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Full text : Jahresbericht 1875-1878

26

Es  leuchtet  ein,  dass  dieser  Raum,  der  bei  einer  so  wichtigen  Sache,  wie  die  Aufbewahrung,  Prüfung
und  Vergleichung  von  Barometern  unzweifelhaft  für  ein  wissenschaftliches  Institut  ist,  in  Verwendung  kommt,
den  zu  stellenden  Anforderungen  hei  Weitem  nicht  entsprechen  kann.  Weder  ist  derselbe  hell  und  luftig
genug,  noch  erfüllt  er  die  wesentlichste  Bedingung,  die  Bewahrung  einer  gleichmässigen  Temperatur  und
der  Trockenheit  der  Luft,  in  wünschenswerthem  Maasse.  Allein,  da  im  Seemannshause  kein  anderer  Raum
für  diesen  Zweck  zur  Verfügung  gestellt  werden  konnte,  so  blieb  nichts  übrig,  als  in  möglichst  guter
Weise  diesen  Raum  verwendbar  zu  machen.  Vor  Allem  galt  es  den  Grad  der  Feuchtigkeit  beträchtlich  zu
reduziren,  damit  das  Rostigwerden  der  feinen,  daselbst  aufgestellten  Instrumente  auf  ein  Minimum  herabgebracht ­
  werde.  Dies  wurde  dadurch  bewirkt,  dass  ein  konstanter  Luftzug  in  der  Nähe  der  Decke  durch
das  Zimmer  hergestellt  wurde.  Zu  diesem  Ende  musste  die  Thür  durchbrochen  und  zwei  Ventile  oben  im
Fenster  angebracht  werden.  Wenn  diese  Einrichtung  nun  auch  zum  Theil  den  Uebelständen  abgeholfen  hat,
so  war  damit  der  Nachtheil  verknüpft,  dass  nunmehr  durch  die  Oeffnung  in  der  Thüre  die  Einflüsse  der
Temperatur,  welche  innerhalb  der  naheliegenden  Küchenräume  und  des  Korridors  beträchtlich  schwankt,
weniger  ausgeschlossen  werden  konnten.
Mit  Beziehung  auf  diesen  letzten  Punkt  mögen  hier  einige  Zahlen  angeführt  werden,  welche  annähernd
ein  Bild  der  in  dem  Kellerzimmer  vorkommenden  Temperatur-Schwankungen  zu  gehen  vermögen.  Es  wurden
hierzu  die  Ablesungen  des  mit  dem  Barometer  verbundenen  Thermometers  benutzt,  wodurch  natürlich  nicht
erwiesen  werden  kann,  dass  nicht  grössere  Schwankungen  innerhalb  des  Raumes  Vorkommen.  Einmal
sind  diese  Aufzeichnungen  nur  zu  bestimmten,  mit  den  Extremen  der  Temperatur  nicht  zusammenfallenden
Stunden  gemacht,  sodann  werden  bei  der  Art  der  Anbringung  des  genannten  Thermometers  plötzliche  Aenderungen
  nicht  angezeigt  werden.  Es  müssten  für  den  Zweck  der  Notirungen  derselben  Thermographen  aufgestellt ­
  und  ab  gelesen  werden.  Allein,  wie  gesagt,  um  sich  im  Allgemeinen  ein  Bild  der  Temperaturverhältnisse ­
  des  Raumes  zu  machen,  können  folgende  Angaben  schon  ausreichen.

Differenzen  der  8 h  a.  m.  und  2 h  p.  m.  beobachteten  Temperaturen  für  die  Monate:

Jahre

Januar

Febr.

März

April

Mai

Juni

Juli

August

Sept.

Oktob.

Nov.

Dez.

Mittel

O

O

O

o

0

o

o

0

o

O

O

O

O

1876  .  .  .

2.9

9.1

3.3

3.4

2.6

5.1

6.1

7.5

3.8

8.9

7.4

11.1

5.9

1877  .  .  .

5.8

8.6

5.2

3.9

4.5

5.2

4.9

4.2

4.6

3.1

2.2

7.2

4.5

1878  .  .  .

2.6

3.2

4.6

5.7

4.3

5,4

3.1

3.6

4.3

5.2

4.1

5.2

4.3

Mittel

3.8

5.3

4.4

4.3

3.8

5.2

4.7

5.i

4.2

5.7

4.6

8.2

4.9

Grösste  überhaupt  während  der  drei  Jahre  beobachtete  Differenz  :  20.3°  C.

7.  Das  Kompass  -  Observatorium.
Das  Kompass-Observatorium  der  Deutschen  Seewarte  ist  im  Garten  des  Seemannshauses,  welcher
nach  Norden  von  demselben  liegt,  in  einer  solchen  Entfernung  von  allen  Gebäulichkeiten  und  sonstigen  störende
Einflüsse  ausübenden  Gegenständen  errichtet,  dass  eine  Beeinflussung  der  in  demselben  ausgeführten
Kompass-Vergleichungen  und  magnetischen  Beobachtungen  nicht  zu  fürchten  ist  und  bisher  auch  nicht
nachgewiesen  werden  konnte.  Jedenfalls  sind  die  Störungen,  wenn  sie  vorhanden  sind,  so  unerheblicher
Natur,  dass  sie  bei  den  Kompass-Vergleichungen  ganz  ausser  Beachtung  bleiben  können.  In  wie  weit  das
Kompass  -  Observatorium  auch  für  die  Ausführung  magnetischer  Beobachtungen  zum  Zwecke  der  Bestimmung ­
  der  Werthe  der  Elemente  des  Erdmagnetismus  ausreichte,  soll  hier  nicht  untersucht  werden,  nur
soviel  mag  erwähnt  werden,  dass  die  in  demselben  von  Zeit  zu  Zeit  ausgeführten  Bestimmungen  der  magnetischen ­
  Elemente  Resultate  ergeben,  welche  von  jenen,  die  aus  Beobachtungen  an  nicht  zu  beanstandenden
Punkten  in  der  Nähe  Hamburgs  gemacht,  abgeleitet  wurden,  nicht  in  einem  solchen  Grade  abweichen,
dass  ein  störender  Einfluss  vermuthet  werden  könnte.
Das  Kompass-Observatorium  ist  ein  über  einem  achteckigen  Grundplane  erbauter  Pavillon  von
solchen  Dimensionen,  wie  sie  aus  den  nebenstehenden  Figuren  5  und  6  entnommen  werden  können.  Die
Wände  sind  doppelt:  die  äussere  Wand  ist  aus  Holz,  die  innere  aus  einer  Planke,  welche  mit  Mörtel  ver-
            
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