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Wetter und mit günstigem Winde in nur 18% Tagen zurückgelegt hatte, wur-
den u. A. zwei heftige Gewitter (in der Nacht vom 30. zum 31. December 1877
in ca. 30° S-Br und 45° W-Lg, wobei der Himmel zuweilen einem auf- und ab-
wogenden Feuermeer glich, und vom 3. zum 4. Januar 1878 in ca. 33° S-Br
und 1,8° W-Lg) und am 5. Januar vor der Mündung; des La Plata ungewöhnlich
starkes Meerleuchten beobachtet,
Dem Berichte des Kommandanten S, M. S. „Ariadne“, Korv.-Kapt. von
Werner, über die Fahrt dieses Schiffes durch die Magellan-Strasse vom 14.
bis 24. Januar 1878 entnehmen wir im Auszuge Folgendes.
Am 14. Januar 1878, 5'/* p. m., kam Kap Vergins in Sicht und um 8!/ah
p. m. wurde die Sarmiento-Bank südlich von Kap FVirgins passirt und Abends
11 Uhr vor Dungeness geankert. Am Morgen des anderen Tages (15. Januar)
segelte die „Ariadne“ nach Punta Arenas und blieb dort bis zum 17. Januar, um
Holz zu fällen und zu laden, Um 1% a, m. verliess sie Punta Arenas und
passirte Abends 7 Uhr Port Angosto, um, wenn auch Sholl-Bay nicht mehr zu
erreichen war, doch noch mit Leichtigkeit in Port Tamar oder Port Churucca
einlaufen zu können. Gegen 7'/a* wurde es jedoch draussen so dick, dass das
Schiff umkehren musste, um die Nacht in Port Anrzgosto zu verbringen. Hier
wurde die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwer ist, den richtigen Eingang
zu diesem Hafen zu finden, da die in der Segelanweisung angegebenen Marken
nicht vorhanden, beziehungsweise kaum zu finden sind. Der ausserhalb der
Bucht in die Strasse sich ergiessende „grosse Wasserfall“ ist nur ein kleiner
Gebirgsbach, der allerdings ein starkes Gefälle hat, aber nie ein Wasserfall
genannt werden kann. Die beste Landmarke ist noch der Berg Knob, welcher
aber nur als Marke Verwendung finden kann, wenn man ihn durch Augenschein
kennen gelernt hat, da in der Segelanweisung keine näheren Angaben über ihn
enthalten sind. Der Berg Knob liegt auf der Halbinsel Cordova, Port Angosto
gegenüber, und bildet eine der vielen Erhebungen des dortigen grauen Gesteins.
Er tritt weder als besonderer Berg hervor, noch markirt er sich besonders,
wenn man nicht durch seinen Namen auf ihn aufmerksam gemacht wird. Da
alle hier vorkommenden Bezeichnungen vorzugsweise aus Eigennamen entnommen
sind, so kommt man nicht leicht darauf, dass hier plötzlich ein Bild gewählt
ist. Kapt. von Werner wollte schon umdrehen, um die Nacht draussen im
Fahrwasser zuzubringen, als er auf einen runden Stein, der Aehnlichkeit mit
dem Kopfe einer chinesischen Mandarinenmütze hatte, aufmerksam wurde,
und welcher sich dann auch wirklich als der richtige Knob herausstellte, der
das Schiff nach dem Eingang von Port Angosto hinführte. Gerade querab von
dem Eingang sieht man auch den im Hintergrunde liegenden kleineren Wasser-
fall, welcher sich gut markirt. Die prachtvollen Wasserfälle, von denen die
„Vineta“ spricht, waren zu dieser Zeit (Januar) nicht zu bemerken gewesen,
Ausser diesem einen Wasserfalle waren noch 4 oder 5 Wasserrinnen vorhanden,
die ungefähr so viel Wasser mit sich führten, wie eine Dachrinne bei mässigem
Regen. Die englischen Segelanweisungen nennen diese dürftigen Wasserfälle
zwar überall „waterfalls“ und „cascades“, aber an den in den Karten bezeich-
neten Stellen wurde solten etwas mehr, wie das oben Beschriebene gefunden.
Nur zwei Wasserfälle dürfen diesen Namen einigermaassen beanspruchen. Der
cine zeigt sich an der Küste der Insel Clarence und hat grosse Aehnlichkeit
mit den künstlichen Fällen auf Wilhelmshöhe bei Cassel, der andere liegt bei
Island, Harbour.*)
Am 17, Januar, Abends 7", wurde in Port Angosto bei stillem Wetter
geankert, ohne während der Nacht von den gespenstischen Wılliwaws hier, wie
überhaupt während der ganzen Fahrt, besucht zu werden; diese Eigenthümlich-
keit der Magellan-Strasse und ihrer Umgebung haben wir nicht kennen gelernt.
Port Angosto wurde am 18. Januar 83" a. m. verlassen, um 7* um Kap
Tamar herumgesteuert und um 8% in den Smyth Channel eingelaufen. Von
94 10’ bis 9* 50‘ wurde die etwas verwickelte, 8 Sm lange Passage durch die
!) Es ist hier zu bemerken, dass die Wasserfälle in der Magellan-Strasse ihren Ursprung
grossentheils in den dortigen massenhaften Niederschlägen haben. S.M.5S, „Ariadne“ hat die Strasse
zufällig bei, hier so selten vorkommendem, schönem Wetter passirt, woraus es sich erklärt, dass die
Wasserläufe nur wenig Wasser führten. Es ist dies aber keineswegys die Recel. A_ aA. R.