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„Friedrich“ bei Sturm aus Westen in den Kanal ein, der Luftdruck erreichte
an diesem Tage mit 744,9mm seinen geringsten Stand, und schon am 29. De-
zember liess das Schiff nach einer ungewöhnlich schnellen Reise von 26 Tagen
auf dem Weserstrome den Anker fallen.
5. Reise der Bremer Bark „Henry“, Kapt. Th. Minssen.
Das von Hamburg nach Baltimore bestimmte Schiff „Henry“ verliess am
30. September 1877 den Kanal, begünstigt von leichtem Winde aus östlicher
Richtung. Es wurde der direkte Weg zum Bestimmungshafen eingeschlagen,
und traf man auf demselben bis zu 40° W-Lg eine recht günstige Gelegenheit;
denn, wenn auch die schweren Öststürme, welche im Anfange des Oktobers
1877 im mittleren und westlichen Theil des Atlantischen Oceans herrschten,
den „Henry“ nicht erreichten, so gelangte man doch mit Ost- und SE-Winden
schon am 11. Oktober nach 40° W-Lg in 44,8° N-Br. Die Reise von der
Mündung des Kanals bis zu diesem Punkte hatte also nur eine Dauer von
11 Tagen. Am 12. Oktober überstand das Schiff in etwa 44° N-Br und 42° W-Lg
einen harten Sturm aus NNE, bei welchem das Barometer bis auf 750,4 mm
sank. Am 14. Oktober befand sich der „Henry“ in 43,4° N-Br und 48,1° W-Lg,
schon in der Nähe der Bänke von Neufundland, als dort der Ostwind sein
Ende fand und anhaltender Wind aus westlicher Richtung an dessen Stello
trat. Am 17. Oktober litt das Schiff, als es sich in 41,6° N-Br und 51,8° W-Lg
befand, unter der Gewalt eines orkanartigen Sturmes, der aus südlicher
Richtung begann, später von WNW ausschoss und aus letzterer Richtung
am heftigsten stürmte. Die Ab- und Zunahme des Luftdrückes während
lieses sehr rasch verlaufenden Sturmes geschah in verhältnissmässig recht
kurzer Zeit, so dass es scheint, als ob diese Störung nur von geringem Durch-
messer gewesen sei. Der niedrigste, während des Sturmes beobachtete Luft-
iruck war 727,2mm, kurz vorher, ehe der Wind nach Westen umsprang.
Mit Hülfe sehr veränderlicher, vorwiegend indessen aus westlicher Richtung
wehender Winde, steuerte das sich zwischen 42° —39° N-Br haltende Schiff
auf sein Ziel zu. 60° W-Lg schnitt es am 28. Oktober in 40,6° W-Leg,
70° W -Lg am 1. November in 39° N - Br und am 4. November erreichte der
„Henry“ die Chesapeake-Bucht nach einer Reise von 42 Tagen. Kapt. Minssen
spricht am Schlusse derselben seine Verwunderung darüber aus, dass auf dem
von ihm eingeschlagenen Wege von der für seine Reise ungünstigen Golfströmung
nicht mehr bemerkt wurde, als in Wirklichkeit der Fall war.
Mit einer Ladung Petroleum, in Fässern mit eisernen Bändern, durch
welche, wie Kapt. Minssen in seinem Journale zu wiederholten Malen be-
richtet, seine Kompasse stark beeinflusst wurden, so dass bei Ostkurs eine
Deviation von 1 Strich gefunden wurde, verliess der „Henry“ am 2. December
die Chesapeake-Bucht wieder, um die Rückreise nach Bremen anzutreten. Der
im offenen Ocean anfänglich angetroffene Wind war nördlich und führte das
Schiff rasch von der Küste ab in den Golfstrom, welcher jetzt stark nach
Osten setzte. Bald traten auch westliche Winde ein, von welchen begünstigt,
die Reise ihren raschen ungestörten Verlauf nahm. Anhaltende heftige Stürme
wurden nicht angetroffen, im Gegentheil war die Fahrt für eine Winterreise
eine ruhige zu nennen. Am 6. December wehte es in 37,4° N-Br und 62° W-Lg
schwer aus SW, doch konnte das Schiff bequem vor dem Sturme weglenzen;
am 15. December, demselben Tage, an welchem der „Friedrich“ in 39° N-Br
and 50° W-Lg unter einem orkanartigen Weststurm litt, hatte auch der „Henry“
in 42,4° N-Br und 41,7° W-Lg für kurze Zeit einen sehr schweren Sturm aus
SSW zu bestehen, der jedoch nur kurze Zeit anhielt, und bei welchem der
niedrigste Stand des Barometers 751,3mm war, gegen den an Bord des
„Friedrich“ beobachteten geringsten Druck von 748,5mm.
Am 25. December, als der „Friedrich“ mit Sturm aus Westen schon den
Kanal erreichte, befand sich der „Henry“ am Mittage desselben Tages noch in
49,4° N-Br und 10,4° W-Lg, wo von jenem Sturm Nichts bemerkt, vielmehr
während des grössten Theil des Tages nur leichter Westwind, der erst am
Schlusse des Etimales stürmisch wurde, beobachtet wurde, Der geringste, an
Bord des „Henry“ am 25. December beobachtete Luftdruck betrug 752,9 mm.
Am 26. December erreichte das Schiff nach einer Reise von 24 Tagen
zlücklich den Kanal.