Ausser diesem Berichte des Kapt. Le Moult erhielt die Seewarte über
denselben Teifun noch Mittheilungen von Kapt. H, Walter, Führer des im
Hafen von Yokohama liegenden Bremer Schiffes „Friedrich Perthes“. Diese
Beobachtungen bieten zwar keine neuen Anhaltspunkte zum Studium des
Orkans, erscheinen aber dadurch interessant, dass sie mit denjenigen des
Kapt. z. See von Wickede vorzüglich übereinstimmen. Kapt. Walter gicbt
folgenden Bericht,
„Am Mittwoch, 10. Oktober, herrschte im Hafen von Yokohama regneri-
sches Wetter. In der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober war die Witterung
sehr unbeständig und regnerisch durch von Süd herüberziehende Regenböen.
Am 11. Oktober Morgens wehte frischer Wind aus Süd mit Regenböen; gegen
11* Vormittags nahm der Wind an Kraft zu, nach 12* Mittags noch mehr, und
um 1* Nachmittags wehte schon voller Sturm‘ von der Stärke 10. Die Luft
war trübe und dicht bewölkt; der Luftdruck begann von 11®* Vormittags an
rasch abzunehmen.
Beobachtungen an Bord des „Friedrich Perthes“ (Kapt. H. Walter)
im Hafen von Yokohama am 11. Oktober 1877.
Datum
Okt. 11
"Tageszeit
2210‘ Nachm,
ah10‘
Al
y
Fr.
Luftdruck
auf 0° reduc
746,2
744,8
743,4
744.6
746.7
748.5
Wind
Richtung |
;
Ss
SSW
SSW
SW7zS
ı SWzS—SW
Stärke
10—11
10—11
10—11
10—11
10
10
Bemerkungen
Abwechselnd Regen, schwere Böen,
dicke Luft
Abwechselnd Regen, schwere Böen,
dicke Luft
Abwechselnd Regen, schwere Böen,
dicke Luft
Weniger Regen, Böen an Heftig-
keit nachlassend, zuweilen blaue
Stellen am Himmel
Etwas abklarend. Luft beim
Sonnenuntergang nicht mehr
so drohend.
Abklarende Luft
In der Nacht zum 12. Oktober nahm der aus SW wehende Wind immer
mehr ab und am Morgen des 12. Oktober herrschte bei schönem klarem Wetter
frischer SW-Wind.“
Aus sämmtlichen, auf diesen Teifun bezüglichen Beobachtungen geht mit
Sicherheit hervor, dass derselbe am 11. Oktober im Laufe des Nachmittags
mit erheblicher Geschwindigkeit von Süd nach Nord über die Japanische See
hinwegging und zwischen 10* und 12* p. m. zwischen Hakodadi und der ÖOlga-
Bai hindurchschritt, Die interessante Frage nach seinem Ursprunge wird sich
indessen erst nach Ansammlung einer noch grösseren Zahl von Beobachtungen
sicher entscheiden lassen. Das jetzt Vorhandene spricht mehr für eine Neu-
bildung in der Japanischen See, als für einen Zusammenhang mit einem der
tropischen Wirbelstürme des Stillen Oceans. Die Journale, welche in jenen
Gewässern für die Seewarte von deutschen Schiffen geführt werden, laufen
erst mehrere Monate später ein. Wenn dies geschehen sein wird, wird auf
das interessante Phänomen unter Zuhülfenahme weiteren Materials zurück-
gekommen werden.
Anmerkung der Redaktion. Die hier und in dem vorigen Hefte der
„Annalen etc.“ (pag. 79—85) mitgetheilten Beobachtungen über den Teifun vom
11. Oktober 1877 in der Japanischen See, ebenso wie die in den „Monatlichen
Uebersichten der Witterung“ (herausgegeben von der Deutschen Seewarte) seit
Mitte des vorigen Jahres regelmässig veröffentlichten Mittheilungen aus Schiffs-
journalen über die Witterungszustände auf dem Atlantischen Ocean zeigen deut-
lich den hohen Werth, welchen möglichst zahlreiche, und über mehr oder weniger
grosse Flächen verbreitete, sorgfältige und mit verglichenen Instrumenten an-
gestellte Beobachtungen für die Kunde des Ursprungs und des Fortschreitens
barometrischer Depressionen und von Stürmen auf dem Ocean haben, sei es
über weite Strecken desselben, oder in engen begrenzten Theilen.