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Full text: 67, 1939

I. Allgemeine Gesichtspunkte, 
Grundsätzlich ist festzustellen, daß durch jede, auch die beste Grenze Be- 
nachbartes und Zusammengehöriges. zerrissen wird und daß es unmöglich ist, 
eine allen praktischen Bedürfnissen entsprechende Grenzziehung in den Ozeanen 
zu finden. Die Einteilung des Weltmeeres kann daher nur nach wissenschaft- 
lichen Gesichtspunkten vorgenommen werden und muß erstens von der Küsten- 
konfiguration der Kontinente und der Lage der Inseln und zweitens vom sub- 
marinen Relief, das heißt dem Verlauf der unterseeischen Rücken und Schwellen 
ausgehen. Weiterhin ergibt sich die Tatsache, daß wir es im Weltmeere mit 
Grenzen verschiedenen Gewichts zu tun haben. Man kann im wesentlichen vier 
Ordnungen unterscheiden, und zwar: 
l. Grenzen erster Ordnung: die Hauptgrenzen der drei großen Ozeane 
{einschließlich ihrer Nebenmeere) gegeneinander; 
Grenze zweiter Ordnung: der Äquator in den drei offenen Ozeanen, 
welcher den nordhemisphärischen Teil vom südhemisphärischen trennt; 
Grenzen dritter Ordnung: die Grenzen der Nebenmeere, welche 
Jurch Meeresengen, Inselketten oder schließlich auch durch hochauf- 
ragende unterseeische Rücken bzw. Schwellen morphologisch verhältnis- 
mäßig klar und eindeutig definiert sind; 
Grenzen vierter Ordnung: die morphologisch nicht eindeutig fest- 
zulegenden und daher nur unbestimmten Begrenzungen von Teilgebieten 
der Ozeane und Meere, die eine Sonderbezeichnung tragen. 
Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, daß einige Teilgebiete der Ozeane 
im wissenschaftlichen und nautischen Sprachgebrauch eine Sonderbenennung 
gefunden haben, ohne daß es möglich wäre, hierfür auch nur angenähert eine 
Begrenzung kartographisch festzulegen. 
II. Grenzen der Ozeane gegeneinander. 
Die Hauptgrenzen der drei Ozeane (einschließlich der Nebenmeere) sind in 
erster Linie durch die Kontinente gegeben. Schwierigkeiten bietet die Grenz- 
bestimmung nur dort, wo die Ozeane in freier Verbindung stehen, das ist vor 
allem südlich der Südspitzen der Kontinente Afrika, Südamerika und Australien. 
Es ist bereits 1845 von einer Kommission der Kgl. Geographischen Gesellschaft 
in London beschlossen worden‘!), hier im Süden mangels eindeutiger morpholo- 
gischer Grenzen die drei von den Südspitzen der Kontinente ausgehenden 
Meridiane des Kap Hoorn, des Kap Agulhas und des Südkap von Tasmanien als 
konventionelle Grenzen anzusehen und durch die beiden Polarkreise im Süden 
und Norden einen selbständigen Antarktischen Ozean und einen selbständigen 
Arktischen Ozean abzugrenzen. Mehr und mehr hat sich dann aber in der 
Wissenschaft die Auffassung durchgesetzt, daß es keine selbständigen Polar- 
ozeane gibt, da die Polarkreise weder den morphologischen noch den physika- 
lisch-ozeanographischen Verhältuissen entsprechen. Man bedenke nur, daß bei 
einer solchen Grenzziehung im Norden das Europäische Nordmeer in zwei 
Hälften zerschnitten wird, und im Süden, da Antarktika den südlichen Polar- 
kreis vielfach erreicht und ihn stellenweise sogar nach Norden überschreitet, 
nur Buchten und Randmeere des „Südpolarmeeres“ übrigbleiben. Man ist daher 
in der Wissenschaft und in der Nautik übereingekommen, das Nordpolarmeer 
nach Süden durch die Grönland—-Spitzbergen-Schwelle (Nansen-Schwelle) und 
die engste Stelle des Robeson-Kanals in 81° bis 83° N zu begrenzen und es in 
seiner Gesamtheit lediglich als ein Nebenmeer des Atlantischen Ozeans anzu- 
sehen, Hiernach reicht der Atlantische Ozean nach Norden über den Nordpol 
hinaus bis zur Beringstraße, deren arktischer Ausgang die Grenze zwischen dem 
1) Der Wortlaut dieses Beschlusses ist erst 1893 im Geographical Journal, London 1893, I, 
S, 535. unter dem Titel „Nomenclature of the oceans“ veröffentlicht worden. 
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