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förderte die Reise in ziemlich befriedigender Weise. Am 17. December kreuzte
das Schiff den Meridian von 80° W-Lg, von wo ab nördlicher gesteuert werden
konnte; am 19. December passirte es die Engen von Bemini und segelte in den
Atlantischen Ocean ein,
Auf der Strecke zwischen 25°-—28° N-Br lief der Strom mit einer Ge-
schwindigkeit von beinahe 3 Sm die Stunde nach Norden.
Ebenso wie die, ungefähr eine Woche früher sich in etwas östlicherer
Länge befindende „Seenymphe“, wurde auch die „Constantia“ von östlichen
Winden bis in ziemlich hohe Breiten begleitet. Erst als man am 30. December
in etwa 70° W-Lg nördlich von 34° N-Br gelangte, lief der Wind durch Süden
nach Westen. Schon am folgenden Tage, demselben, an dem die damals unge-
fähr 9° weiter östlich stehende „Seenymphe“ Sturm aus Westen hatte, traf
auch die „Constantia“ auf stürmisches Wetter aus derselben Richtung, welches
auch hier von elektrischen Entladungen und einer Luftdruckabnahme bis zu
734 mm begleitet war, In der num folgenden Zeit fand die „Constantia“ auch
fast nur günstige, nicht sehr stürmische Winde, so dass in Folge davon der
übrige Theil der Reise ziemlich schnell zurückgelegt werden konnte. Es wurde
50° W-Lg in 38,3° N-Br am 6. Januar 1875, 30° W-Lg in 45,5° N-Br am
14. Januar und der westliche Theil des Kanals am 20. Januar, einen Tag später
als die „Seenymphe“ dort ankam, erreicht, Die ganze Reise vom Mississippi
bis zum Kanal hatte 45 Tage gedauert.
3. Reise der Bremer Bark „Carl Georg“, Kapt. B. F. Stöver.
Etwas später als die „Constantia“, indessen auch noch in der ersten
Hälfte des Septembers, trat die, von Kapt. Stöver, einem langjährigen Mit-
arbeiter der Seewarte, geführte Bremer Bark „Carl. Georg“ eine Reise von
London nach Charleston an. Am 18. September befand sich das Schiff in 49,5°
N-Br und 6,7° W-Lg. Es wehte zur Zeit ein frischer, beständiger Ostwind, wie
er im Monat September in der Nähe der Küsten Mitteleuropas nicht selten
angetroffen wird. Dieser erreichte am 27. September, als er die Bark nach
35,1° N-Br und 22,3° W-Lg geführt hatte, sein Ende; es wurde zunächst ganz
Aau, dann drehte der Wind sich von NE durch SE nach SW, frischte, in
letzterem Quadranten angelangt, wieder auf und setzte seine Drehung bald
darauf noch weiter bis nach NW fort. Der Luftdruck hatte hierbei um etwa
2,5 mm abgenommen, und zwar war er am niedrigsten, als der Wind recht-
weisend Süd war. In 32° N-Br und 25° W-Lg erhielt das Schiff wieder einen
mehrere Tage anhaltenden südöstlichen Wind, der weiterhin, in ungefähr 28°
N-Br und 27° W-Lg, ebenfalls durch Süd nach West und NW umlief; auch bei
dieser Drehung wurde eine Abnahme des Luftdruckes von 4 mm beobachtet.
Der Wind lief darauf, sich langsam ändernd, durch Nord nach NE und es hatte
den Anschein, als ob man in 26,2° N-Br und 29,4° W-Lg am 4. Oktober die
nördliche Grenze des Passates überschritten habe. Aber der Wind wehte nur
während 2 "Page ungestört aus NE, dann lief derselbe durch SE und Süd noch
einmal rechtdrehend wieder nach SW um, wiederum begleitet von einer Luft-
Aruckabnahme von 2,5mm. Vom südwestlichen Quadranten krimpte der Wind
diesesmal aber durch Süd nach Ost, und als man 22° N-Br erreicht hatte, fand
das sich zwischen diesem und dem 21, Breitenparallel haltende Schiff vorerst
ziemlich frischen Passat. Von langer Dauer war er jedoch wieder nicht, denn
in etwa 22° N-Br und 60° W-Lg fand man am 19. Oktober noch einmal eine,
mehrere Tage anhaltende Unterbrechung desselben durch südlichen und süd-
westlichen Wind, verursacht durch eine von heftigen elektrischen Erscheinungen
begleitete Luftdruckabnahme von etwa 3 mm, Wie man sieht, war der Passat
im Monate Oktober des betreffenden Jahres und auf der Route, die der „Carl
Georg“ verfolgte, sehr unbeständig; im Gcegensatze dazu wurden in derselben
Zeit von den Schiffen, welche sich auf der Rückreise von Nordamerika nach dem
Kanale befanden und hier westliche Winde erwarteten, ungewöhnlich viele und
heftig stürmende Ostwinde angetroffen. Westlich von 65° West, welche Länge
vom „Carl Georg“ am 22, Oktober in 22° N-Br gekreuzt wurde, kam der NE-
Wind noch einmal recht frisch wieder durch, bis er in 26° N-Br und 72° W-Lg
am 26. Oktober ganz endete. Am 29. Oktober schnitt die Bark den Parallel