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hauptsächlich von Fischfang zu leben, machen aber für Fischer einen wohl-
habenden Eindruck, Zuckerrohr in ziemlich dünnen Stauden wird vielfach
neben dem gewöhnlichen Reisbau in der Umgegend kultivirt.
Die grosse, sehr gut im Stand gehaltene Landstrasse, der Tokaido,
führt unmittelbar an Simidzuw vorüber längs des Meeresstrandes nach Yeddo,
Jenrikishas (Ziehwagen) und dreirädrige Velocipeden wurden mehrfach in
Simidzu bemerkt.
Der Hafen von Eno Ura ist durch das weit nach Westen vorspringende
Land gleichfalls, und vielleicht noch besser wie Simidzu, vor südlichen Winden
geschützt und lässt sich selbst in dickem Wetter auf ähnliche Weise, wie bei
Simidzu beschrieben ist, mit einem Dampfschiffe erreichen. Für Segelschiffe
würde das Anluven aber seine Schwierigkeiten haben. Der Hafen ist eng und
ziemlich tief und deshalb für Fremde nicht so bequem, als Simidzu. Die
Tiefen in der Mitte der Bucht sind sehr bedeutend; einmal wurde auf 900m
Grund gefunden.
An der Westküste zwischen Simidzuw und dem Kap Tay-irt ist das
Wasser noch sehr tief bis dicht an das Land hinan; das Kap Tay-iri dagegen
ist mit Klippen umgeben, welche etwa %4 Sm herausreichen, und auf welchen
sich die südliche Dünung stark bricht. Bei Oi-Gawa fängt die Küste nach
Süden zu an, weniger klar zu sein. Querab vom genannten Flusse wurden
auf 2 Sm vom Lande noch 60m gelothet, weiter hinein schien die Einbuchtung
flacher zu sein; aufkommenden schlechten Wetters halber konnten die Unter-
suchungen nicht fortgesetzt werden.
Die Durchfahrt zwischen den vier Lady Inglis-Klippen und dem Kap
Omae Saki ist Fremden nicht zu empfehlen, da auch dieses Kap reichlich mit
Klippen, die ziemlich weit in die See hinausragen, umgeben ist.
Der langgestreckte Küstensaum zwischen der Suruga- und der Owari-Bai
ist nur unvollständig ausgelothet und sollte nicht zu nahe angelaufen werden.
Von Omae Saki nach Westen hin erstreckt sich noch die Fortsetzung der
Klippen vor einem lichtgrauen, nicht sehr hohen Strande. Lothungen konnten
hier des schlechten Wetters wegen nicht vorgenommen werden. Dieselben
haben auch nur einen nebensächlichen Werth und müssen meiner Ansicht nach
vor anderen wichtigeren Aufgaben, welche an der Südküste Nipons zu lösen
sind, zurückstehen.
Die Bai von Owari,') Die Lothungen begannen bereits ausserhalb
der Bai und haben, da das Schiff ziemlich langsam vorwärts kam, Anspruch
auf Genauigkeit Es wurde die von S. M. S. „Nymphe“ benutzte (s. „Nachr.,
f. Seef.“, 1872, No. 321) und später auch von der englischen Corvette
„Frolic“ empfohlene Einfahrt östlich von der Insel Kam: gewählt. Dio
Lothungen stimmen indessen durchaus nicht mit den auf der Karte a. a. O.
gegebenen.
Anfänglich wurde zur Orientirung der von S. M. S. „Nymphe“ im
Mai 1872 eingeschlagene Kurs verfolgt; da die gefundenen Wassertiefen aber
stets um fast das Doppelte der von der „Nymphe“ aufgezeichneten betrugen,
30 nahm ich an, dass der Kurs derselben näher unter Land gewesen sein müsse.?)
Noch in ungefähr 2,5 Sm Abstand, SSW von dem Kap Onia Sakzi, welches
die Mia-Bai von der Owari-Bai trennt, von wo ab das Wasser allmählich bis zu
7,5m (4 Faden) abflachen soll, berührte S. M.S. „Elisabeth“ den Grund auf einer
Untiefe, welche etwa 22/4 Sm westlich von dem Orte Tokoname entfernt liegt;?)
an dieser Stelle befanden sich 4,6m Wasser, Schlamm und schwarzgrauer Sand
(s. „Nachr. f. Seef.“, 1878, No. 48). Es wurde geankert, und mit Hülfe der Boote
diese Untiefe und deren Umgebung sorgfältig ausgelothet (s. Skizze). Von hier
aus wurde ein Kurs auer über die Bai genommen und mit dem Schiffe auf der
ı) S. „The China Sea Directory“, Vol. IV. 1873, pag. 168; „Nachr. f. Seef.“, 1872, No, 321.
?}) Die diesem Artikel beigegebene Skizze der Owari-Bar ist nach der britischen Admiralitäts-
karte No. 996 (Tit. XI, No, 165) im Maasstabe von 1:300 000 angefertigt und enthält die von
S. M. S. „Elisabeth“, Kapt. zur See von Wickede, 1877 ausgeführten Lothungen. Diese genauere
Aufnahme der Owart-Bai berichtiget die, auf Grund der von S. M. S. „Nymphe‘“, 1872 angestellten
Lothungen, gemachten Angaben (s. „Nachr, f, Seef.‘“, 1872, No. 321, Skizze), welche somit als un-
richtig anzusehen sind, A. d. R.
8) Diese Untiefe ist auf den neuesten englischen Admiralitätskarten bereits verzeichnet.
A. dd, zii
ann. d. Hydr., 1878, Heft IIT (März)