurden; der Wind zog
sich dort mehr nach Osten, später, als 10° N-Br passirt war, sogar nach SE,
womit auch der Gegenstrom sein Ende fand und sogar eine günstige, nach
Norden laufende Strömung an seine Stelle trat.
Am 1, Mai war es gelungen, in die Nähe des Bestimmungshafens zu ge-
langen; man erhielt an diesem Tage einen Lootsen und erreichte auch noch
ylücklich die Rhede von Hongkong, 44 Tage nach dem Abgange von Anjer und
159 Tage, nachdem man Cardiff verlassen hatte. Kapt. von Holdt bemerkt
zum Schlusse, dass trotz alledem seine Reise die beste der in letzter Zeit von
Europa nach Hongkong zurückgelegten gewesen sei und dass nach Hongkong be-
stimmte Schiffe, welche Anjer 14 Tage vor ihm verliessen, bei seiner dortigen
Ankunft den Hafen noch nicht erreicht hatten.
In Hongkong fand sich für die „Amerika“ keine Ladung; das Schiff ver-
liess diesen Platz daher am 26. Mai in Ballast, um nach dem Hafen von Zebu,
auf der gleichnamigen, zu den Philippinen gehörenden Insel zu versegeln, An
den ersten beiden Tagen der Reise dorthin traf man frischen östlichen Wind,
mit welchem, beim Winde segelnd, nach Süden gehalten wurde. In 16,7° N-Br
und 116° O-Lg angelangt, hörte der östliche Wind zu wehen auf; die Witterung
wurde regnerisch, hoher südlicher Seegang machte sich bemerkbar und dem
Anscheine nach wollte der SW-Monsun einsetzen. Bald kam auch Wind aus süd-
westlicher Richtung durch und zwar in solcher Stärke, begleitet von heftigen
Gewitterböen, dass man vermuthen konnte, dass das Schiff sich in der Nähe
eines Teifuns befände. Dies war indessen nicht der Fall, der Wind nahm all-
mählich an Kraft ab, Hlef südlicher und schliesslich herrschte Windstille. Als
diese endete und wieder Wind durchkam, war derselbe aus östlicher, anstatt
wie man hätte erwarten können, aus westlicher Richtung; zudem war er anhaltend
sehr flau und unbeständig, so dass der Fortgang der Reise nur ein langsamer
sein konnte,
Ann. d. Hydr.. 1878, Heft Y (Mail.