Eckardt, W.‘R.: Über die Ursachen der jahreszeitlichen Regenfälle in Afrika usw.
Über die Ursachen der jahreszeitlichen Regenfälle in ‘Afrika
mit besonderer Berücksichtigung der Küstengebiete.”) :.
Von Dr. W. R. Eckardt, Meteorologisches Observatorium Essen, . ;
Während ‚der größte Teil des asiatischen Festlandes uns ein vortreffliches
Beispiel für ein reines Kontinentalklima darbietet, ist. Afrika der »Tropenkontinent
par excellence«, wie ihn v. Hann sehr. treffend bezeichnet hat. Denn nur mit
seinen nördlichsten und südlichsten Teilen reicht das afrikanische Festland noch
in die Subtropenzone mit Winterregen hinein?). Die regelmäßigen Luftströmungen
der Tropenzone: die. Monsune und die .Passate. beider Halbkugeln beherrschen
fast den ganzen, Kontinent. Man sollte ‚daher ..meinen, daß auch'.die Ursachen
des Ganges ‚der Regenfälle in Afrika sowohl in jahreszeitlicher wie in räum-
licher. Beziehung verhältnismäßig einfach wären und in jeder Hinsicht. klar zu
Tage träten, Das ist jedoch- durchaus nicht überall der Fall. ©.
Im Hochsommer der Süchalbkugel, also im Januar, liegt ‚eine flache Er-
wärmungszyklone über dem südafrikanischen Dreieck, die: im Süden ‚bis in das
Gebiet: des: oberen Orangeflusses reicht,. im. Norden‘ aber den. Äquator über-
schreitet und mit ihren Ausläufern bis zum südlichsten Teil des östlichen Sudan
reichen dürfte. Im Laufe der folgenden Monate wandert sie, entsprechend dem
Lauf . der. Sonne, nordwärts und liegt bereits im April gänzlich nördlich des
Äquators als ebenfalls sehr flaches Luftdruckgebilde über dem südlichen Sudan.
Erst im Mai beginnt :sie sich, gleichzeitig mit dem niedrigen Luftdruck über dem
südlichen Asien, zu vertiefen, nimmt jedoch auch noch in diesem Monat eine
selbständige Stellung ein, da der Luftdruck über dem Roten Meere. sowie . über
Südarabien um diese ‚Zeit noch höher ist als über dem südlichen Sudan und
Vorderindien, Das gesamte Innere Afrikas ist daher auch noch im. Mai der Ziel-
punkt der Luftströmungen aus der Umgebung des Kontinents. Immerhin-sind
in ‚diesem Monat die Luftdruckverhältnisse noch sehr. ausgeglichen. Ba
Die Abhängigkeit der Regen vom -Sonnenstand tritt. nirgends so. deutlich
hervor wie in-Afrika, das in seiner nord- und südäquatorialen Hälfte sich in
bezug auf die Niederschläge wenigstens in großen Zügen ziemlich symmetrisch
verhält, So, wie der Sudan seine Sommerregen im Juli; hat sie das Sambesi-
gebiet im Januar... Von diesem und. jenem aus. äquatorwärts gehend, kommt
man durch Gegenden, mit Herbst- und Frühlingsregen mit großer. und kleiner
Regenzeit, durch Gebiete, wo es noch Trockenzeiten von 14 Tagen gibt, in den
Äquatorialgürtel, wo kein Monat regenlos ist, wenn auch im allgemeinen bei der
stärkeren Erwärmung der Nordhälfte des Erdteils die Südsommerregen das
Übergewicht haben, _ .
Die Tropenregen wändern also mit. den Zenitständen der Sonne ‚von
Norden nach Süden und im weiteren Verlauf des Sommers wieder zurück. Daher
finden wir in Afrika sowohl den echten Tropentypus der Regenfälle mit zwei
Maximis, :als ‚auch. den. echten Monsuntypus mit einem Niederschlagsmaximum
zur Zeit des jeweilig höchsten Sonnenstandes, oder vielmehr kurz nach. demselben,
vertreten. Da.ferner.die Verschiebung des den Regen ‚erzeugenden Tiefdrucks
zwischen dem 5.° und 17.° N-Br, nicht mit einem Male, sondern allmählich erfolgt,
so ist auf jedem Meridian, je südlicher der.Ort liegt, die.Zeit der Regen desto
länger, und dabei sind die Niederschläge bei sonst gleichen Bedingungen im. all-
gemeinen desto reichlicher, so daß fast überall. in der Nähe des Äquators die
Periodizität stark gemildert wird, oder daß sich hier die Niederschlagsperiode
in. ihren Hauptzügen doch am regelmäßigsten nach den Zenitabständen der
Sonne regelt. So regnet es z. B. im Kongostaat das ganze Jahr hindurch; nur
im Osten scheint das Gebiet mit mäßiger. Periodizität nicht über die Seenregion
| ‘) Als Kartengrundlagen der vorliegenden Abhandlung wurde in erster Linie das in Bartho-
lomews Physical Atlas; Vol. IIT, Meteorology ı Westminster 1899) enthaltene Material, sofern an ‚ver-
schiedenen Stellen nicht anderes Material besonders namhaft gemacht ist, benutzt... ..“ "7
. ?). Vgl. hierüber in der Abhandlung von W. R, Eckardt: Über‘ die Ursachen der jahreszeit-
lichen‘ Regenfälle in den westlichen Mittelmeerländern, »Ann.’d, Hydr. usw.« 1916, Hit. 4 und 5. den
Abschnitt über die Atlasländer 5. 257.