4.1 Nährstoffe
Nordseezustand 2003
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Tafel 4-1: Nährstoff-Glossar
Nährsalze wie Phosphat und anorganische Stickstoffverbindungen (Nitrat, Nitrit, Ammonium) sowie Silikat
sind für das Leben im Meer von grundlegender Bedeutung. Sie sind lebensnotwendige Substanzen für
den Aufbau des Phytoplanktons (der im Meer treibenden mikroskopisch kleinen einzelligen Algen), auf dessen
Biomasseproduktion die gesamte marine Nahrungskette basiert. Eiweißstoffe enthalten gebundenen
Stickstoff, Nukleinsäuren enthalten zusätzlich gebundenen Phosphor und Kieselalgen benötigen Silikat als
Gerüstsubstanz. Da diese Spurenstoffe das Wachstum fördern, werden sie als Nährstoffe bezeichnet.
Kohlenstoff wird in Form von C0 2 , HC0 3 “oder (ausnahmsweise) C0 3 2_ benötigt. Da C0 2 im Oberflächenwasser
in hoher Konzentration vorliegt, wirkt Kohlenstoff kaum begrenzend. Das Carbonatsystem liefert
stets die jeweils benötigte Form.
Stickstoff wird für die Synthese von Aminosäuren und Nukleinsäuren in der Form von Nitrat (N0 3 ~), Nitrit
(N0 2 _ ), Ammonium (NFH 4 + ) oder organischer Verbindungen aufgenommen. So lassen sich Flarnstoff und
Aminosäuren als bevorzugte Stickstoffquelle nutzen. Viele Bakterien können molekularen Stickstoff fixieren.
Ammonium wird wegen seiner reduzierten Form zumeist bevorzugt aufgenommen, während Nitrat energetisch
aufwendig durch das Enzym Nitratreduktase reduziert werden muss. Stickstoff wird gegenüber dem
Kohlenstoff bei der Bildung organischer Substanzen durchschnittlich im Verhältnis 1:6.6 (Kohlenstoff) aufgenommen.
In den Ozeanen ist Stickstoff das wichtigste die Produktion begrenzende Element. Nur in Küstennähe
und abgeschlossenen Meeresteilen kann es zeitweilig zu einer Limitierung voll funktionsfähiger
Biomasse durch Phosphor kommen, der gegenüber dem Kohlenstoff im Verhältnis 1:106 (Kohlenstoff) für
die Biosynthese benötigt wird. Bei Stickstoff- oder Phosphormangel endet die Primärproduktion für einige
Zeit in der Synthese von (überwiegend) Kohlenhydraten und wird schließlich stark eingeschränkt (Ott 1996).
Phosphor wird meistens als Orthophosphat (P0 4 3_ ) aufgenommen. Viele Algen können bei ausreichender
Stickstoffversorgung auch Polyphosphate oder organische Phosphorverbindungen verwenden, die mit Hilfe
von Phosphatasen an der Zelloberfläche hydrolysiert werden (Отт 1996).
Silikat ist eine Verbindung von Silizium und Sauerstoff (Si x O y ), einem oder mehreren Metallen und eventuell
auch Hydroxid-Ionen. Mit Silikat bezeichnet man auch die Salze des Siliziums und der Kieselsäuren. Ein Mangel
an Silikat im Meerwasser verhindert das Wachstum bestimmter Phytoplanktonarten, nämlich Kieselalgen
bzw. Diatomeen, die Silikate zur Ausbildung ihrer Schalen benötigen. Wenn Stickstoff oder Phosphor
knapp werden, stellt Phytoplankton generell das Wachstum ein. Wird Silikat knapp, so setzt sich das Wachstum
des Phytoplanktons fort, aber andere Arten treten hervor, wie nackte oder mit Zelluloseplatten beschälte
Flagellaten, zu denen auch giftige Arten gehören können.
Phytoplankton enthält die Elemente C, N und P in einem mittleren Atomverhältnis von 106:16:1. Dies wird
als Redfield-Verhältnis bezeichnet (Redfield 1934). Abweichungen im N:P Verhältnis deuten auf Produktionsbegrenzung
durch das jeweils im Minimum befindliche Element hin (Nährstofflimitierung). Andererseits
können veränderte N:P-Verhältnisse zu Verschiebungen in der Phytoplanktonpopulation und eventuell auch
zu erhöhter Toxizität bei einigen Algen führen.
Das Phytoplankton wird i. d. R. vom Zooplankton gefressen. Stirbt das Phytoplankton ab, kann es als
Schwebstoff auch noch vom Zooplankton aufgenommen werden oder wird von Bakterien und benthischen
Organismen verwertet. Auf diese Weise wird das organische Material unter Sauerstoffverbrauch wieder in
Kohlendioxid umgewandelt und die Nährstoffe werden wieder freigesetzt. Diese Prozesse werden als Remineralisierung
bezeichnet.
Eutrophierung bedeutet eine Anreicherung des Gewässers mit Nährstoffen, die zu einem erhöhten Pflanzenwachstum
führt, welches wiederum eine unerwünschte Störung des Gleichgewichtes zwischen den Organismen
und eine Beeinträchtigung der Wasserqualität zur Folge hat. Eutrophierung bezieht sich daher auf
unerwünschte Effekte, die auf eine anthropogene Anreicherung mit Nährstoffen zurückzuführen sind (Eutrophierungsdefinition,
im Rahmen von OSPAR abgestimmt (www.ospar.org)).