3.5 Salzgehalt
Nordseezustand 2004
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3.5 Salzgehalt
Der Salzgehalt der Nordsee ist abhängig vom Einstrom salzreichen atlantischen Was
sers mit Salzgehalten über 35 (Practical Salinity Units) sowie von erheblichen Süß
wassereinträgen der Flüsse. Die nordöstlichen Seegebiete im Bereich des Skagerrak
und der Norwegischen Rinne sind innerhalb einer relativ dünnen Oberflächenschicht
vom niedrigen Salzgehalt des Baltischen Ausstroms geprägt. Der Süßwassereintrag
durch Niederschlag über der Nordsee wird weitgehend durch Verdunstung kompen
siert.
Zunächst werden die beobachteten saisonalen geographischen Salzgehaltsverteilun
gen für das Jahr 2004 gemeinsam mit der sommerlichen Salzgehaltsschichtung der
Nordsee diskutiert. Besonderheiten in den nördlichen Randbedingungen zum Atlantik
werden im anschließenden Unterkapitel anhand von Zeitserien und Messungen auto
nomer Treibkörper des ARGO-Programms erörtert (www.argo.net). Schließlich wer
den die wiederum ungewöhnlich geringe Wasserführung der Elbe und der Jahresgang
des Salzgehalts bei Helgoland Reede untersucht.
3.5.1 Salzgehaltsverteilungen
Für die Analyse der Salzgehaltsbedingungen der Nordsee im Jahr 2004 lagen Daten
aus dem Winter (ICES / International Bottom Trawl Survey, FS Gauß / Reisen
#412 & #414) und aus dem Sommer (FS Gauß / Reise #425) vor. Die geographischen
Verteilungen des Salzgehaltes in Oberflächen- und Bodennähe sind für beide Jahres
zeiten in Abb. 3-28 dargestellt. Sowohl im Winter, als auch im Sommer 2004 war die
nördliche und zentrale Nordsee großräumig mit Wasser atlantischen Ursprungs gefüllt
(Salzgehalte > 35), dessen Salzgehalt nördlich 58° N im Gegensatz zum Vorjahr sogar
35.25 überstieg.
Der auf das Nordseegebiet bezogene prozentuale Flächenanteil von Atlantikwasser in
Bodennähe ist in Tab. 3-10 für den Zeitraum 1998 - 2004 gemeinsam mit dem Winter
NAO-Index zusammengestellt. Danach hat sich der Einfluss des Atlantik nach einem
Minimum im Winter 2002 erheblich verstärkt. Der Einfluss der NAO auf die Stärke des
atlantischen Einstroms scheint nach der Datenlage weniger klar, als von Janssen
(2002) formuliert. Die Korrelationen mit dem Winter NAO-Index haben sich sowohl für
die Meeresoberflächentemperatur, als auch für den Wärmeinhalt der Nordsee seit
1994 drastisch reduziert (Loewe et al. 2005), so dass ein weiterhin starker Zusam
menhang für andere geophysikalische Variablen aus der gleichen Region eher er
staunlich wäre. Die starke Häufung von NW-Wetterlagen über dem Nordseeraum (vgl.
Abschnitt2.2.3, S. 40), fast unverändert hohe Salzgehalte im >Fair-Isle Current< (s. u.
Abschnitt 3.5.2, S. 108) und die prononcierte Zyklonalität der Strömungsfelder (Abb. 3-1,
S.65) stehen hingegen in direktem ursächlichen Zusammenhang zur beobachteten
Zunahme des Salzgehalts in der Nordsee.
Außer in den durch Süß- oder Brackwassereinträge beeinflussten Seegebieten - also
vor den Mündungen großer Flüsse sowie über der Norwegischen Rinne infolge des
Baltischen Ausstroms (Abb. 3-28) - bilden sich ausgeprägte Salzgehaltsschichtungen
in der Nordsee kaum aus (Abb. 3-29). Die Bodenwasserschicht ist durch die saisonale
Thermokline von der Deckschicht entkoppelt, so dass sowohl die winterlichen Boden
wassertemperaturen, als auch die bodennahen Salzgehaltsbedingungen bis in den
Sommer nur geringen Änderungen unterworfen sind (Abb. 3-28, rechts).