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benutzt wurde, der Schleppdampfer „Neptun“. Die von Herrn L. von Bremen
in Kiel gelieferten Taucherapparate erwiesen sich als vorzüglich.‘
Die gezangten Steine wurden zum gröfsten Theile auf tiefem Wasser
wieder versenkt; nur wenn sich Gelegenheit bot, und keine Zeitversäumnifs für
die Arbeit hierdurch zu befürchten war, wurden Steine an Land geschafft und
dort verkauft.
Die Abnahme der gezangten Steine erfolgte in der Art, dafs beim Löschen
derselben jeder einzelne Stein durch einen Aufseher seinem wirklichen kubischen
Inhalte nach vor der Wiederversenkung auf tiefem Wasser, oder vor der Weg-
schaffung an Land gemessen ‚wurde, so dafs also die Gesammtsumme der ge-
messenen Kubikmeter den wirklichen Rauminhalt des gehobenen Materials,
nicht aber den kubischen Inhalt der Steine in ihrer Lage in den Riffen,
mit den Zwischenräumen gemessen, repräsentiren, der natürlich erheblich
größer ist.
Die Witterungsverhältnisse während der Arbeiten waren keine sehr
günstigen, namentlich waren sie sehr ungünstig im Monat Juli und im gröfsten
Theile des September, Berechnet man die wirklichen Arbeitstage zu 12 Stunden,
so ergeben sich für die 698 Arbeitsstunden in der Zeit von Anfang Mai bis 1.Oktober
rund 58 Arbeitstage, also in 5 Monaten je 11,6 Arbeitstage per Monat.
. Herr Wasser-Bauinspektor Weinreich giebt in seinem Bericht nach-
stehende zusammenfassende Uebersicht über die Ergebnisse der von ihm ge-
Jeiteten Räumungsarbeiten auf den flachen Stellen des Adler-Grundes.
„Als Resultat der Wegräumungsarbeiten ergiebt sich das Quantum von
5187,2 kbm Granitsteinen, welche in den Riffen mit dem Luftraum gemossen,
einen kubischen Raum: von rot. 6900 kbm repräsentiren. Nach den bei den
ans Land geschafften Steinen angestellten Ermittelungen ergab sich nämlich,
dafs 139,4 kbm Granitsteine einen kubischen Raum von 184 kbm repräsentirten,
also jeder Kubikmeter rot. 1,32 kbm im Riff gemessen.
Auf dem grofsen Riff und dem Riff III, bei welchen sich Tiefen unter
5m vorfanden, und auf welche sich die Arbeiten im Sommer 1879 lediglich
koncentrirten, sind die Steine so weit abgeräumt, dafs nirgend weniger als 6m
Wassertiefe bei Schlufs der Arbeiten vorgefunden wurde. Die von diesen beiden
Riffen abgeräumten Steinquantitäten betragen resp. 4841,4 kbın und 345,8 kbm.
Auf allen übrigen Riffen wurden Tiefen unter 6m nicht gefunden und Steine
von ihnen nicht weggeräumt, um die Arbeit nicht zu zersplittern.
Die Gröfse der gehobenen Steine varlirte sehr; eine Anzahl war. so klein,
dafs sie mittelst eigens dazu gefertigter Steinkörbe gehoben werden mulsten,
während andererseits Steine in Gröfse von 3 bis 4kbm Inhalt oft vorkamen.
Der gröfste, durch zwei Fahrzeuge gemeinschaftlich gehobene Stein -hatto 6 kbm
Inhalt und mußte vor dem Versenken dreimal im Schiffsraum gesprengt werden.
Da das Gewicht. eines Kubikmeters festen Granits auf 46 Centner anzunehmen
ist, wog der oben erwähnte Stein 276 Coentner.
Eine wesentliche Erleichterung und Förderung der Arbeiten ergab sich
durch die Sprengungen mit Tonit, welches von der Schielsbaumwollfabrik
Walsrode bei Hamburg bezogen wurde. Nachdem in Gegenwart des Vertreters
dieser Fabrik, Herrn Max von Foerster, Ende Juni die ersten Versuche mit
diesem Sprengmaterial gemacht waren, wurden später vielfach Sprengungen
ausgeführt, und zwar weniger, um grofße Steine zu zerkleinern, als um die fest
in einander gelagerten und im festen Thonboden eingewachsenen Steine zu
lösen. Es hatte sich nämlich nach Entfernung der oberen Steinlagen des
grofsen Riffes herausgestellt, dafs der Kern dieses Riffs aus einem festen Thon-
3tock von stark mergelhaltigem Diluvialthon bestand, in welchem die unteren
Steinschichten eingebettet gefunden wurden, Die Wirkung des Tonit, welches in
Prismenform von 250g Gewicht geliefert, und von dem Ladungen von 4 bis 5kg für
eine Sprengung verwendet wurden, zeigte sich nicht blofs darin, dafs der Stein,
auf welchen die Sprengladung oben aufgelegt wurde, zertrümmert wurde, sondern
hauptsächlich darin, dafs alle fest im Thon gelagerten oder mit einander fest
1) Einzelne -Taucher arbeiteten wiederholt von 4* Morgens bis $h Abends, ako 14 Stunden
unter Wasser, was wohl eine ganz vorzügliche Leistung zu nennen ist,
Ann. d. Hydr., 1880, Heft YI (Juni).