Meereskunde
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Insgesamt sind auf beiden Fahrten aus Atlantik und Nordmeer 494 Wasserproben
von 50—400 Liter Inhalt aus verschiedenen Tiefen zwischen Oberfläche und Mee
resboden sowie 15 Bodenproben entnommen worden. Die Oberflädienproben
konnten aufgearbeitet werden. Die Bearbeitung der Vertikalprofile und Boden
proben ist noch nicht abgeschlossen.
c) Überwachung des Meerwassers auf Radioaktivität
Für den Bereich der Deutschen Bucht und der westlichen Ostsee bestand in den
Jahren 1972 und 1973 keinerlei Gefährdung durch radioaktive Stoffe; das zeigen
auch die Registrierungen der Meßanlagen des Strahlenüberwachungsnetzes.
Das Auftreten erhöhter Cs-137-Konzentrationen in der Nordsee wurde eingehend
untersucht (vgl. Abschnitt a). In der Deutschen Bucht wurden zusätzlich einmal
monatlich Wasserproben auf den Feuerschiffen „Borkum Riff“ und „P 8“ bzw.
^Deutsche Bucht“ entnommen, um auch die kurzfristigen Änderungen der Cs-137-
Konzentrationen zu erfassen: Siehe Abb. 10 oben.
Aus der westlichen Ostsee, dem Kattegat und dem Skagerrak wurden 58 Wasser-
und 30 Bodenproben zur näheren Untersuchung auf bestimmte künstlich radio
aktive Elemente entnommen. In der westlichen Ostsee sind die Aktivitäten von
Sr-90 und Cs-137 nahezu konstant geblieben (s. Abb. 10 unten). Im Kattegat und
im Skagerrak liegen die Werte der Cs-137-Konzentrationen größtenteils etwas
höher als in der westlichen Ostsee.
d) Entwicklung von Meßgeräten und Nachweisverfahren
Eine wesentliche Bereicherung der Nachweismöglichkeiten für radioaktive Sub
stanzen im Labor brachte die Inbetriebnahme eines neuen 4000-Kanal-Impuls-
höhenanalysators mt Halbleiterdetektor. Die auf dieses Gerät abzustimmenden
oder neu zu entwickelnden Analysemethoden sollen komplizierte und zeitrau
bende chemische Abtrennungen von Einzelnukliden weitgehend vermeiden. Mit
Vorversuchen zur Anreicherung bestimmter Nuklidgruppen aus Seewasser wurde
begonnen.
Die Entwicklung einer neuen Generation von Meßgeräten für das Strahlenüber
wachungsnetz in den deutschen Küstengebieten konnte abgeschlossen werden.
Die ersten Geräte dieser Art wurden 1973 im Routinebetrieb an Bord erprobt und
übernommen.
Eine Schnellmethode zur Anreicherung und Bestimmung der radioaktiven Isotope
Silber-110 und Jod-131 aus Seewasser wurde ausgearbeitet.
e) Verschiedenes
Wissenschaftler des Fachgebietes arbeiteten in verschiedenen Gremien der Inter
national Atomic Energy Agency (IAEA, Wien) und der Nuclear Energy Agency
(NEA, Paris) bei der Ausarbeitung einer internationalen Konvention mit (Ab
schnitt 6). Sie beteiligten sich außerdem an Beratungen zur Festsetzung von Richt
werten für die Versenkung radioaktiver Abfälle.