II. Die ozeanographischen Arbeiten auf d. ersten Teilfahrt d. Deutschen Nordatl. Expedition usw. 13
dann wird die Darstellung ein richtiges Bild dieser Variationen geben. Wenn
aber kurze und daneben kräftige Wellen vorhanden sind, deren Dauer kleiner
oder wenig größer als eine Stunde beträgt, dann können die einstündigen Beob-
achtungen geradlinig verbunden uns Wellen von kurzer Dauer (2 oder 3 Stunden)
mit großer Amplitude vortäuschen, die nicht reell sind; die Einzelbeobachtungen
wären dann mehr oder minder Zufallswerte und ihre geradlinige Verbindung
gibt eine zackig verlaufende Kurve, die wenig mit den tatsächlichen Temperatur-
änderungen der entsprechenden Tiefe zu tun hat. Zur richtigen Erfassung der
letzteren wären dann noch engabständigere Serienmessungen erforderlich oder,
was wohl besser ist, man muß zur Registrierung der ozeanographischen Elemente
in fixen Tiefenlagen übergehen,
Es wurde bemerkt, daß immer, wenn durch Zunahme der Windstärke während
der Verankerung die Wellenbewegung an der Meeresoberfläche an Intensität
zunahm und die Dünung an Länge und Tiefe gewann, die Temperaturschwan-
kungen innerhalb der Sprungschicht sehr unruhig wurden; die zackige Form
der graphischen Darstellung wurde intensiver und ein zwei- bis dreistündiges
Auf und Nieder in den Werten überlagerte sich den längeren Gezeitenperioden.
BMI MM
St365 20 SC
Abb. 5.
Temperaturbeobachtungen im einstündigen Intervall auf der Station 366 mit 60 Wiederholungsserien
(Tiefen 0, 5, 15, 25, 30, 40, 50, 60 und 80 m).
Es sieht fast so aus, als ob eine Beeinflussung der Sprungschicht durch die ver-
stärkte Dünung an der Meeresoberfläche einsetzt und die einstündigen Beob-
achtungen dadurch nur teilweise den tatsächlichen Temperaturänderungen in
der Tiefe gerecht werden. Es‘könnte auch sein, daß durch das Auftreten eines
stärkeren Triftstromes in der oberen Deckschicht bei Windzunahme die Stabili-
tätsverhältnisse der internen Wellen sich ändern. Die Sprungschicht erscheint
an sich unter gewissen Bedingungen als eine äußerst labile Erscheinung, die
sich bei der geringsten äußeren Beeinflussung in Wellen legt. Diese können
stabil und instabil sein und die äußeren Verhältnisse sind ausschlaggebend
dafür, welche Gattung zur Ausbildung gelangt. Daß auch instabile Verhältnisse
anzutreffen sind, dafür sind in den Wiederholungsserien der Stationen der letzten
„Meteor“-Fahrt mehrfach Beispiele gefunden worden und die Abb. 5 gibt an
zwei Stellen eine instabile Temperaturverteilung, bei der die mittleren Schichten
kälter als die unteren sind, Solche Instabilitäten sind besonders wichtig, zeigen
sie uns doch Prozesse an, bei denen innere Wellen in innere Wirbel übergehen,
wodurch durch Mischung die Sprungschicht der Auflösung entgegengeht, Es
wird von besonderem Interesse sein, diesen Fällen von Instabilität nachzugehen
und gleichzeitig zu untersuchen, unter welchen Bedingungen solche Instabilitäten
hydrodynamisch möglich sind.
Auf der Teilfahrt wurden, soweit die Zeit es zuließ, auch biologische Unter-
suchungen ausgeführt. Gerade im Auftriebsgebiet an der westafrikanischen
Küste mußten solche biologischen Untersuchungen von großem Interesse sein,