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Aus den Reiseberichten S. M. S. „Elisabeth‘,” Kapt. zur See
von Wickede,
Die Suruga- und die Owari-Bai an der Südküste von Nipon.
Von Kapt. z. See von Wickede.
(Mit einer Skizze der Owart-Bat.)
S. M. S. „Elisabeth“ unternahm im Oktober 1877 eine Kreuzungstour
nach der Suruga- und ÖOwari-Bai, um diese beiden tiefen Meeresbuchten,
welchen bisher noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wenn auch nicht
yründlich zu vermessen, so doch wenigstens bezüglich ihrer Tiefenverhältnisse
genauer zu untersuchen,
Die während des grössten Theils des Jahres an der Südküste Nipons
vorherrschenden Winde aus südlicher Richtung, welche zuweilen die Stärke 9
and, wie während des Aufenthaltes S. M. S. „Elisabeth“ in den Monaten von
Mai bis November 1877 drei Mal beobachtet wurde, die Stärke 10, 11 und 12
erreichten, müssen es wünschenswerth erscheinen lassen, diese Seeküste mit
'hren Zufluchtsorten so genau, wie möglich, zu kennen.
Die Suruga-Bal.”) In der Suruga-Bai sind bisher nur vereinzelte
Lothungen vorgenommen und die Häfen von Simideu, Eno Ura, Tago, Ararı
and Heda ausgelothet worden. Die Segelanweisungen, um zu diesen Häfen zu
gelangen, sind aber noch ziemlich unvollständig.
Die kleinen Häfen von Heda, Arari und Tago bieten wohl hinreichenden
Schutz gegen alle Winde, sind aber für grössere Schiffe nur mit Hülfe von
Lokal-Lootsen, die aber nicht vorhanden sind, zu benutzen und für Segelschiffe
überhaupt durch den sich in den umliegenden Bergen fangenden Wind, der in
unberechenbaren Stössen von den verschiedensten Seiten herunter kommt, nur
bei raumem Winde praktikabel.
Der Hafen von Simidzw dagegen ist ein ganz vorzüglicher Zufluchts-
hafen gegen alle Winde und namentlich als Nothhafen bei südlichen Stürmen
anzurathen. Die Leuchtthürme von Omae Sakı im Westen und von Rock Island
and Zro-o-Saki im Osten der äussersten Landspitzen der Bai werden in den
meisten Fällen Gelegenheit bieten, die Lage des Schiffes annähernd feststellen
zu können. Man steuere alsdann gerade auf die schmale, ziemlich niedrige,
aber mit Bäumen besetzte Landzunge zu, welche den Hafen von Simidzu
bildet. Das Loth bietet keinen Anhalt. S. M. S. „Elisabeth“ lothete längs
der ganzen Küste von Oi-Gawa bis Fusi-Gawa und fand, auf 1 bis 1'% Sm
Abstand von der Küste, auf 100m keinen Grund, und etwa !/s Sm von der
Landzunge Mio Saki wurde erst auf 120m Grund gefunden. Ein Dampfschiff,
welches in dickem Wetter bei Südwind Sıimidzu anlaufen will, kann gar nicht
fehlen, wenn es sich in die Mitte der Bai nördlich hineintreiben lässt.
An der Nordküste am Fusse des Fusi- Yama, etwa dort, wo der Fusi-
Gawa sich in’s Meer ergiesst, wird man sicher auf 5/4 Sm von Land Grund
finden und kann dann selbst in dunkler Nacht, mit dem Loth sich in 25 bis
30m Tiefe haltend, mit westlichen, allmählich südlicher gehenden Kursen den
Hafen machen. Die hohen Bergzüge in NW von Simidzuw wird man selbst
bei sehr dickem Wetter immer erkennen.
Sollte die schmale Landzunge Mio Sakı nicht zu erkennen sein, so wird
das ruhige Wasser schon anzeigen, dass man sich im Hafen befindet; guten
Sandgrund zum Ankern findet man in 26m Wasser. Ein Leuchtthurm auf der
Spitze zon Simidzu würde denselben zu einem vorzüglichen Zufluchtshafen bei
jeder Witterung machen.
Der Hafen bietet Platz für viele Schiffe. Die Tiefen gegen Land nehmen
langsam ab, im Süden geht der Grund von 16m zu 3m ziemlich steil auf.
Man erreicht den Ort, wenn man durch die im Süden liegende Lagune ein-
fährt, wo sich eine Rinne von 2 bis 22m Wassertiefe befindet, in welche sich
ein kleiner Fluss ergiesst, an dessen Mündung Dschunken gebaut werden. Der
Ort liegt zum Theil längs dieses Armes der Lagune. Dio Bewohner scheinen
') S, „Ann. d, Hydr., etec.“, 1877, pag. 3441, 463; 1875, pag.
3) S. „The China Sea Directory“ Vol. IV, 1873, pag. 170g.
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