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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

556 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1916, 
erweist, wird der Zusammenhang um so loser, ein je kürzerer Abschnitt des 
Jahres in Betracht gezogen wird. Trotzdem läßt sich selbst an dem Intervall 
von zwei Monaten und zwar denen der größten Abflußmenge noch eine ver- 
hältnismäßig starke Einwirkung auf den Salzgehalt von Jahr zu Jahr verfolgen, 
Die beiden Monate sind März und April, sie besorgen allein schon etwa ein Drittel 
der ganzen Jahresabfuhr des Elbwassers. Ordnen wir nach deren Abfuhrsumme 
unsere 15 Jahre, mit dem größten Wert beginnend, und stellen daneben das 
Salzgehaltmittel von April—Mai bei Helgoland, so ergibt sich die folgende 
Tabelle. 
Abflußmenge des Elbwassers, Salzgehalt bei Helgoland, 
Summe März— April Mittel April—Mai 
in Milliarden Kubikmeter, in Promille. 
l Mittel 9,8 
Jahr 
1900 
1895 
1897 
1898 
1901 
1907 
1906 
1893 
LS96 
1905 
1902 
1904 
1894 
L903 
1899 
31.50 
31.04 
29.52 
31.79 
32,06 
31.86 
30.64 
29.87 
258.94 
32.27 
32,02 
32,66 
32,58 
31.59 
31.96 
| Mittel 30.69 
PN 
A 
“3 
7 
) 
{ 
Mittel 7.4 
Mittel 31.06 
„ 
En 
Mittel 4,3 
Mittel 32.16 
) 
Danach entspricht einer Wasserabfuhr von 9 bis 11 Milliarden Kubikmeter 
ein Salzgehalt von 30.69 Promille, einer Abfuhrmenge von 6 bis 9 schon 31.06, 
und der Menge 3 bis 6 der Salzwert 32.16. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das 
Ergebnis sich noch verbessern ließe, wenn man den Phasenverzug variierte, etwa 
an Stelle eines Monats 3 oder 5 oder 6 Wochen setzen könnte. Doch verlohnt 
es kaum, dem weiter nachzugehen, Jedenfalls führten uns die vorstehenden 
Untersuchungen an Stelle der Reichardschen Anschauung der Unabhängigkeit 
beider Elemente zur Erkenntnis eines sogar recht engen Zusammenhangs derselben. 
Wir wenden uns zur zweiten Frage: Wie verhalten sich Wasserabfuhr und 
Salzgehalt in ihrem jährlichen Gang zueinander? Reichards Urteil lautet: 
»Eine stetige Beeinflussung des Salzgehaltes durch die Größe der Wassermenge 
Jäßt sich also auch hier nicht erkennen, es scheint aber doch klar zu sein, daß 
die großen Wassermassen, die die Elbe im Frühjahr der Nordsee zuführt, 
wenigstens im März und April, die Herabsetzung des Salzgehaltes in diesen 
Monaten bewirken; wahrscheinlich erstreckt sich die verdünnende Wirkung der 
Wassermengen des April bis in den Mai hinein. Warum von September bis 
Januar trotz steigender Wassermengen auch der Salzgehalt steigt, läßt sich nicht 
sagen.« Damit ist wenigstens die Annahme einer gewissen Abhängigkeit aus- 
gesprochen, wenn auch so gewunden, wie es das Kurvenbild Reichards eben 
nicht anders zuließ, Die Beziehung läßt sich aber auch in diesem Punkt be- 
stimmter und klarer herausholen durch die mehr angepaßte Vergleichsmethode, 
d, h. in diesem Fall durch Verschiebung beider Kurven um einen Monat gegen- 
einander, Da zeigt sich (Fig. 2) fürs erste, daß beide‘ im großen und ganzen 
ähnlichen Verlauf haben, wenigstens in dem Sinn ihrer Veränderungen von 
Monat zu Monat, wenn auch nicht im Grade derselben. Ferner fällt der beste 
Parallelismus, auch dem Grade nach, auf dasjenige Intervall, das die absolut 
größte Veränderung der Wassermenge bringt; die stärkste Zunahme dieser 
Größe nämlich ist die vom Februar zum März, und sie hat die stärkste Abnahme 
des Salzgehalts im Gefolge, nämlich die vom März zum April. Die großen 
Wassermengen des März und April bewirken die starke Herabsetzung des Salz- 
gehalts nicht »in diesen Monaten« (der Salzwert im März ist noch recht hoch), 
1) Der Wert für April 18968 in Reichards Tabelle V heruht offenbar auf einem Druckfehler, 
statt 28.14 muß er heißen 29.14
	        
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