gehören die Norddeutsche Seewarte und ihre Nachfolgeinstitutionen zu Hamburg. Sie trugen
und tragen dazu bei, daß Hamburg Deutschlands maritimes Zentrum ist. Die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter leisten für die Seeschiffahrt und auch für Hamburg wichtige Arbeit. Dafür
spreche ich ihnen meinen Dank und meine Anerkennung aus.
Die Gründung der Norddeutschen Seewarte vor 125 Jahren war kein staatlicher Verwal-
tungsakt, sondern echte Privatinitiative! Der Gründer: Wilhelm von Freeden, Seefahrtschullehrer
aus Elsfleth, Wilhelm von Freeden wurde unterstützt von den Handelskammern Bremen und
Hamburg sowie von 28 Reedern. Unter ihnen legendäre Namen: Laeisz, Woermann, Godeffroy,
Bolten, O’Swald.
Wilhelm von Freeden hatte ein betriebs- und volkswirtschaftlich überaus vernünftiges Ziel
vor Augen. Es ging ihm um Wirtschaftlichkeit auf den Seewegen, also um Kostensenkung, aber
es ging auch um mehr Sicherheit. Er erkannte: Wirtschaftlichkeit und Sicherheit dürfen nicht
getrennt werden, Das gilt unverändert. Heute ist Sicherheit auf den Seewegen noch um einen
zusätzlichen Aspekt zu erweitern, nämlich um den Aspekt der ökologischen Sicherheit. Die
Jüngsten Tankerunglücke vor Spanien und vor den Shetlands haben das erneut gezeigt.
Die Seewarte — als Ein-Mann-Betrieb gegründet und auch später nur mit wenigen Assisten-
ten betrieben — erzielte schnell volkswirtschaftlichen Nutzen und gewann großes Ansehen unter
den Experten im In- und Ausland.
Schon 1870 wurde die Seewarte vom Norddeutschen Bund und ab 1871 vom Deutschen
Reich unterstützt. Daher benannte von Freeden sein Institut 1872 in Deutsche Seewarte um.
Am 1. Februar 1875 ging die — bisher private — Deutsche Seewarte in die reichseigene Deutsche
Seewarte über. Die Seewarte erhielt ein eigenes markantes Gebäude. Am 14. September 1881
wurde das Gebäude in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm eingeweiht. An exponierter Lage auf
dem Stintfang, unverwechselbar mit seinen charakteristischen vier Ecktürmen. Die Seewarte
wurde Wahrzeichen von Hafen und Stadt, bis es in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges
den Bomben zum Opfer fiel.
1945 gingen die nautischen, hydrographischen und meereskundlichen Tätigkeitsgebiet der
Deutschen Seewarte auf das Deutsche Hydrographische Institut (DHI), seit 1. 7. 1990 Bundesamt
für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) über, während die meteorologischen Arbeiten vom
Seewetteramt des Deutschen Wetterdienstes weitergeführt werden. Die staatlichen Funktionen
auf nautischem, hydrographischem und ozeanographischem Gebiet sind in einem Institut zusam-
mengefaßt. Ein Ziel, das bereits Wilhelm von Freeden vor Augen gehabt hatte.
Meine Damen und Herren,
lassen sie mich kurz auf einen Punkt eingehen, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des BSH in den vergangenen Monaten sehr bewegt hat: eine mögliche Teilverlagerung des BSH.
Zunächst: Mit der Deutschen Einheit verändert sich vieles. Nicht nur im Osten, auch im
Westen kann nicht alles so bleiben, wie es war. Der Westen muß den Aufbau in den neuen
Ländern in vielerlei Hinsicht unterstützen. Wir müssen und wollen teilen. Es steht daher völlig
außer Frage, daß die neuen Länder wichtige Bundeseinrichtungen erhalten müssen — immer
dann, wenn eine Verlagerung sinnvoll, nämlich von der Sache her überzeugend ist. Solche
Möglichkeiten liegen für einige Bundesinstitutionen in Hamburg auf der Hand; niemand hätte
ein Wort dagegen sagen können. In Ihrem Fall aber fehlt es an Sachgerechtigkeit. Das einzige
international bedeutsame maritime Zentrum Deutschlands — Hamburg — sollte nicht ausgehöhlt
werden. Es ist nicht das erste Mal, daß man sich Gedanken um eine Verlegung des Instituts
macht. 1872 ging es um den Vorläufer des BSH, um das seinerzeitige „Reichsinstitut‘“. Schon
damals mahnten sachkundige Leute: „Laßt das Institut in Hamburg!“ Die Sachargumente haben
damals letztendlich überzeugt.
Ich wünsche mir, daß es in Zukunft so bleibt. Die Aufgabenverteilung zwischen Hamburg
und Rostock ergibt sich ganz von selbst: hier der Bereich Atlantik/Nordsee — dort der Ostseebe-
reich.
Für die nächsten 125 Jahre wünsche ich dem BSH, dem Seewetteramt und deren Mitarbeiter-
innen und Mitarbeitern Glück und Erfolg.
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