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l. Reise des Hamburger Schiffes „Amerika“, Kapt. J. J. von Holdt,
Von Cardiff aus trat im November des Jahres 1876 das Hamburger
Schiff „Amerika“ eine Reise nach Hongkong an; es war mit Kohlen schwer be-
laden und in solchem Zustande nicht gerade in der günstigsten Weise vorbe-
reitet, das schwere Wetter, welches gleich zu Anfang der Reise angetroffen
wurde, ohne beträchtlichen Schaden zu überstehen. Besonders während der
Tage vom 29. November bis zum 4. December, welche das Schiff in etwa 45°
N-Br und 14° W-Lg zubrachte, wüthete fast ununterbrochen ein Sturm aus SW
von orkanartiger Stärke. Das Schiff litt schwer darunter, verlor verschiedene
Segel und bekam dadurch, dass die Ladung im Raume überging, auch eine
starke Schlagseite. Der geringste Luftdruck, welcher während jener Tage
beobachtet wurde, war 734,0 mm. Erst am 7. December fand man Winde von
mässigerer Stärke, auch wehten dieselben aus einer mehr nördlichen Richtung
und ermöglichten dadurch befriedigenderen Fortgang nach Süden. Der Parallel
von 40° N-Br konnte am 10. December in 15,2° W-Lg und der von 30° N-Br
am 14, December in 19,4° W-Lg gekreuzt werden. Der bis dahin westliche
Wind veränderte rechtdrehend ganz allmählich durch N nach NE und ging in
den Passat über, dessen nördliche Grenze am 16. December in etwa 26,3° N-Br
und 20° W-Lg zu liegen schien. Längs dieses letzteren Meridianes schlug Kapt.
von Holdt den Weg, welcher östlich der Kap Verde’schen Inseln nach Süden
führt, ein und schnitt auf demselben 20° N-Br in 20,3° W-Lg am 19. December
und 10° N-Br in 21,3° W-Lg am 23. December. Am 25. December in 6,6°
N-Br und 21,7° W-Lg fand der bis dahin frisch und beständig wehende Passat
sein Ende, Hier erreichte das Schiff den Stillengürtel, in welchem es durch
Stillen und Mallung nicht weniger als 10 Tage zurückgehalten wurde; erst am
4. Januar 1877 gelang es, in 1,2° N-Br und 23,7° W-Lg den SE-Passat anzu-
treffen und am folgenden Tage, dem 44. seit dem Verlassen des Bristol-Kanals,
in 26° W-Lg den Aequator zu passiren.
Im Stillengürtel war die Strömung unregelmässig gewesen, es wurde 80-
wohl östliche wie westliche Versetzung beobachtet, beide jedoch waren von
keiner grossen Stärke. Auch die später angetroffene Aequatorialströmung lief
aur mit mässiger Schnelligkeit und betrug im Mittel etwa 1 Sm stündlich,
Im Südlichen Atlantischen Ocean gelangte die „Amerika“ nach 10° S-Br in
30,1° W-Lg am 10. Januar, nach 20° S-Br in 28,8° W-Lg am 14. Januar, an
welchem Tage man auch die Insel Zrinidad erblickte, und nach 30° S-Br in
24,3° W-Lg am 21. Januar. In 23° S-Br schien die Grenze des SE-Passats zu
liegen; der Wind nahm dort fast bis zur Stille ab und als nach Verlauf von
einigen Tagen wieder frischere Brise durchkam, wehte dieselbe Anfangs aus
einer nordöstlichen, später nordnordwestlichen Richtung. Begünstigt von diesem
Winde war der Fortgang der Reise nun ein besserer, so dass am 27. Tage
nach dem Passiren der Linie in 39,6° S-Br der Meridian von Greenwich ge-
schnitten wurde.
Kapt. von Holdt hielt sich eben südlich von 40° S-Br und lief in dieser
Breite seine Länge ab. Die hier angetroffenen Windverhältnisse waren im All-
gemeinen günstig, es wehten zwar an einigen Tagen östliche Winde, doch
hielten diese nicht lange an und machten bald wieder westlichen Winden Platz.
Zwei schwere Stürme aus westlicher Richtung waren zu überstehen, die indessen
beide nicht so heftig waren, dass das Schiff nicht bequem vor denselben lenzen
konnte. Zu verschiedenen Malen beobachtete man ziemlich bedeutende
Schwankungen in der Temperatur des Meerwassers. Die bedeutendste fand
statt in etwa 17° O-Lg, wo wahrscheinlich die nach Süden abgedrängten
Wassermassen der Agulhas-Strömung die Ursache waren, dass die Temperatur
des Meerwassers eine Zeitlang um 5° C. höher stand, als in geringer Entfernung
davon. Am 22. Februar erblickte man die Insel St. Paul und am folgenden
Tage wurde in 39° S-Br der Meridian von 80° O-Lg gekreuzt, 22 Tage später
als man von West- in Ostlänge übergetreien war.
Schon an jenem Orte hörten die westlichen Winde auf zu wehen, es kam
südöstlicher Wind durch, der zwar anfänglich noch sehr flau und unbeständig
war, allein doch ohne weitere Unterbrechung zum Passat wurde. Als man 833°
S3-Br in 91.8° O-Lg erreicht hatte. frischte der östliche Wind auf, mit ihm liess