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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

Die Beobachtungen Uber die physikalischen Eigenschaften des 
Wassers der Ostsee und Nordsee. 
Der unter obigem Titel von Prof. G. Karsten in Kiel in dem Jahres- 
bericht der Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere 
in Kiel für die Jahre 1874, 1875, 1876 (s. pag. 132) veröffentlichten Abhandlung 
/a.a. 0. S. 253—283) entnehmen wir nachstehend einige, für die Ostsee und die 
Nordsee speciell und für die oceanische Physik im Allgemeinen sich ergebende 
Thatsachen, welche in ihren KEinzelheiten auch in besonderen Monatsheften 
anter dem Titel: „Ergebnisse der Beobachtungsstationen an den deutschen Küsten 
über die physikalischen Eigenschaften der Ostsee und Nordsee und die Fischerei“ 
veröffentlicht werden. Bis Schluss des Jahres 1876 sind an der Ostsee 13 solcher 
Stationen thätig gewesen, nämlich: Sonderburg, Kappeln, Schleswig, Friedrichs- 
ort (Kieler Bucht), Fehmarnsund, Travemünde, Poel, Warnemünde, Darsser Ort, 
Lohme auf Rügen, Neufahrwasser, Hela; in der Nordsee 7: Ellenbogen (Sylt), 
Fahrtrapptiefe, Schmaltiefe, Helgoland, Weser-Aussenleuchtschiff, Wilhelmshaven, 
Borkum. 
Für alle diese Stationen sind für die Jahre 1874, 1875, 1876 die monat- 
lichen Mittelwerthe der Lufttemperatur, des auf 0° reducirten Luftdruckes, der 
Wind-Richtung und -Stärke, sowie des Wasserstandes gegeben, ferner in monat- 
lichen Mitteln und in den Extremen: der Salzgehalt, das specifische Gewicht und 
die Temperatur des Wassers, sowie die aus- und eingehende Strömung an der 
Oberfläche und in grösseren oder geringeren Tiefen unterhalb derselben (je nach 
der Oertlichkeit) gegeben, Diese Beobachtungsresultate bestätigen einerseits die 
schon früher von Prof. Karsten und Dr. Meyer aus den Untersuchungen 
während der Expeditionen von 1871 und 1872 gewonnenen allgemeinen That- 
sachen in Bezug auf die physikalischen Zustände der verschiedenen Theile der 
Ost- und Nordsee, andererseits weisen sie, wenigstens für die Ostsee, für die 
einzelnen Jahrgänge beachtenswerthe Eigenthümlichkeiten nach. 
I. Ostsee, 
Der Salzgehalt der Ostsee erwies sich in Uebereinstimmung mit den 
[rüheren Ergebnissen nach zwei Richtungen hin als veränderlich; hiernach nimmt 
er sowohl von Osten nach Westen, als von der Oberfläche nach der Tiefe hin 
zu. Das Verhältniss des Salzgehaltes an den von einander entferntesten Stationen 
der deutschen Ostseeküste — Hela und Sonderburg — stellt sich im Jahresmittel 
fast wie 1:3. Bei Hela enthält das Ostseewasser 3/4 Procent Salz, bei Sonder- 
burg über 2 Procent. In dem weitaus grössten nördlichen und östlichen Theile 
jer Ostsee bis zu dem Meridian von Rügen bleibt der Salzgehalt unter 1 Procent, 
westwärts von Rügen nimmt er aber stetig zu, 
„Diese beiden Abtheilungen der Ostsee, die grosse östliche und die kleine 
westliche, verhalten sich auch noch insofern verschieden, als der kleine Salz- 
gehalt der östlichen Abtheilung in den einzelnen Jahren viel geringeren Schwan- 
kungen unterworfen ist, als der grössere der westlichen Abtheilung, und das 
Ostseewasser östlich von Rügen scheint für jeden Ort eine nahezu gleichbleibende 
Beschaffenheit zu besitzen, die nur ausnahmsweise und auch niemals sehr erheb- 
lich gestört wird. In der westlichen Abtheilung unterscheiden sich einzelne 
Jahrgänge aber sehr wesentlich von einander, es können hier Differenzen vor- 
kommen, welche !/4 und mehr des ganzen Salzgehalts betragen, während dort 
die Schwankungen kaum !ıo des daselbst vorhandenen Salzgehaltes erreichen 
werden. 
Aehnlich ist es mit der Aenderung des Salzreichthums in vertikaler 
Richtung. Ueberall befindet sich schwereres Wasser in den unteren Schichten. 
Aber der Unterschied zwischen Oberflächen- und Tiefwasser ist im östlichen 
Becken geringer und auch im Laufe des Jahres nicht erheblich varlirend, dagegen 
im westlichen Becken bedeutender und namentlich treten grosse Verschieden- 
heiten sowohl der Jahreszeiten, als der verschiedenen Jahre hervor, 
Diese Unterschiede in Bezug auf den Salzgehalt sind bedingt durch den 
Bewegungsmechanismus des Wassers in der Ostsee, aus welcher das süsse 
Wasser eines grossen Stromgebietes durch die engen Ausgänge zum Kattegat
	        
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