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Volltext : 33: Nordsee und Deutsche Bucht 2002

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BSH

Ozeanographischer  Zustandsbericht

sehen  Wassers  mit  Salzgehalten  über  35,  andererseits  durch  die  erheblichen  Süßwassereinträge ­
  der  Flüsse  und  den  salzarmen  Ausstrom  aus  der  Ostsee  gekennzeichnet.  Der
Süßwassereintrag  durch  Niederschlag  über  der  Nordsee  wird  weitgehend  durch  die  Verdunstung ­
  kompensiert.
Der  Nordatlantik  übt  insgesamt  einen  dämpfenden  Einfluss  auf  die  Nordsee  aus.  So  beträgt
die  Amplitude  der  jährlichen  Temperaturwelle  in  der  durchmischten  Deckschicht  am  Nordeingang ­
  etwa  2.5  °C,  in  der  Deutschen  Bucht  dagegen  mehr  als  7.5  °C  (Becker  1981).  In  der
Nordsee  bildet  sich  in  der  Zeit  zwischen  April/Mai  und  September/Oktober  eine  permanente
Temperatursprungschicht,  die  die  durchmischte  Bodenwasserschicht  von  der  durchmischten
Deckschicht  trennt.  Die  Amplitude  der  Jahreswelle  der  Temperatur  in  Bodennähe  beträgt  in
der  zentralen  und  nördlichen  Nordsee  weniger  als  1  °C.  Zwischen  dem  vertikal  durchmischten ­
  und  dem  geschichteten  Wasser  bilden  sich  Frontalzonen,  Gebiete  starker  horizontaler
Gradienten  der  Temperatur,  die  als  tidal  mixing  fronts  (Pingree  et  al.  1978)  bezeichnet  werden ­
  und  in  Satellitenbildern  gut  sichtbar  sind.
Die  Nordsee  unterliegt  einer  starken  zwischenjährigen  Variabilität,  die  vor  allem  durch  den
Atlantik  gesteuert  wird.  Während  die  Wärmebilanz  überwiegend  durch  die  lokalen
Strahlungs-  und  Wärmeflusskomponenten  atmosphärisch  beeinflusst  wird,  werden  die  Salzund
  Nährstoffbilanzen  von  der  Advektion  aus  dem  Atlantik  dominiert.

2.1  Atmosphäre
Die  Nordatlantische  Oszillation  (NAO)  ist  in  einer  Vielzahl  von  Studien  zur  Erklärung  der
Variabilität  verschiedenster  Naturerscheinungen  in  der  Nordhemisphäre  herangezogen  worden ­
  (Marshall  et  al.  2001,  Hurrel  2003).  Obwohl  viele  andere  Faktoren  im  Netzwerk  der
Wechselwirkungen  Einfluss  nehmen,  ist  die  NAO  oft  als  wichtigste  Einzelgröße  für  einen
hohen  Anteil  der  Variabilität  diverser  Beobachtungsgrößen  verantwortlich.  Auch  die  atmosphärische ­
  Variabilität  über  der  Nordsee  wird  in  der  kühleren  Jahreszeit  von  der  NAO  dominiert. ­
  Die  Abhängigkeit  der  hydrographischen  Zustandsgrößen  (Strömung,  Temperatur,  Salzgehalt) ­
  vom  atmosphärischen  Antrieb  zeigt  sich  folgerichtig  im  Winter  in  einer  nachweisbaren
Abhängigkeit  dieser  Parameter  in  Muster  und  Intensität  vom  Zustand  der  NAO.  Für  andere
nicht-hydrographische  Zustandsgrößen  der  Wassersphäre  sind  mittelbare,  auch  zeitverzögerte ­
  Zusammenhänge  zur  NAO  über  hydro-  und  thermodynamische  Prozesse  möglich.
Der  exponentielle  Anstieg  von  NAO-Veröffentlichungen  in  den  vergangenen  zehn  oder  zwanzig ­
  Jahren  ging  mit  einer  Popularisierung  der  Thematik  einher,  die  kaum  hinter  derjenigen
des  El-Nino  Phänomens  zurücksteht.  Die  Aufdeckung  von  NAO-Zusammenhängen  aller  Art,
unter  hohem  Publikationsdruck  und  als  akademischer  Volkssport,  hat  nicht  selten  übereilte
Schlussfolgerungen  produziert,  die  sich  sonderbarerweise  bevorzugt  im  Allgemeinwissen
festsetzen,  und  zu  einer  Begriffsverwirrung  beigetragen,  die  bereits  beim  Genus  der  NAO
beginnt.  Der  NAO  belegt  nicht  nur  die  grassierende  Verhunzung  der  deutschen  Sprache,
sondern  zeugt,  falls  der  NAO-Index  gemeint  ist,  manchmal  auch  von  Ignoranz  gegenüber  der
Tatsache,  das  der-einzige  oder  universelle  -  NAO-Index  nicht  existiert.
Diese  Umstände,  vor  allem  aber  die  schon  angedeutete  Relevanz  des  Phänomens  NAO  für
die  Nordsee,  rechtfertigen  die  hier  gebotene  grundlegende  Darstellung,  deren  besonderes
Anliegen,  über  die  Präsentation  relevanter  aktueller  Arbeitsergebnisse  hinaus,  in  einer
Verklarung  von  Begrifflichkeiten  sowie  im  Aufzeigen  der  definitiv  begrenzten  Tauglichkeit  der
NAO  als  Generalschlüssel  zum  Verständnis  der  Welt  besteht.
Der  Abschnitt  Atmosphäre  beschränkt  sich  inhaltlich  auf  die  NAO,  obgleich  sich  der  atmosphärische ­
  Einfluss  auf  die  Nordsee  natürlich  nicht  in  der  NAO  erschöpft.  Darüber  hinaus
gehende  meteorologische  Beiträge  -  etwa  objektive  Zirkulationsstatistiken,  wie  sie  von  der
Climate  Research  Unit  der  University  of  East  Anglia  (CRUUEA)  für  Großbritannien,  oder  vom
            
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