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Abb. 6.17.2. Luftdrucklage über Europa und Windfeld über der südlichen Ostsee am 21.
Januar 2000 um 12 UTC
Hydrologische Reaktion des Wasserstandes
Am 17. Januar begannen die Wasserstände unter dem Einfluss eines auflandigen Sturms
mit nahezu konstanter Wndstärke im gesamten Verlauf der Küste zu steigen, zuerst an den
weiter östlich gelegenen Pegeln (in Kotobrzeg gegen Mitternacht) und kurz danach, um ca.
04 UTC, in Warnemünde, dann gegen 06 UTC auch in Wismar. Während die weiter östlich
gelegenen Pegel einen ziemlich gleichmäßigen Anstieg verzeichneten, schwankten die
Wasserstände im Westen erheblich infolge eines pulsierenden Druckgradienten über diesem
Gebiet und wegen des komplizierteren Verlaufs der Küstenlinie.
Der Anstieg dauerte etwa zwei Tage. Der Höchststand wurde am 18. Januar um 19 UTC in
Kotobrzeg erreicht (600 cm), drei Stunden später in Swinoujscie (600 cm) und Sassnitz (591
cm). Die Maxima in Warnemünde (608 cm ) und Wismar (608 cm) wurden am 19. Januar um
02 UTC gemessen. In den Abendstunden des 19. Januar begannen die Wasserstände
relativ schnell zu fallen, begünstigt durch den küstenparallelen, leicht ablandigen W-SW-
Sturm. Vor allem im westlichen Teil der Küste sanken die Minima bis auf 483 cm, gemessen
am 20. Januar um ca. 13 UTC. Der Wasserstand in Kotobrzeg fiel nur bis gegen 06 UTC und
fiel an diesem Pegel nicht unter 515 cm.
Kurz nach Mittag am 20. Januar begann unter dem Einfluss eines innerhalb des
Tiefdruckausläufers entstandenen W-NW-Sturms, der gegen Mitternacht am 21. Januar auf
N -NO drehte, ein erneuter Anstieg des Meeresspiegels. Dieses Mal wurde das ziemlich
steile Maximum zwischen 12 UTC und 14 UTC gemessen, und zwar in Kotobrzeg mit 596
cm, Wsmar 599 cm, Swinoujscie 597 cm und Warnemünde 589 cm. Nur der Höchststand
von 581 cm in Sassnitz erfolgte mit 6 Stunden Verzögerung. Während dieser 6 Tage
spiegelte ein relativ hoher Referenzwasserstands-Indikator von 545 - 559 cm die typischen
Bedingungen an der südlichen Ostseeküste wider. Die berechneten Werte schwankten
zwischen 529 cm am Morgen des 17. Januar und 551 cm am Morgen des 22. Januar.
Die erste Sturmflut dauerte 50 - 67 Stunden, die zweite 32 - 37 Stunden.
Die mittlere Anstiegsrate war nicht sehr hoch: sie schwankte zwischen 2 cm/h am 17. und
18. Januar und 3-5 cm/h am 20. und 21. Januar. Es gab allerdings einige abrupte
Wasserstandsschwankungen, vor allem im westlichen Teil der Küste: der anfängliche
sprunghafte Anstieg in Wsmar am 17. Januar zwischen 06 und 09 UTC lag über 16 cm/h,