Ueber Störungen des Passates in dem südwestlichen Theil des
Südatlantischen Oceans und im Indischen Ocean.
Von Herm. Haltermann.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Mit einer Tafel,
Von den beiden Passaten des Atlantischen Oceans ist der SE-Passat
der stärker und regelmässiger wehende Wind. Man würde indessen ein falsches
Bild von der Wirklichkeit erhalten, wollte man annehmen, dass derselbe inner-
halb seiner normalen Grenzen in der ganzen Breite des Südatlantischen Oceans
überall gleich beständig wehe. In der That herrscht er nur in einem etwa 1000 Sm
breiten Streifen, dessen Mittellinie annähernd vom Kap der Guten Hoffnung über
St. Helena zur Linie führt, mit solcher Regelmässigkeit und Stärke, dass diese
hier gefundenen Eigenschaften hinreichen, dem ganzen Gebiete des SE-Passats
das Uebergewicht über den NE-Passat zu verleihen.
Fast das ganze Jahr hindurch weht im Südatlantischen Ocean der Passat
nicht allein bis zur Linie, sondern er reicht während des grössten Theils des
Jahres noch eine gute Strecke über den Aequator in die nördliche Hemisphäre
hinüber. Nur im Monat März, weniger im Februar und April, kommt es
häufig vor, dass derselbe schon südlich der Linie endet und der sonst nur
in Nordbreite liegende Stillengürtel sich nach 2—3° $S-Br hin erstreckt,
Oestlich und westlich von der Rogion des frischen Passates giebt es Theile des
Südatlantischen Oceans, in denen theils der SE-Passat gar nicht, theils sehr
unregelmässig weht. Dort herrscht längs der Westküste Afrikas das ganze
Jahr hindurch, in mancher Hinsicht den Windverhältnissen an Südamerika’s
Westküste ähnlich, ein südlicher bis südsüdwestlicher Wind, dessen Ausdehnung
meerwärts sich weiter hinaus erstreckt, je mehr die Breite abnimmt und je
stärker der südwestliche Monsun nördlich der Linie herrscht. Und hier im
westlichen, besonders aber im südwestlichen Theile des Passatgebietes,
herrschen im Gegensatze zum erwähnten, regelmässigen SE-Passat, meistens
unbeständigere, wenn auch noch vorherrschend östliche Winde. In der Nähe
der Ostküste von Brasilien ändert sich übereinstimmend mit den Windver-
hältnissen von Madagaskar's Ostküste die Richtung monsunähnlich, von einer
nördlich von Ost liegenden zu einer südöstlichen, je nachdem die Sonne die
weiten Ebenen südlich der grossen Wälderzone Südamerika’s stark erhitzt hat,
oder dieselben, verursacht durch die Wendung der Sonne in ihrer Bahn nach
Norden, abgekühlt werden. Die Richtung des Passates folgt hier eben dem
Laufe der Sonne; jedoch erstreckt sich dieser Wechsel nur bis nach 20° S-Br,
oder auch bis zur Breite des Kap Frio. Südlich von der Breite des letzteren
weht, aber auch nur bis zu einer gewissen Entfernung von der Küste, das
ganze Jahr hindurch ein nordöstlicher Wind, der, im südlichen Sommer
sich ununterbrochen bis zur Mündung des La Plata, im Winter freilich mit
häufigen Unterbrechungen und nur ganz nahe der Küste, bis nach etwa
28° S-Br erstreckt. Indessen verdient dieser lokale Küstenwind nicht mehr
den Namen eines Passates. Und in dem zunächst ostwärts von dieser Küsten-
Z0Nn© zwischen .20°—30° S-Br liegenden Theile des Meeres, in welchem eigentlich
noch der Passat herrschen sollte, ereignen sich so häufig Störungen und Unter-
brechungen desselben, dass man dort gleichfalls von einem beständigen Passat
gar nicht sprechen kann. Auf diese für die regelmässige Navigation so
ausserordentlich störenden Anomalien aufmerksam zu machen, ist der Zweck
dieser nachfolgenden Abhandlung.
Es ist allgemein bekannt, dass die Passatregionen fast überall auf der
Erde mehr oder weniger Störungen und Unterbrechungen ausgesetzt sind; sehr
wahrscheinlich ist es, dass dieselben nirgends ganz frei davon sind. Oft
Ann. d. Hydr., 1878, Heft II (März).