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Full text: 71, 1943

Kalle, K.: Die große Wasserumschichtung im Gotland-Tief vom Jahre 1933/34. 143 
Phosphatgehalt etwa 130 zu 22 mg P/m* und in der prozentualen Verteilung 
des Sauerstoffs 3 zu 41 °%, O,. 
Auf Grund dieses auffallenden Befundes erschien es mir eine reizvolle Auf- 
gabe, mittels des in der Literatur vorhandenen Materials den Versuch zu unter- 
nehmen, die zwischen 1931 und 1938 bestehende Lücke zu schließen und darüber 
hinaus die in der Tiefe der Gotland- 
Mulde vor sich gehenden Wasserum- 
setzungen zeitlich so weit wie möglich 
zurückzuverfolgen. Unterstützt wurde 
dieses Bestreben dadurch, daß gerade 
über das Gotland-Tief dank der ein- 
gehenden Messungen der Finnländer 
und Lettländer eine geschlossene 
Untersuchungsserie vorliegt, die eine 
lückenlose Verfolgung des hydro- 
graphischen Aufbaues durch jährlich 
ein- oder auch mehrmalige Kontrollen 
bereits seit dem Jahre 1926 gestattet. 
Das Gotland-Tief stellt im Gefüge 
des Ostseeaufbaues eine in sich ab- 
geschlossene Mulde dar, die gegen- 
über dem benachbarten Danziger-Tief 
und dem Landsort-Tief durch Schwel- 
len abgegrenzt wird. Die eigentliche 
von 140 m bis auf etwa 240 m Tiefe 
absinkende Tiefenmulde stellt dem- 
nach ein nach oben zu trichterförmig 
erweitertes Becken dar, in den das 
von Süden her eindringende, aus der 
Nordsee stammende salzreiche und 
daher schwere Tiefenwasser ein nahezu 
ungestörtes und in sich abgeschlosse- 
nes Eigenleben führen kann. Dieses 
Stagnieren der Tiefenwassermassen 
muß infolge der ständigen Zufuhr an 
organischen Abbauprodukten, die aus 
den oberen Wasserschichten stammen, 
zu einer langsamen Verarmung des 
Tiefenwassers an Sauerstoff und einer 
dementsprechenden Anreicherung mit 
den in Freiheit gesetzten Nährstoffen, 
vor allem mit Phosphat führen, 
So lagen die Verhältnisse in der 
Tat bei der ersten der beiden Unter- 
suchungsserien im Jahre 1931. Wäh- 
rend der Sauerstoffgehalt unterhalb 
der 200 m-Schicht nahezu den Null- 
punkt erreicht hatte, lagen die ent- 
sprechenden Phosphatwerte bereits 
oberhalb des für Ostseeverhältnisse 
erheblichen Betrages von 100 mg P/m®, 
Ausgehend von diesem „Normalzustand“ soll im folgenden an wenigen typischen 
Beispielen der Umlagerungsvorgang der tieferen Wasserschichten in seinem Ver- 
lauf verfolgt werden. Abb. 1 zeigt den hydrographischen Aufbau im Jahre 1931 
vor Beginn der Umschichtung. Bezeichnend für diesen Zustand ist die ausge- 
prägte Zunahme des Phosphatgehaltes mit der Tiefe und eine entsprechende 
Abnahme des Sauerstoffgehaltes, Bei Abb. 2, am 18. 10. 1933, befinden wir uns 
bereits mitten in dem Umlagerungsvorgang darin. Dies läßt sich daran erkennen,
	        
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