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Full text: 38: Nordseezustand 2003

3 Physikalische Ozeanographie 
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Nordseezustand 2003 
3.1 Strömungen 
Die vorherrschenden Strömungen in der Nordsee bilden ein großräumiges zyklonales 
Zirkulationsmuster. Das am NW-lichen Rand mit dem Fair-Isle Strom eintretende at 
lantische Wasser durchströmt dabei das Nordseebecken im Gegenuhrzeigersinn, um 
es als Norwegischer Strom über der Norwegischen Rinne wieder zu verlassen (Klein 
et al. 1994, Otto et al. 1990, Müller-Navarra und Mittelstaedt 1987). 
Die Intensität der Nordseezirkulation wird von der großräumigen atmosphärischen Zir 
kulation über dem Nordatlantik und der Nordsee selbst gesteuert. Sie unterliegt darum 
ebenfalls erheblichen saisonalen Schwankungen (s. u.), die sich auch in jahreszeitli 
chen Veränderungen des Volumentransports von Atlantik- und Ostseewasser in die 
Nordsee zeigen (Abschnitt3.1.2,5.48). Schließlich wird im Abschnitt3.1.3,5.49 eine Klas 
sifizierung der täglichen Reststrommuster in der Deutschen Bucht für das Jahr 2003 
präsentiert, die in engem Zusammenhang zu den Wetterlagen über der Nordsee steht 
(Abschnitt2.2.2,5.30). Die Datenbasis für alle Beiträge bilden mit dem operationeilen 
Modell des BSH (>BSHcmod<) simulierte Strömungsfelder. 
3.1.1 Saisonale geographische Verteilungen 
Die Oberflächenzirkulation der Nordsee im Jahr 2003 ist in Abb. 3-1 für die vier Jahres 
zeiten dargestellt. Durch die saisonale vektorielle Mittelung der mit dem BSHcmod si 
mulierten Strömungsfelder wurden periodische Gezeitenströme weitgehend elimi 
niert, so dass die Verteilungsmuster die durch den Windantrieb generierten Restströ 
me zeigen. Da eine Strömungsklimatologie für das BSH-Modell nicht vorliegt, wird ein 
Vergleich mit entsprechenden saisonalen Verteilungen des Jahres 2002 durchgeführt 
(Loewe et al. 2003). 
Im Winter (JFM) 2003 war sowohl die Intensität der Zirkulation als auch die Richtungs 
stabilität der Strömungen deutlich schwächer ausgeprägt als im Vorjahr. Dies gilt ins 
besondere für den atlantischen Einstrom im Nordwesten und den Einstrom durch den 
Kanal. Der Einstrom von Ostseewasser durch das Skagerrak und der Ausstrom in den 
Atlantik über der Norwegischen Rinne waren hingegen kräftiger ausgebildet als im 
Vorjahreswinter. 
Die Strömungsmuster im Frühjahr (AMJ) 2003 und 2002 zeigten verglichen mit den 
übrigen Quartalen die geringsten Unterschiede. Stromstärken und Stabilität waren je 
doch auch in dieser Jahreszeit klar schwächer als im Jahr 2002. Auch in den Som 
mermonaten Juli bis September (JAS) wies die Oberflächenzirkulation kein großräu 
miges Muster auf; bei hoher Richtungsvariabilität blieben die ohnehin im Sommer ge 
ringen Strömungsgeschwindigkeiten hinter denjenigen des Vorjahressommers 
zurück. Dies trifft insbesondere auf den stark abgeschwächten Einstrom von Ostsee 
wasser, aber auch auf den Ausstrom über der Norwegischen Rinne zu. 
Die stärksten Unterschiede gegenüber den Vorjahresverhältnissen traten im Herbst 
auf und sind durch erhebliche Unterschiede im Windantrieb erklärbar (vgl. Abb. 2-7, 
5.37). Im Herbst 2002 war der zyklonale östliche Zirkulationsast vom Kanal bis zur 
Norwegischen Rinne einschließlich des baltischen Ausstroms extrem stark ausge 
prägt. Der ebenfalls intensive Ausstrom aus der Nordsee erstreckte sich über den ge 
samten nördlichen Rand bis hin zur schottischen Küste. Im Herbst 2003 kam nur ein 
mäßiger Ausstrom über der Norwegischen Rinne zustande, dem ein ähnlich starker
	        
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