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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

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Kurse kennen zu lernen. Da bei den in der Mittschiffslinie aufgestellten Kom- 
passen X und € immer nur sehr klein sind und daher namentlich für diesen 
Zweck = 0 gesetzt werden können, so erhält man aus (4) und (3), nach 9 und € 
aufgelöst die bekannten Gleichungen 
4 
Bot — (1+ D) cos 5 
HH‘ 
= — Hy + (1 — D) sin F 
A und © können in den meisten Fällen mit grosser Annäherung geschätzt werden, 
‘ 
und es bedarf zur Berechnung von $ und € nur der Bestimmung von T durch 
Schwingungsbeobachtungen und des magnetischen Kurses & durch eine Deviations- 
veobachtung für den zugehörigen Kompasskurs . Um gute brauchbare Resul- 
iate zu erzielen, ist es bei Anwendung dieser Formeln nöthig, in der Nähe eines 
[nterkardinalstriches NO, SO, SW, NW zu beobachten, und muss das Schiff 
ziemlich frei von anderen eisernen Schiffen und sonstigen störenden Eisenmassen 
liegen. Seitens der Seewarte wird diese Methode der Bestimmung der Koeffi- 
eienten B und € zum Zwecke der Aufstellung und Kompensation der Kompasse 
bei den hier am Platze gebauten neuen Schiffen immer, und zwar mit sehr 
gutem Erfolge, angewandt. Die Beobachtungen geschehen der Lage der Schiffe 
im Hafen entsprechend auf NW- Kurs; auf Grund derselben werden die Kom- 
passe dann kompensirt und später beim Auslaufen der Schiffe durch Schwaien 
an dem dazu bestimmten Platze bei Brunshausen die übrig gebliebenen Fehler 
bestimmt, wodurch bei den Stromverhältnissen der Elbe und der Unmöglichkeit, 
das Schiff im Hafen oder in der Nähe desselben behufs Regulirung der Kom- 
passe herumzudrehen, eine grosse Zeit- und Kostenersparniss für die Schiffe 
erzielt wird. . 
So wurde z. B. bei dem Regelkompass des Hamburger Barkschiffes 
„Sophie“, gebaut 1877 auf der Reiherstiegs-Schiffswerft, Baukurs S38°W, am 
5. August 1877 beobachtet H ; 
_. me a En ° RL + 
U=N27°W = N45°W = (Zu 
Unter Annahmen von 4 =— 0,860, D = 0,060 ergab sich daraus 5 = + 0,130, 
€ — —0,244. Darauf wurde der Koefficient € durch einen querschiffs ge- 
legten Magneten in der Weise kompensirt, dass ein kleiner Theil von ©, etwa 3°, 
übrig bleiben sollte. Die Rechnung ergab für die zu nehmende Entfernung des 
Magneten vom Kompass 0,83m. Nach dieser Kompensation war bei demselben 
magnetischen Kurse & = N37° W. Bei Brunshausen wurden dann durch 
Schwaien des Schiffes und Intensitätsbeobachtungen die Koefficienten wie folgt 
bestimmt: SB = +0,128, € = —0,038, D = +0,041, 2 = 0,874, was. als 
eine genügende Uebereinstimmung und Bestätigung der Zulässigkeit der oben 
arwähnten Methode angesehen werden darf. 
Literarische Besprechungen. 
1. Jahresbericht der Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der 
deutschen Meere in Kiel für die Jahre 1874, 1875, 1876. Im Auftrage des 
Königl. preuss. Minister. f. landwirthschaftl. Angelegenh. herausgegeben von 
Dr. H. Meyer, Dr. K. Moebius, Dr. G. Karsten, Dr. V. Hensen. IV,, V. 
und IV, Jahrgang. Mit 20 Tafeln und 1 graphischen Darstellung, Berlin. 
Wiegandt, Hempel und Parey. 1878. 
Den beiden früheren Jahresberichten (I für 1871, II und III für 1872 
und 1873) schliesst sich nach längerer Pause dieser dritte Bericht der Kieler 
Kommission über ihre Thätigkeit an, welcher die Arbeiten in den drei Jahren 
1874 bis 1876 umfasst. Die Verzögerung dieser Veröffentlichung findet ihre 
volle Erklärung in der Art der Arbeiten, welche der Kieler Kommission oblagen, 
nachdem sie in den früheren Jahresbericehten das auf den beiden Exmeditionen
	        
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