100
waren bis December 8 deutsche Schiffe eingelaufen. Es existiren zwei grössere
Jeutsche Handelsfirmen am Platze, deren eine den deutschen Konsul Sessel-
berg zum Chef hat. Die Zahl der deutschen Unterthanen erstreckt sich auch
aur auf die Angestellten in diesen Geschäften und auf einige Handwerker.
Die Postverbindung zwischen Pard und Europa wird direkt durch
Dampfschifffahrt nach Liverpool und indirekt durch brasilianische Postdampfer
via Pernambuco unterhalten. Auf dem letzteren Wege werden alle Briefsen-
dungen expedirt, es sei denn, dass einem Brief ausdrücklich die Beförderung
per private Steamer via Liverpool auf der Adresse zugewiesen ist, Ausserdem
hält sich die Liverpool — Pard-Linie nicht an bestimmte Abgangstage, macht die-
selben vielmehr lediglich von der Fertigstellung der Ladung abhängig.
Der Besuch Pard’s ist Kriegsschiffen nicht besonders zu empfehlen, jeden-
falls würde die nasse Jahreszeit, unser Winter, entschieden zu vermeiden sein, da
mit dem Regen sich auch Krankheiten einstellen sollen; doch war zur Zeit der
Anwesenheit der „Medusa“ (December) der Ort sehr gesund, obwohl die hohe
Tageos-Temperatur immerhin sehr lästig war. Vor Allem aber lohnt der Platz
aicht die 75 Sm lange Flussschifffahrt, welche besonders stromabwärts sehr müh-
selig zurückzulegen sind. Von frischem Proviant konnte nur Rindfleisch und Brot
beschafft werden, ersteres zum Preise von 1,08 bis 1,30 „4, für das kg, letzteres
0,91 MM pro kg. S. M.S. „Victoria“ notirte für Herbst 1876 (s. „Annal. d.
Hydr.“ ete. 1877 pag. 55) gleiche, bezw. geringere Preise,“
3. Reise von Parä bis Bridgetown.
„Am 9, December um 5" a. m. wurde mit Ebbe Anker auf gegangen, bei
östlichem Winde, derselbe reichte gerade hin, um mit halbvollen Segeln unter
Benutzung des Stromes das Fahrwasser an denjenigen Stellen zu halten, wo in der
That zum Kreuzen mit der „Medusa“ nicht genügend Raum geblieben wäre.
Gegen 10% a. m. ankerten wir mit dem Wechsel des Stromes bei der Spitze
Musqueiro, nachdem 18 Sm von Pard aus zurückgelegt waren, um mit Eintritt
der Ebbe gegen 2" p. m. weiter zu kreuzen.
Diese Ebbe brachte uns etwa 20 Sm weiter bis nach Colares, wo wir um
8!/ah mit der ersten Fluth wieder ankerten. Wir hatten auf dieser Tour schon
ainen ganz frischen Wind aus NNE bis ENE, und kurz bevor wir zu Anker
gingen, brach uns beim Wenden die Grossbramstenge. Der völligen Dunkelheit
wegen konnte die neue Stenge erst mit folgendem Tageslicht aufgebracht werden,
was uns sehr unerwünschten Aufenthalt brachte. Am 10. December 3" a. m.
gingen wir, als das Schiff auf Ebbe zu schwaien begann, wieder Anker auf
und kreuzten in den nächsten 6 Stunden etwa 18 Sm, bis die Spitze Taipu
0NO!/20 peilte, auf, wo wir wieder mit der Fluth um 9'/2* a, m. ankerten.
Diese vierte Ebbe konnten wir nicht ganz ausnutzen, sie hätte uns nur
bis vor die Bänke der Mündung gebracht, woselbst sich ein sicherer Ankerplatz
nicht vorfindet. Der letzte geschützte Ankergrund ist südlich der Insel Gaivotas,
dort ankerte „Medusa“ um 5'/4* p. m. Auf dieser Tour, die eine Strecke von 7 Sm
in sich schloss, hatten wir bei Windstärke 6—7 zeitweise schon ein Reff in
die Marssegel nehmen und Bramsegel festmachen müssen, doch wendete das
Schiff noch verhältnissmässig gut. Am 11. December um 2* a. m. gingen wir
mit frischem ENE-Wind bei eintretender Ebbe wieder Anker auf und segelten
anfänglich mit gerefften Marssegeln, nachher, wie es an’s Kreuzen ging, mit
vollen Segeln die letzte Strecke des Flusses stromabwärts. Dieser letzte Theil
ist bei weitem der gefährlichste für ein auskreuzendes Schiff, da eine versagte
Wendung verhängnissvoll werden könnte, Wir nahmen die Passage westlich
von der Tijoca-Bank, die etwas breiter ist, wie der Dentro-Kanal, dafür aber
noch nicht einmal in der unvollkommenen Weise, wie letzterer, betonnt,.
Um 8’%* a, m. hatten wir die Monjui-Bank klarirt und konnten „voll und
bei“ Nord in den Atlantischen Ocean hineinsteuern. Bei dieser Fahrt strom-
abwärts hatten wir noch eingehender wie bei der Fahrt zu Berge, Gelegenheit,
die Unzuverlässigkeit der Karte und die daraus resultirende Unsicherheit für
die Navigirung ohne Lootsen zu konstatiren.
Bei den Inseln zwischen Pard und der Spitze Musqueiro fallen die Nord-
spitzen der Bänke bei Niedrigwasser schon weit hinaus trocken und sind theil-
weise bereits mit Grün bedeckt, die Bank bei der Spitze Musgueiro scheint. an