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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

Ueber Störungen des Passates in dem südwestlichen Theil des 
Südatlantischen Oceans und im Indischen Ocean. 
Von Herm. Haltermann. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) 
Mit einer Tafel, 
Von den beiden Passaten des Atlantischen Oceans ist der SE-Passat 
der stärker und regelmässiger wehende Wind. Man würde indessen ein falsches 
Bild von der Wirklichkeit erhalten, wollte man annehmen, dass derselbe inner- 
halb seiner normalen Grenzen in der ganzen Breite des Südatlantischen Oceans 
überall gleich beständig wehe. In der That herrscht er nur in einem etwa 1000 Sm 
breiten Streifen, dessen Mittellinie annähernd vom Kap der Guten Hoffnung über 
St. Helena zur Linie führt, mit solcher Regelmässigkeit und Stärke, dass diese 
hier gefundenen Eigenschaften hinreichen, dem ganzen Gebiete des SE-Passats 
das Uebergewicht über den NE-Passat zu verleihen. 
Fast das ganze Jahr hindurch weht im Südatlantischen Ocean der Passat 
nicht allein bis zur Linie, sondern er reicht während des grössten Theils des 
Jahres noch eine gute Strecke über den Aequator in die nördliche Hemisphäre 
hinüber. Nur im Monat März, weniger im Februar und April, kommt es 
häufig vor, dass derselbe schon südlich der Linie endet und der sonst nur 
in Nordbreite liegende Stillengürtel sich nach 2—3° $S-Br hin erstreckt, 
Oestlich und westlich von der Rogion des frischen Passates giebt es Theile des 
Südatlantischen Oceans, in denen theils der SE-Passat gar nicht, theils sehr 
unregelmässig weht. Dort herrscht längs der Westküste Afrikas das ganze 
Jahr hindurch, in mancher Hinsicht den Windverhältnissen an Südamerika’s 
Westküste ähnlich, ein südlicher bis südsüdwestlicher Wind, dessen Ausdehnung 
meerwärts sich weiter hinaus erstreckt, je mehr die Breite abnimmt und je 
stärker der südwestliche Monsun nördlich der Linie herrscht. Und hier im 
westlichen, besonders aber im südwestlichen Theile des Passatgebietes, 
herrschen im Gegensatze zum erwähnten, regelmässigen SE-Passat, meistens 
unbeständigere, wenn auch noch vorherrschend östliche Winde. In der Nähe 
der Ostküste von Brasilien ändert sich übereinstimmend mit den Windver- 
hältnissen von Madagaskar's Ostküste die Richtung monsunähnlich, von einer 
nördlich von Ost liegenden zu einer südöstlichen, je nachdem die Sonne die 
weiten Ebenen südlich der grossen Wälderzone Südamerika’s stark erhitzt hat, 
oder dieselben, verursacht durch die Wendung der Sonne in ihrer Bahn nach 
Norden, abgekühlt werden. Die Richtung des Passates folgt hier eben dem 
Laufe der Sonne; jedoch erstreckt sich dieser Wechsel nur bis nach 20° S-Br, 
oder auch bis zur Breite des Kap Frio. Südlich von der Breite des letzteren 
weht, aber auch nur bis zu einer gewissen Entfernung von der Küste, das 
ganze Jahr hindurch ein nordöstlicher Wind, der, im südlichen Sommer 
sich ununterbrochen bis zur Mündung des La Plata, im Winter freilich mit 
häufigen Unterbrechungen und nur ganz nahe der Küste, bis nach etwa 
28° S-Br erstreckt. Indessen verdient dieser lokale Küstenwind nicht mehr 
den Namen eines Passates. Und in dem zunächst ostwärts von dieser Küsten- 
Z0Nn© zwischen .20°—30° S-Br liegenden Theile des Meeres, in welchem eigentlich 
noch der Passat herrschen sollte, ereignen sich so häufig Störungen und Unter- 
brechungen desselben, dass man dort gleichfalls von einem beständigen Passat 
gar nicht sprechen kann. Auf diese für die regelmässige Navigation so 
ausserordentlich störenden Anomalien aufmerksam zu machen, ist der Zweck 
dieser nachfolgenden Abhandlung. 
Es ist allgemein bekannt, dass die Passatregionen fast überall auf der 
Erde mehr oder weniger Störungen und Unterbrechungen ausgesetzt sind; sehr 
wahrscheinlich ist es, dass dieselben nirgends ganz frei davon sind. Oft 
Ann. d. Hydr., 1878, Heft II (März).
	        
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