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6.3 Januar 1978
Meteorologische Lage
Am 2. Januar 1978 erstreckte sich ein großes Tiefdruckgebiet mit Zentrum über der
Norwegischen See fast über das gesamte Gebiet Europas. An den Rändern des Tiefs bildete
sich am 3. Januar um 00 UTC östlich von Schottland ein Sekundärzentrum mit 994 hPa und
wanderte bald in südöstliche Richtung. Innerhalb eines Tages bedeckte es das ganze Gebiet
von der Nordsee über Dänemark und Südschweden bis zur südöstlichen Ostsee, und der
Druck war inzwischen um 12 hPa gefallen. Hinter dem Tief erstreckte sich ein
Hochdruckrücken von den Britischen Inseln über die Nordsee und Skandinavien.
Am 3. Januar entwickelten sich aufgrund der Zugbahn des Sturmzentrums, das ein
zyklonisches Windsystem innerhalb des Tiefs erzeugte, im westlichen und mittleren Teil der
Küste stürmische Wnde aus West, Südwest und z.T. Südost mit einer Stärke von 7-8 Bft, die
bis in die frühen Nachmittagsstunden des 3. Januar anhielten. Während das Tief nach Osten
weiterzog und die Kaltfront in südlicher Richtung die Küste überquerte, drehte der
Südweststurm scharf nach NW-N und erreichte im Mittel 7-9 Bft mit Böen bis zu 10 Bft. Am
Morgen des 4. Januar erreichte das Tiefdruckgebiet die Südwestküste von Litauen. Es
änderte bald die Richtung und am 4. Januar um die Mittagszeit begann sich das Zentrum
aufzufüllen, während es weiter nach Nordosten zog. Wegen des steilen Druckgradienten
über der Ostsee flaute der Sturm erst in den Frühstunden des 5. Januar ab.
Abb. 6.3.1. Zugbahn des Sturmtiefs vom 3. Januar 1978, 00 UTC bis 5. Januar 1978,
00 UTC; Luftdruckverhältnisse und Wndfeld über der Ostsee am 4. Januar, 18 UTC
Hydrologische Reaktion des Wasserstandes
Starke ablandige Wnde am 3. Januar trieben das Wasser von der Küste weg und ließen die
Wasserstände erheblich unter die Normalwerte fallen (436 cm in Wsmar, 16 UTC und
453 cm in Warnemünde, 14 UTC; nur knapp unter 500 cm im mittleren Bereich der Küste
zwischen 08 und 17 UTC). Als der Wnd auf die Küste zu drehte und aus Richtung NW-N
Sturmstärke erreichte, begann an der südlichen Ostseeküste ein langer Anstieg des
Wasserstandes. Der Anstieg erfolgte zunächst rasch, mit maximal 61 cm/h in Wsmar, 43
cm/h in Warnemünde und 24 cm/h in Swinoujscie. Darauf folgte eine ca. 12-stündige Phase,
in denen das Wasser langsamer stieg und im Warnbereich blieb, bis am 4. Januar um die
Mittagszeit die Höchststände in den mittleren Teilen der Küste und weiter westlich zwischen
19 und 22 UTC erreicht wurden.