Eckel, O.: Mittlere dreistündige Luftdruckänderungen z. d, Tagesterminen d, intern. Wetterdienstes, 161
Mittlere dreistündige Luftdruckänderungen zu den Tagesterminen
des internationalen Wetterdienstes.
Von Otmar Eckel, Wien,
(Hierzu Tafeln 22 und 23.)
Die täglichen Wettertelegramme enthalten neben dem Absolutwert des Luft-
drucks auch dessen dreistündige Änderungen zu den synoptischen Zeiten 8.14
und 19 Uhr. Diese sogenannten Luftdrucktendenzen würden als prognostisches
Hilfsmittel an Wert gewinnen, wenn sie nur unperiodische Änderungen des Luft-
drucks anzeigen würden. Doch steckt in ihnen, wie bekannt, auch der periodi-
sche Anteil des täglichen Luftdruckganges, dessen Größe je nach der Jahreszeit,
dem Witterungscharakter und der Lage des Ortes verschieden ausfällt.
Hier wurde der Versuch unternommen, Mittelwerte der periodischen
täglichen Luftdruckänderungen ohne Rücksicht auf eine besondere Wetterlage
für ganz Europa zu geben. Hierzu wurden die ausgewerteten täglichen Luft-
druckgänge aller nur erreichbaren Stationen nach Jahreszeiten zusammengefaßt
und aus ihnen die uns interessierenden Druckänderungen für die Zeiten 5 bis
8 Uhr, 11 bis 14 Uhr und 16 bis 19 Uhr entnommen !).
Das Aufsuchen des Zahlenmaterials war dadurch wesentlich erleichtert, daß
mittlere Tagesgänge des Luftdrucks aus vielen Orten Europas von Hann,
Angot, Rykatschew, Defant usw. für andere Untersuchungen gesammelt und
in extenso veröffentlicht worden sind. Ergänzungen konnten aus den Jahr-
büchern der einzelnen Länder gemacht werden. Insgesamt standen ungefähr 90
europäische Stationen zur Verfügung, deren Namen in Tabelle 1 zusammengestellt
sind, um dem Leser auch ein Bild über ihre Dichte in gewissen Gebieten zu
geben. Es war nicht möglich, solche ausgewertete Luftdruckgänge aus gleichen
und gleichlangen Zeiträumen für alle Orte zu finden; im Durchschnitt wurden
etwa 5 bis 10 Jahre verwendet. Nach Hann hat dieser Mangel keinen besonders
störenden Einfluß; auch bei unseren Untersuchungen hat er sich nicht stark
bemerkbar gemacht.
Man könnte denken, daß durch die Mittelung der Luftdruckgänge über alle
Witterungsperioden (heitere und trübe Tage) die charakteristischen Merkmale
des täglichen Ganges verlorengehen. Dies trifft aber nicht zu. Es liegen für
etliche Orte des Kontinents ausgewertete Luftdruckgänge aus heiteren und trüben
Tagen vor. Wenn sich in Gebirgsgegenden, und hier besonders in der warmen
Jahreszeit, wesentliche Unterschiede zeigen, so liegen diese hauptsächlich in der
Amplitude; die Phasenverschiebungen sind nicht so groß, daß sie zu den von
uns betrachteten Terminen entgegengesetzte Tendenzen erzeugen würden. Im
Durchschnitt betragen die dreistündigen Druckänderungen an heiteren Tagen
150 bis 300%, des Mittelwertes, an trüben Tagen 40 bis 90%.
Das Ergebnis der Untersuchung wurde in zwölf Karten eingezeichnet, von
denen jede die mittlere Luftdruckänderung für einen bestimmten Termin und
eine bestimmte Jahreszeit angibt. Die Orte gleicher Änderung sind durch Iso-
linien untereinander ‚verbunden. Da die Wettertelegramme die dreistündigen
Luftdruckänderungen in Fünftel-Millibar bringen, so wurde dieser Wert den Dar-
stellungen als Einheit zugrunde gelegt.
Beim Anblick der Karten fällt uns außer dem Gegensatz von Süd- und
Nordeuropa, von Meer und Festland, von Niederung und Gebirge (in den Pyrenäen
und Karpaten wegen Mangel an Stationen nicht gut erfaßbar) noch manch andere
Eigentümlichkeit auf. Wir finden z. B. eine merkwürdige Einbuchtung der
Isallobaren (5 bis 8 Uhr) im Gebiet von Polen bis zu den Alpen, eine andere
im Rhonetal. Ferner sehen wir in den Anderungskarten (11 bis 14 Uhr), daß
die mittleren Drucktendenzen im Winter keineswegs ein geringeres Ausmaß an-
nehmen als im Sommer. In den Änderungskarten (16 bis 19 Uhr) erscheinen uns die
1) Die angegebenen Zeiten (M. E. Z.) gelten genau nur für jene Orte, welche um den 15, Meridian
ö. v. Gr. liegen. Für andere Orte mußte die Beobachtungszeit auf die mittlere Ortszeit bezogen
werden. Die Beobachtungstermine der einzelnen Länder wurden dem Flugfunkwetter des Reichsamtes
für Wetterdienst entnommen.
Ann. d. Hydr. usw. 1937. Helt IV.