313 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1916.
in 24 Stunden trat vom 21. zum 22. August 1911 8h V, ein; die Temperatur
steigt von — 57.5° auf — 25.1°, also um 32.4°C. Davon entfallen auf die
12 Stunden 21. 8b N. bis 22. 84 V. 28.7° C. Die thermischen Windrosen sind gut
ausgeprägt. Am kältesten sind die Kalmen mit — 31.4°, dann folgt SW-, am
wärmsten sind die N—-NW-Winde, die vom Meere her wehen mit — 16° C.
Die Feuchtigkeitsangaben beruhen auf Ablesungen des Russeltvedtschen
Torsionshygrometers. Auf Grund meiner eigenen Erfahrung möchte ich diesen
Werten nicht den Grad von Sicherheit zuerkennen, wie es Birkeland und Mohn
tun. Haarhygrometer sind bekanntlich bei tiefen Temperaturen außerordentlich
träge und zweitens dürfte sich unter den klimatischen Verhältnissen von Fram-
heim Reif auch an das Haar selbst angesetzt haben, wodurch sich um das Haar
eine gesättigte Eisdampfhülle bildet und außerdem zum mindesten ein Teil des
Haares mechanisch der Einwirkung der Luftfeuchtigkeit entzogen wird. Nähere
Angaben darüber, ob dies der Fall gewesen ist, liegen allerdings nicht vor, doch
dürfte die geringe Veränderlichkeit der Feuchtigkeit, die Birkeland und Mohn
ausdrücklich hervorheben, sich zum guten Teil hierauf zurückführen lassen, Die
Dampfspannung ist sehr klein, eine einfache Folge der tiefen Temperatur.
Die Windverhältnisse können wegen des weithin sehr ebenen Geländes als
charakteristisch für ein großes Gebiet gelten. Die vorherrschende Windrichtung
ist Ost mit rund ein Drittel aller Beobachtungen. Nächsthäufig sind die S- und
SW-Winde mit zusammen 26°/,; sehr zahlreich sind ebenfalls die Windstillen mit
21%, der Beobachtungen. Die Windgeschwindigkeit ist mäßig, erreicht als
höchstes Monatsmittel im Oktober 6.5 m p. Sek. und hält sich meist zwischen
4 und 5m p. Sek. Starke Winde sind nicht häufig; nur 7!/,°%, der Messungen
ergeben 10 m p. Sek. und darüber. Die Zahl der Stürme, 15 m p. Sek. und höher,
beträgt nur 2°%,. Etwa die Hälfte der starken Winde kommt aus Osten; sie
sind relativ warm, 6° über dem Mittel, und häufig von Schnee begleitet. Sie
sind demnach wohl, wie z.B. auch die Ostwinde der Gauß-Station, als zyklonale
Winde aufzufassen,
Die Bewölkung ist in allen Monaten, von denen Beobachtungen vorliegen
(in der dunklen Jahreszeit wurde sie nicht beobachtet), mäßig. Bei nördlichen
Winden ist sie am größten, bei südlichen am kleinsten. Klare Tage sind durch-
schnittlich seltener als bedeckte. Von den 599 notierten Wolkenformen ge-
hören 73 dem ci-Niveau, 53 dem a-cu-Niveau und 311 der untersten Wolken-
schicht an.
Nebel ist am häufigsten bei Ostwind, ebenso Schnee, Die Niederschlags-
wahrscheinlichkeit ist bei Windstille am größten. An zweiter Stelle stehen
nördliche Winde und an letzter Südwinde.
Der zweite Teil der Mohnschen Arbeit beschäftigt sich mit den Ergeb-
nissen der großen Schlittenreise Amundsens zum Südpol, der Höhenberechnung
und Meteorologie der inneren Antarktis. Alle Beobachtungen während der
Reise sind ausführlich in allen Einzelheiten wiedergegeben, so daß eine kritische
Nachprüfung der Ergebnisse möglich ist. Auf den astronomischen Teil, die Orts-
bestimmungen betreffend, brauche ich an dieser Stelle nicht einzugehen.
Die eigentliche Polreise begann am 20. Oktober, vom 16. bis 18, Dezember
war Amundsen am Pol und erreichte Framheim wieder am 25, Januar 1912,
Die Beobachtungen geschahen meist dreimal am Tage, selbstverständlich konnten
bestimmte Termine nicht eingehalten werden; sie sind aber auch wegen des ver-
schwindenden täglichen Ganges der meteorologischen Elemente im innern Polar-
gebiet nicht von der Bedeutung wie in anderen Gebieten der Erde. Regelmäßig
wurde vor dem Aufbruch aus jedem Lager und nach dem Aufschlagen des Zeltes
im neuen Lager beobachtet, meist auch noch während einer Rast auf dem Tage-
marsche,
Als Methode der Höhenberechnung konnte nur die Staffelmethode in
Betracht kommen, da genügend nahe Basisstationen in der Antarktis nicht vor-
handen sind. Nur bis etwa zum 80° S benutzte Mohn außerdem die direkte
Methode unter Zugrundelegung von Isobarenkarten, die er aus den Windrich-
tungs- und Geschwindigkeitsangaben des Reise- und Stationsortes sowie des Basis-