Schott: Monthly current charts for ihe Indian ocean.
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verrechneten Besteckditferenzen, wie dies in den vom Utrechter Meteorologischen
Institut 1889 und 1893 für die Winter- und Frühjahrsmonate bisher veröffentlichten
„Waarnemingen in den Indischen Oceaan“ mit ungemeinem Fleifse durchgeführt
ist. Zwischen beiden, ganz verschiedenen Principien der Veranschaulichung
hält diese neueste englische Darstellungsart die Mitte; es ist zwar eine gewisse
Generalisation der Einzeldaten vorgenommen worden — es wurde eben nur die
in jedem Monat vorwiegende Richtung der Wasserbewegung für ein mehr oder
weniger grofses Gebiet eingetragen —, aber es sind diese mittleren Richtungen
der Strömungen nicht zu grofsen Stromkreisen und Stromsystemen verbunden
worden, sondern sie sind: unmittelbar in der Karte niedergelegt, so dafs die Zu-
sammenfassung. dieser Beobachtungen nach geographischen und physikalischen
Gesichtspunkten dem Beschauer noch vorbehalten bleibt. Die’ deutsche Methode
hat den grofsen Vortheil, dafs man mit einem Blicke ein Gesammtbild der vor-
herrschenden Wasserbewegung zu gewinnen vermag, die holländische Methode, da[s
neben jedem Pfeil in den Eingradfeldern die Zahl der zu Grunde liegenden einzelnen
Besteckdifferenzen angegeben ist, was natürlich für die Beurtheilung der Zu:
verlässigkeit einzelner Stromerscheinungen aufserordentlich wichtig ist, Auf den
holländischen Kartenblättern ist es aber sehr schwer, wenn nicht fast unmöglich,
eine geographische Uebersicht zu gewinnen, weshalb in dem 1893 herausgegebenen
Hefte auch drei solcher Uebersichtsblätter neu hinzugefügt worden sind. ;
In dem englischen Atlas ist keine feste Flächeneinheit zu Grunde gelegt,
auch fehlt eine Angabe der Anzahl der Beobachtungen, welche zur KErmittelung
der vorherrschenden Stromrichtung benutzt werden konnten; aber es läfst sich
andererseits ziemlich leicht ein Ueberblick über die Gesammtheit der Stromsysteme
gewinnen, sowie auch ein zahlenmäfsiger Ueberschlag der zu erwartenden
Geschwindigkeiten.
Kleine geschlängelte Pfeile deuten nämlich die Richtung an, nach der das
Wasser vorwiegend zu strömen pflegt; da, wo die Wasserbewegung stark ist,
sind die Pfeile und die geschlängelten Linien dicht gesetzt, aufserdem steht die
Länge der Pfeile in einem direkten Verhältnifs zur Stromgeschwindigkeit, indem
U Zoll Länge einer Versetzung von 100 Sm in 24 Stunden entspricht. Vorwiegend
bewegungslose Meeresgegenden sind durch einen kleinen Kreis (©) gekennzeichnet.
Sehr werthvoll ist ferner, dafs neben die meisten der Pfeile noch die bisher
beobachtete Minimal- und Maximalversetzung, wiederum in Seemeilen pro Etmal,
geschrieben ist.
. Besteckdifferenzen unter 6 Sm in 24 Stunden wurden‘ weggelassen, da
dieser Betrag im Allgemeinen innerhalb der Fehlergrenzen der Logrechnung bleibt.
Wie in allen ähnlichen Veröffentlichungen, so wird auch hier der Schiffs-
führer noch besonders davor gewarnt, sich blindlings auf die Angaben der Karten
zu ‚verlassen oder zu verlangen, daß er auf seiner Reise. die Strömung genau
in der Richtung und der Stärke antreffen müsse, welche nach der Karte den
mittleren Verhältnissen eigen ist. ,
Wharton schreibt darüber Folgendes:
„Mit der Zunahme . unserer. Kenntnisse von den oceanischen Wasser-
bewegungen ist dies immer deutlicher hervorgetreten, dafs die (Oberflächen-)
Strömungen äufserst unbeständig sind, sowohl was ihre Schnelligkeit als ihre
Richtung anlangt, und dafs selbst die ausgeprägtesten und konstantesten derselben
strichweise.und zeitweise sehr grofsen Veränderungen unterliegen. Die
sogenannten Windtriften, d. h. die Strömungen, die unter dem unmittelbaren
Einflusse der. Winde (seien dies nun beständige oder vorübergehende Luft-
strömungen) erzeugt werden und meist wohl nur. die allerobersten Wasserschichten
beherrschen, zeigen naturgemäfs diesen veränderlichen Charakter in noch
höherem .Grade,“
Aufserdem findet sich auf jedem Kartenblatt noch folgende Notiz:
„Da alle Strömungen, selbst die konstantesten, wie .z. B, der Agulhas-Strom,
aufserordentlich variabel nach Richtung und Geschwindigkeit sind, so werden
die wirklichen Strömungen, d.h. die Versetzungen, die der Schiffer erleidet,
manchmal beträchtlich abweichen von den „generalisirten“ Strompfeilen, welche
die Karte zeigt. Die mehr oder weniger grofse Wahrscheinlichkeit, gerade die
in der Karte angegebene Strömung zu treffen, mufßs man daher auch nach den
Strompfeilen, die für die benachbarten Gegenden eingetragen sind, zu beurtheilen