153
schien am 1. April die südliche Grenze des eigentlichen Passatgebietes zu liegen;
dort lief der Wind nordöstlich, und beschrieb dann, im Laufe der nächsten
Woche, bei allmählicher Veränderung, mehrere jener, in den polaren Grenz-
gebieten der Passate so häufig sich ereignenden Drehungen durch alle Striche
der Kompassrose. Der Fortgang der Reise war dabei ein ganz zufrieden-
stellender und am 14. April stand der „Friedrich“ in 34,3° S-Br und 28,1° O-Leg,
etwa 60 Sm entfernt von der südöstlichen Küste Afrika’s. Von diesem Punkte
ab beobachtete man eine, durch den Agulhas-Strom bewirkte tägliche Versetzung
nach Westen und Süden, die von wechselnder Stärke war, an einem Tage in-
dessen 67 Sm betrug. Am 18. April lothete man die Agulhas-Bank an, auf
welcher die Temperatur des Meerwassers um 3,5° C sank; hier fand auch die
yünstige Strömung ihr Ende. Am 21. und 22, April hatte das Schiff in 36° S-Br
und 19° O-Lg einen schweren Sturm aus Westen zu überstehen; nachdem der-
selbe ausgetobt hatte, herrschte noch an mehreren der nächstfolgenden Tage
stürmischer Gegenwind, bis dann endlich der Wind südlich lief und dem Schiffe
damit die Möglichkeit bot, die Breite des Kap’s der guten Hoffnung am 27. April
zu passiren.
Im Südatlantischen Ocean erhielt der „Friedrich“ in 30° S-Br und 9,3°
O-Lg am 30. April SE-Wind, welcher in 24° S-Br zwar abermals auf einen Tag
durch südwestliche Winde unterbrochen wurde, jedoch beständig ziemlich raschen
Fortgang nach Norden erlaubte. Am 9. Mai wurde die Insel St. Helena erblickt
und am 20. Mai schnitt man in 29,3° W-Lg den Aequator,
In 4,5° N-Br fand der SE-Passat am 23. Mai in 35,3° W-Lg sein Ende;
und nach kurzem Aufenthalt gelangte das Schiff schon am folgenden Tage in
5,3° N-Br und 35,6° W-Lg in das Gebiet des NE-Passates. Auch dieser war
günstig und da der „Friedrich“ ihn auf dem ihm vorgezeichneten Wege in
zünstigster Weise benutzen konnte, war der Verlauf der Weiterreise ein rascher.
20° N-Br wurde am 831. Mai in 52° W-Lg gekreuzt; hier schon lief der Wind
südlich von Ost, wehte aber immer noch frisch und beständig. Als man am
4. Juni 27° N-Br in 60° W-Lyg erreicht hatte, war der sich allmählich mehr und
mehr südlich ziehende Wind rechtweisend Süd geworden und nahm dann an Stärke
bedeutend ab. Mit leichtem Winde aus letzterer Richtung überschritt man am
6. Juni auch den Parallel von 30° N-Br in 60,7° W-Lg und fand am 10. Juni
in 33,5° N-Br und 64° W-Lg, also nahe bei den Bermuda-Inseln, beständigen
südwestlichen Wind, wie er zur Zeit des nördlichen Sommers in diesem Theil
des Oceans so häufig und regelmässig weht. Mit ihm erreichte dann am 17. Juni
1877 nach einer Reise von 109 Tagen der „Friedrich“ den Hafen von Boston,
Von Boston aus trat Kapt. Ulderup am 16. August 1877 eine neue
Reise an, deren Bestimmungsplatz die Insel Penang in der Malakka-Strasse
war. Während der ersten Tage in See wehten leichte veränderliche Winde, bis
am 21. August in 38,0° N-Br und 60,0° W-Lg jene frischen sommerlichen
SW-Winde angetroffen wurden. An demselben Tage gerieth das Schiff mit
einem Walfisch in Kollision, was einen so heftigen Stoss verursachte, dass das
ganze Schiff erzitterte, doch verspürte man weiter keine üblen Folgen. Der
südwestliche Wind wehte aussergewöhnlich frisch und beständig, und endete
erst, als man am 28. August den Parallel von 29° N-Br in 38° W-Lg erreicht
hatte. Es trat sodann auf längere Zeit Mallung ein, nur geringen Fortgang
nach Süden hin ermöglichend. Erst am 4. September in 24° N-Br und 36,5° W-Lg
zrhielt man den NE-Passat, um ihn in 11,4° N-Br und 27,5° W-Lg am 12. Sep-
tember wieder zu verlieren. Ohne vorhergehende Windstille setzte an letzterem
Orte der anfänglich frisch wehende südwestliche Monsun ein. Man lag mit ihm
über B-B-Bug nach SE und wendete am 17. September in 6° N-Br. und 21° W-Lg,
als dort der Wind eine Richtung rw SzW angenommen hatte.
Sowie man sich dem Aequator näherte, lief der Wind raumer und am
21. September segelte man bei südöstlichem Winde in südliche Breiten über.
Hier wurde dann 10° S-Br am 25, September in 28,8° W-Lg und 20°S-Br
in 29,6° W-Lg am 29. September geschnitten. An dem letzteren Tage erblickte
man auch die Insel Trinidad, nachdem . schon am Tage vorher in 19,3° S-Br
and 29,7° W-Lgy die südliche Grenze des SE-Passates überschritten war. Der
Wind durchlief während der nächsten beiden Tage alle Striche des Kompasses,
und darauf folgten frische nördliche und westliche Winde.